7.12.2016 07:36
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Klima
Temperaturen 2016 bieten Extreme
Es wird immer wärmer: Das Jahr 2016 bricht aller Wahrscheinlichkeit nach erneut weltweite Temperaturrekorde. Und übertrifft dabei noch seine beiden Vorgänger als wärmstes Jahr seit dem Beginn exakter Aufzeichnungen im Jahr 1880.

Im Durchschnitt habe die Temperatur über den Land- und Ozeanflächen des Planeten von Januar bis Oktober bei 15,08 Grad Celsius gelegen, berichtete die US-Klimabehörde NOAA Mitte November. Das ist noch einmal 0,1 Grad Celsius mehr als im Vorjahreszeitraum.

1,2 Grad wärmer als vorindustriellen Jahre

Auch die Weltwetterorganisation WMO hält es für wahrscheinlich, dass 2016 das heisseste bisher erfasste Jahr wird. Nach vorläufigen Daten werde es 1,2 Grad wärmer als die vorindustriellen Jahre.

September und Oktober waren nach einer langen Folge von 16 Rekordmonaten die ersten, die «nur» zweit- und dritthöchste Werte erreichten. Das ist nach Angaben der NOAA-Forscher vor allem auf den Einfluss des gerade beginnenden Klimaphänomens La Niña zurückzuführen. La Niña löst den vorausgegangenen El Niño ab und kühlt das Oberflächenwasser im Ostpazifik.

Alaska mehr als fünf Grad wärmer


Während es in weiten Teilen Asiens zuletzt deutlich kühler war als im Mittel, überwiegen die roten, erwärmten Teile der Temperaturweltkarte bei weitem. Das gilt etwa auch für Alaska, den schnee- und eisreichen nördlichsten der US-Bundesstaaten. «Die Durchschnittstemperaturen in Alaska sind seit den 1980er Jahren um 10 Grad Fahrenheit (5,56 Grad Celsius) gestiegen», berichtet NOAA-Experte Rick Thoman.

Was den Forschern auch Sorgen macht: Das arktische Eis wächst erneut deutlich langsamer als für die Jahreszeit normal. Im Oktober waren auf der nördlichen Halbkugel nur rund drei Viertel der Meeresoberfläche mit Eis bedeckt wie verglichen mit dem 30-Jahres-Mittel üblich. Deutlich weniger noch als 2015.

Eisfläche fehlt

Das sei die kleinste arktische Eisfläche in einem Oktober seit Beginn dieser Aufzeichnungen 1979, schreibt die NOAA. «Es fehlt eine Eisfläche von der Grösse Alaskas und Texas' zusammen.» In der Antarktis war die Eisfläche im Oktober vier Prozent kleiner als üblich.

Ohne Eisschicht, die die Sonnenstrahlen reflektiert, steigen jedoch die Meerestemperaturen verstärkt. «Die Ozeane spielen verrückt», resümiert die NOAA mit Blick auf arktische Regionen und starke Stürme in der Beringsee. Auch Hurrikans wie Matthew, der im Oktober weite Teile Haitis und den Südosten der USA verwüstete, werden durch steigende Meerestemperaturen angeheizt.

Warmes 2016 auch in der Schweiz

Auch in der Schweiz steigen die Temperaturen, und zwar deutlicher als im weltweiten Mittel: Seit 1850 stieg die Jahresdurchschnittstemperatur hierzulande um 1,8 Grad Celsius, im globalen Durchschnitt 0,85 Grad, wie der im November veröffentlichte Bericht «Brennpunkt Klima Schweiz» der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz festhält.

Auch 2016 fiel ziemlich warm aus: Voraussichtlich wird es in der Gesamtbilanz 0,4 bis 0,8 Grad über der Norm von 1981 bis 2010 liegen, wie MeteoSchweiz auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda angab. Damit gehört es zu den zehn bis 15 wärmsten Jahren seit Messbeginn im Jahr 1864. Rekordhalter bleibt das Jahr 2015, das 1,3 Grad über dieser Norm lag.

Der vergangene Winter gehörte zudem mit 2,5 Grad Temperaturüberschuss gegenüber dem Durchschnitts-Winter der Jahre 1981 bis 2010 zu den wärmsten seit Messbeginn. Wärmer waren die Monate Dezember bis Februar nur im Rekordwinter von 2006/2007, der 2,6 Grad über der Norm lag.

Wärme- und Regenrekorde

Auch wenn 2016 in der Schweiz insgesamt nicht das wärmste Jahr seit Messbeginn war, gab es doch einige Temperaturrekorde. Vor allem im Spätsommer: So erlebte beispielsweise Genf das wärmste August-Ende seit Messbeginn. Auch im Wallis und in Niederungen im Tessin waren die ersten zwei Septemberwochen wärmer als die gleiche Zeitspanne in irgend einem anderen Jahr seit Messbeginn.

Die erste Jahreshälfte brachte zudem überdurchschnittlich hohe Niederschlagsmengen auf der Alpennordseite. Basel, Neuenburg und Luzern verzeichneten in den Monaten Januar bis Juni neue Rekorde in der 153-jährigen Messgeschichte. In Basel fiel beispielsweise alleine in den ersten sechs Monaten 90 Prozent des durchschnittlichen Jahresniederschlags, in Neuenburg 80 und in Luzern 75 Prozent.

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