11.02.2019 15:02
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Türkei
Türkei: «Lebensmittel-Terror» bekämpfen
Angesichts der schnell steigenden Lebensmittelpreise in der Türkei hat die Regierung damit begonnen, billiges Gemüse direkt an die Bürger zu verkaufen. Im Fernsehen waren am Montag lange Schlangen an in Innenstädten aufgestellten Zelten zu sehen. Die Regierung schiebt die Schuld auf das Ausland ab.

CNN Türk zufolge soll es in der Hauptstadt Ankara 30 Verkaufsstellen geben. In Istanbul sollen es 50 sein. Wie viele Verkaufsstellen insgesamt eingerichtet wurden, blieb zunächst unklar.

Massive Inflation

Besonders teuer sind Lebensmittel und nicht-alkoholische Getränke geworden. Der Preis für Zwiebeln hat sich gemäss einem Bericht von taz.de in den letzten Monaten verdreifacht. Auch die Preise für andere Gemüsesorten stiegen Monat für Monat um mehr als 6 Prozent und somit weit über der allgemeinen Infla­tions­rate. Im Januar 2019 kosteten Produkte aus dieser Kategorie im Durchschnitt 30,97 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Bei Peperoni waren es dem türkischen Statistik-Institut TÜIK zufolge sogar rund 88 Prozent mehr, bei Auberginen rund 81 Prozent. Die Jahresteuerung lag jüngst bei 20,35 Prozent. 

Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte während einer Rede in Ankara, so, wie man Terroristen bekämpfe, wolle man jetzt auch die bekämpfen, die «Lebensmittel-Terror» verbreiteten. Erdogan macht für die Preisanstiege nicht die von seiner Regierung mitverursachte schlechte wirtschaftliche Lage, sondern gierige Händler und «Kräfte aus dem Ausland» verantwortlich.

Wirtschaftsminister Berat Albayrak liess verlauten: «Wir werden zusammen mit den Gemeinden Gemüse und Obst von der Quelle kaufen und in den Grossstädten zum Einkaufspreis anbieten.»

Krise hausgemacht


Die Krise ist aber hausgemacht. Die Regierung fokussierte bei der Agrarpolitik vor allem auf den Export von Lebensmitteln. Darunter hat die Selbstversorgung gelitten. Zudem haben Missernten die Lage verschärft. Deshalb ist die Türkei gezwungen, Lebensmittel zu importieren. Aufgrund der massiven Abwertung der türkischen Lira haben sich die Waren stark verteuert und die Inflation angeheizt.

Die hohen Lebensmittelpreise sind ein Politikum, und der staatliche Gemüsehandel wohl mehr Wahlkampf-Strategie als eine Erleichterung für das Portemonnaie von 82 Millionen Türken. Am 31. März sind Kommunalwahlen. Der Regierungspartei AKP von Präsident Recep Tayyip droht eine Niederlage. In Ankara und Instanbul könnte die Opposition an die Macht gelangen. Die Lebensmittelpreise sind mittlerweile zum wichtigsten Streitpunkt zwischen der Opposition und Präsident Erdogan geworden.

Auch Putzmittel vergünstigen

«Wir haben beschlossen, bei Bedarf in die Preise einzugreifen, und wir werden diese Massnahmen gemeinsam mit den Kommunen durchführen. Wir müssen unseren Bürgern günstigere Produkte anbieten», sagte Erdogan. Die Türkei könne eine solche Krise mit eigenen Mitteln bewältigen und sei nicht auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen.

Nach den Worten Erdogans soll es ähnliche Initiativen bald auch bei Putzmitteln geben. «Somit werden meine Bürger, meine Schwestern Ayse und Fatma, mein Ahmet und mein Mehmet auf idealste Weise von diesem Rabatt profitieren.»

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