27.09.2013 12:44
Quelle: schweizerbauer.ch -
UNO
UNO: Meeresspiegel steigen schneller als erwartet
Der Meeresspiegel wird deutlich schneller steigen als bislang gedacht. Im ungünstigsten Fall erhöht er sich bis zum Ende dieses Jahrhunderts um 82 Zentimeter, wie der Weltklimarat (IPCC) im ersten Teil seines neuen Berichts am Freitag in Stockholm präsentierte.

Selbst wenn der Klimaschutz erheblich verstärkt würde, seien es noch mindestens 26 Zentimeter. «Während sich die Ozeane erwärmen und Gletscher und Eisdecken schmelzen, wird der globale Meeresspiegel weiter steigen, aber schneller, als wir es in den letzten 40 Jahren erlebt haben», sagte einer der Co-Vorsitzenden, Qin Dahe. 

Temperaturen steigen weiter an

Die Temperaturen auf der Erde könnten bis Ende dieses Jahrhunderts bei verschiedenen Szenarien um 1,5 bis 4 Grad Celsius klettern. In unwahrscheinlicheren Modellen gehen die Wissenschaftler sogar von 0,3 bis 4,8 Grad aus. Ausserdem halten die Klimaforscher es für äusserst wahrscheinlich, dass der Mensch die Hauptursache der Erwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist. 

«Hitzewellen treten sehr wahrscheinlich öfter auf und halten länger an», teilte der IPCC mit. Im Zuge der Erderwärmung erwarten die Wissenschaftler, dass feuchtere Regionen auf der Welt mehr Niederschläge und trockenere noch weniger bekommen. «Es wird aber Ausnahmen geben.» 

Figueres: Weckruf für Weltgemeinschaft 

Für Christiana Figueres, Chefin des UNO-Klimasekretariats (UNFCCC), sind die Ergebnisse des neuen Klimaberichts ein Weckruf für die internationale Staatengemeinschaft zum beschleunigten Handeln. Die bisherigen Bemühungen zur Begrenzung der Erderwärmung reichten nicht aus. 

«Um die Menschheit aus der hohen Gefahrenlage zu steuern, müssen die Regierungen die sofortigen Klimaschutzbemühungen verstärken und 2015 ein Abkommen bereitstellen, das dazu beiträgt, die globale Antwort auszuweiten und zu beschleunigen», sagte Figueres in Bonn. 

Grundlage für Klimaschutzprogramm

Die Regierungen würden bei der nächsten Weltklimakonferenz im November in Warschau über den IPCC-Bericht beraten. Zusammen mit weiteren IPCC-Berichten, die 2014 vorgelegt würden, lägen den Regierungen dann die Werkzeuge vor, um das Gerüst und den Inhalt des neuen Weltklimavertrags zu erstellen. 

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte in einer Videobotschaft, der neue «unparteiische» Bericht sei eine wesentliche Grundlage für ein neues ehrgeiziges Klimaschutzabkommen. Der Co-Vorsitzende der Arbeitsgruppe I des IPCC, der Schweizer Thomas Stocker, mahnte in Stockholm: «Eine Begrenzung des Klimawandels erfordert eine substantielle und anhaltende Verringerung der Treibhausgasemissionen.» 

Nie mehr Rekorde gebrochen 

Nie war es dem Bericht zufolge seit Beginn der  Wetteraufzeichnungen wärmer als zwischen 2001 und 2010. «Mehr Temperaturrekorde sind gebrochen worden als in jedem anderen Jahrzehnt», sagte der Generalsekretär der Weltmeteorologieorganisation (WMO), Michel Jarraud. Die Eisdecken in Grönland und der Antarktis haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten an Masse verloren, Gletscher sind weltweit weiter geschrumpft, wie die Forscher schreiben. 

Für Teil 1 des aktuellen Klimaberichts haben 259 Hauptautoren in den vergangenen vier Jahren Tausende wissenschaftlicher Studien ausgewertet. Ihre Kernthesen haben sie auf 30 Seiten zusammengefasst. 

Der vollständige Bericht erscheint am Montag. Teil 2 und 3 des 5. Weltklimaberichts behandeln die Auswirkungen des Klimawandels und die politischen Möglichkeiten, ihn zu bremsen. Sie werden im Frühjahr 2014 in Japan und Berlin vorgestellt.

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