4.02.2016 07:35
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Syngenta
Syngenta-Deal: Übernahme der Superlative
Der Agrarchemiekonzern Syngenta hat am Mittwoch vielleicht zum letzten Mal ein Geschäftsjahr präsentiert. Denn neben dem Verwaltungsratspräsidenten Michel Demaré sass auf der Bühne Ren Jianxin, Vertreter des neuen möglichen Eigentümers ChemChina.

Bis Ende 2016 soll diese grösste je in der Schweiz getätigte Übernahme abgeschlossen sein. Syngenta würde dann von der Börse genommen.

Segen der Behörden ausstehend

Syngentas Präsentation des Geschäftsjahres 2015 war am Mittwoch völlig in den Hintergrund getreten vor der Ankündigung, dass der chinesische Staatskonzern ChemChina den Schweizer Agrarchemiekonzern übernehmen will. Die Behörden müssen diesem Vorhaben aber noch zustimmen, was vor allem in den USA schwierig sein könnte.

Diese geplante Übernahme ist gekennzeichnet durch eine ganze Reihe von Superlativen: Sie ist die grösste Übernahme in der Chemie-Branche weltweit; in Europa ist sie die Grösste, die je in Cash getätigt wurde; und sie ist die Grösste, die die Chinesen je in Übersee getätigt haben. Darüber hinaus hat dieses Vorhaben eine politische Dimension. So betonte Ren Jianxin, Verwaltungsratspräsident bei ChemChina und künftiger Verwaltungsratspräsident bei Syngenta, dass es bei dieser Übernahme darum gehe, ganze Völker zu ernähren – nicht nur Menschen in China, sondern generell Menschen in den sich entwickelnden Ländern.

Gewinnorientierung oder Ernährung der Welt

Der Agrarchemiekonzern hatte sich bereits bis anhin auf die Fahnen geschrieben, die Welt ernähren zu wollen, im Wesentlichen mit Saatgut und Pflanzenschutz. Doch als börsenkotiertes Unternehmen orientierte sich Syngenta vor allem auch am Gewinn. Wie das im Besitz der neuen chinesischen Eigner sein wird, blieb am Mittwoch offen. Ren Jianxin äusserte sich nicht, zu welchen Preisen Bauern künftig Syngenta-Produkte beziehen können. Nur soviel: Es gehe nicht um Preise, sondern um Werte und nachhaltige Entwicklung.

Zumindest Aktionären wird er dazu nicht Rede und Antwort stehen müssen. Im Zug der Übernahme wird Syngenta nicht mehr an der Börse gelistet sein. Doch Jianxin wie Demaré betonten, dass man sich im Rahmen der Übernahmeverhandlungen «auf die höchsten Standards zur Corporate Governance» verständigt habe, sowie auf «höchste Umweltstandards».

100 Prozent Cash

Laut Jianxin ist derzeit noch offen, wie die Besitzerstruktur von Syngenta künftig aussehen werde. ChemChina übernimmt Syngenta zu 100 Prozent in Cash für insgesamt 43 Milliarden Dollar. Für die Zukunft hält sich der neue Besitzer die Option offen, zumindest einen Teil der Aktien auch wieder an der Börse handeln zu wollen. Doch derzeit sei die künftige Finanzstruktur offen. Es gebe «eine Vielzahl interessierter Investoren», sagte Jianxin. Diese könnten künftig «in die Transaktion oder in ChemChina investieren».

Nach neuem CEO wird noch gesucht

Das bisherige Management von Syngenta wird auch unter den neuen Besitzern weiterarbeiten. Zur Position von Konzernchef John Ramsey, der die Geschicke von Syngenta auf der operativen Ebene seit letzten Oktober interimistisch leitet, sagte Demaré, es werde weiter nach einer definitiven Lösung gesucht.

Der Verwaltungsrat wird nach der Übernahme aus zehn Mitgliedern bestehen, wobei Ren Jianxin das Präsidium und Michel Demaré das Vizepräsidium übernehmen wird. Zudem sollen vier der bisherigen Syngenta-Verwaltungsräte auch künftig im Gremium vertreten sein. Der Hauptsitz soll in Basel bleiben. Und die Übernahme soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Vor diesem Hintergrund sagte noch-Verwaltungsratspräsident Demaré, Syngenta werde Syngenta bleiben, aber mit einer helleren Zukunft.

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