14.10.2014 14:57
Quelle: schweizerbauer.ch - sam
EU
Tragen EU-Kühe schon bald Windeln?
Pläne bei der EU-Düngeverordnung stellen Bauern im Berggebiet vor grosse Probleme. So etwa auch in Bayern. Der Bayerische Bauernverband (BBV) machte deshalb mit einer ungewöhnlichen Aktion darauf aufmerksam.

Seit Generationen bewirtschaftet die Familie von Milchbauer Johann Huber den «Bergerhof» in Gmund, wo die Kühe auf den steilen Hängen rund um den Tegernsee in den bayerischen Alpen grasen.

EU will Düngeverbot

Wenn es nach der EU-Kommission geht, wird sich das bald ändern: Künftig soll für Flächen mit einer Hangneigung von mehr als 15 Prozent ein generelles Düngeverbot gelten. «In Bayern wäre so auf der Hälfte der Weinbauflächen keine Düngung mehr möglich und zehn Prozent der Wiesen und Äcker könnten künftig nicht mehr bewirtschaftet werden», sagte der oberbayerische Bauernpräsident Anton Kreitmair bei einem Termin auf dem «Bergerhof». Er fürchtet, dass die geplanten Änderungen massive Auswirkungen für die bayerischen Bauern haben könnten – insbesondere für Bergbauern: «Die natürlichen Hinterlassenschaften der Weidetiere sind Dünger. Die Forderung aus Brüssel hätte also zur Folge, dass Kühe nur noch mit Einschränkungen auf Almwiesen weiden dürften», so Kreitmair.

Gemeinsam mit Landwirt Johann Huber hat er bereits ausprobiert, was das für die Bauern im Alpenvorland bedeuten könnte: Gemeinsam haben sie zwei von Hubers Kühen Windeln angezogen, um deutlich zu machen, wie praxisfern die Vorschläge aus Brüssel sind.

Weitere Auflagen

Doch die Probleme bei der Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie und der geplanten Veränderung der Düngeverordnung sind noch wesentlich weitreichender: Durch die Gesetzesänderung könnten Sperrfristen ausgeweitet, niedrigere Obergrenzen sowie viele weitere Auflagen eingeführt werden. «So wird die Kreislaufwirtschaft auf vielen bayerischen Betrieben ausgehebelt. Das geht gerade zulasten der kleineren Betriebe mit Tierhaltung, die das Bild im Voralpenland und den Bergregionen prägen», sagte Kreitmair. Statt dem Blick in den Kalender müsse bei der Düngung auch in Zukunft die landwirtschaftliche Ausbildung, die Erfahrung der Bauern und nicht zuletzt auch der Nährstoffbedarf massgeblich sein. Der BBV fordert deshalb praxistaugliche Regelungen, damit die bayerischen Bauern ihre Pflanzen auch künftig standort- und bedarfsgerecht versorgen können.

BLW winkt ab

Gibt es ähnliche läne in der Schweiz, um das Düngen an Hängen einzuschränken? Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) winkt ab. «Nein, wir haben keine Absicht, dies voranzutreiben; wir sind der Auffassung, dass wir im Moment genügend rechtliche Grundlagen haben, um eine Gewässerverschmutzung zu verhindern oder einzuschränken», sagt BLW-Sprecher Jürg Jordi auf Anfrage.  Die Regelung der standortgerechten Düngung zur richtigen Zeit sei nach wie vor aktuell und gültig: «keine Hofdünger auf Wasser gesättigten, gefrorenen, schneebedeckten oder staubtrockenen Boden». Bei den Mittellandseen gebe es in den Zuströmbereichen eine strengere Regelung, dass Betriebe dort maximal 100% der Nährstoffbilanz aufweisen müssten und keinen Toleranzbereich von +10% zur Verfügung hätten.

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