21.07.2018 18:41
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Europa
Strengere Regeln bei Antibiotika-Einsatz
Exporteure sollen künftig strengere Regeln bei der Verabreichung von Antibiotika einhalten - Für den Menschen kritische Wirkstoffe dürfen nicht zum Einsatz kommen - USA und weitere Länder befürchten Einschränkungen des Handels - Brasilien pocht auf eine Aufhebung der Importbeschränkungen für Geflügelexporteure - EU verweist auf den Verbraucherschutz

Das neue EU-Tierarzneimittelrecht und insbesondere die darin angestrebten Importbeschränkungen stossen einigen Handelspartnern bitter auf. Das ist bei der Diskussion zur fünften Überarbeitung des Abkommens zu sanitären und phytosanitären Massnahmen (SPS-Abkommen) der Welthandelsorganisation (WTO) am vergangenen Mittwoch deutlich geworden.

Die Regeln sehen nämlich vor, dass Exporteure von Vieh und Fleisch in Drittländern künftig keine Antibiotika mehr bei ihren Tieren als Wachstumsbeschleuniger einsetzen dürfen, die als kritisch für die Behandlung des Menschen eingestuft werden. Mehrere Länder, darunter Argentinien, die USA, Brasilien, Australien und Kanada, monierten dem WTO-Bericht zufolge, dass dadurch der internationale Handel erheblich eingeschränkt werde.

Restriktionen der Europäischen Union, die in Drittländern Geltung finden sollten, würden ausserdem die Bemühungen von Organisationen wie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen untergraben, so der Vorwurf.

Die EU bekräftigte dagegen, dass die neuen Regeln mit den geltenden internationalen Abkommen konform sowie rechtlich fundiert seien. Sie kündigte eine nicht diskriminierende Umsetzung an. Die Verbreitung von Resistenzen sei ein internationales Thema grosser Tragweite.

Bumerangeffekt für Brasilien

Weitere Unstimmigkeiten beim Handel mit Fleisch gab es zwischen der EU und Brasilien. Die Europäische Union schliesst seit April dortige Exporteure von Geflügelfleisch oder entsprechenden Fleischzubereitungen vom Handel aus, wenn gegen diese Betriebe aufgrund des Verdachts von Verstössen gegen die Lebensmittelvorschriften ermittelt wird.

Betroffen sind laut Marktbeobachtern 20 fleischverarbeitende Betriebe und rund 35 % der Exporte. Brasilien rief die Europäische Union laut WTO auf, diese Regel zurückzunehmen, da sie nicht wissenschaftlich begründet sei. Dem entgegneten die Vertreter aus Brüssel, dass das Importverbot auf den Risiken der Kreuzkontamination bei der Verarbeitung und dem Konsum von Geflügelfleisch basiere.

Sie habe Brasilien vorgeworfen, frisches Geflügel für den EU-Export mit Salz zu versetzen, aller Wahrscheinlichkeit nach, um von niedrigeren Zollsätzen zu profitieren. Das sei aber kein Grund dafür, ihr wissenschaftlich begründetes Vorgehen zu ändern, das sich mit internationalen Abkommen decke, so die EU-Vertreter.

Brasilien sei sich im Klaren darüber, dass gesalzenes Geflügel unter Fleischzubereitungen falle und deshalb striktere Vorkehrungen gegen den Salmonellenbefall zuträfen.

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