13.02.2015 13:13
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Handel
Veränderte Handelsströme wegen Embargo
Der Importstopp Russlands hat die Exportmenge von Frischobst und -gemüse aus der Europäischen Union insgesamt nicht verringert, allerdings die betreffenden Ausfuhrerlöse deutlich geschmälert. Das geht aus den Exportdaten des Europäischen Dachverbandes des Obst- und Gemüsesektors, Freshfel Europe, hervor, die vergangene Woche an der Fruit Logistica in Berlin vorgestellt wurden.

Demnach wurden von August bis November 2014 von der EU insgesamt 1,77 Mio. t an Frischobst und -gemüse exportiert. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es 1,75 Mio. t. Während die Ausfuhren nach Russland um 90 Prozent einbrachen, verdoppelten sich die Exporte nach Serbien und Kasachstan. Nach Weissrussland wurde sogar 140 Prozent mehr Obst und Gemüse geliefert. Ob die Ware dort geblieben oder auf dem grauen Markt weiter nach Osten gelangt sei, könne man aber nicht sagen, erklärte der Freshfel-Generaldelegierte Philippe Binard.

Indonesien: +1'300%

Ähnlich hoch wie im Fall Weissrusslands waren laut Angaben des Verbandes die Steigerungsraten bei den Lieferungen nach Ägypten und Mazedonien. Jordanien erhöhte seine Einkaufsmenge um 253 Prozent. Spitzenreiter hinsichtlich des relativen Zuwachses war den Freshfel-Angaben zufolge aber Indonesien. Der asiatische Inselstaat bezog im Berichtzeitraum 13'000 t gegenüber lediglich 910 t in den Monaten August bis November 2013, das bedeutete ein Plus von 1'332 Prozent.

Binard wies darauf hin, dass eine schnelle Ausweitung der Exporte beziehungsweise die erstmalige Belieferung von Drittländern, selbst wenn deren Wirtschaft danach verlange, oft durch langlaufende Verträge oder nichttarifäre Handelshemmnisse verhindert werde. Die Branche exportiere beispielsweise nur 6'000 t jährlich nach Japan, eine „unbedeutende Menge“ angesichts der Grösse der Europäischen Union und Japans. Zudem werde mehr Frischware in den Senegal als nach China und Indien zusammen ausgeführt.

Neue Verträge brauchen Zeit

Diese Volumina auszuweiten, sei nicht leicht möglich. Neue bilaterale Handelsabkommen zu planen, auszuhandeln und in die Tat umzusetzen, dauere Jahre, oft ein Jahrzehnt, stellte der Freshfel-Generaldelegierte fest. Die positive Mengenentwicklung im zweiten Halbjahr 2014 sei mit Preisnachlässen erkauft worden. Die auf den neuen Märkten abgesetzte Ware sei meist zu geringeren Preisen abgesetzt worden als sie wahrscheinlich bei einer Lieferung nach Russland erlöst hätte.

Der Frischobst- und -gemüseexport der EU in der Berichtsperiode erreichte Freshfel zufolge einen Gesamtwert von 1,29 Mrd. Euro (1,35 Mrd. Fr.). Von August bis November 2013 waren es 1,52 Mrd. Euro (1,6 Mrd. Fr.) gewesen. Das entspricht einem Minus von 15 %.

Verfahren beschleunigt

Leandro Más Pons von der Generaldirektion Landwirtschaft der EU-Kommission bescheinigte den europäischen Obst- und Gemüseproduzenten kreative Lösungen. Er verwies zudem auf die Hilfsmassnahmen aus Brüssel. Unter anderem seien die Genehmigungsverfahren für die Ausfuhr von Äpfeln in acht Länder, darunter die USA, beschleunigt worden. Es sei gut, dass es gelungen sei, neue Märkte zu erschliessen, unterstrich der Kommissionsbeamte.

Nun müsse man alles daran setzen, um diese zu stabilisieren. Des Weiteren hätten bis Ende 2014 die vom Embargo betroffenen Mitgliedstaaten rund 52 Mio. Euro für die Marktrücknahme von insgesamt mehr als 230'000 t der am stärksten betroffenen Frischeprodukte erhalten. Grösster Nachfrager nach den Hilfsleistungen sei Polen gewesen, gefolgt von Spanien und Italien, berichtete Más Pons.

Aufgrund der weiterhin angespannten Marktlage seien die Massnahmen bis zum 30. Juni 2015 verlängert worden. Deutschland können nun Marktrücknahmen für insgesamt 3'450 t Äpfel und Birnen unterstützen. Erlaubt sei hier allerdings nur die kostenlose Verteilung der Lebensmittel an soziale Einrichtungen. Eine Verwertung etwa in Biogasanlagen oder die Kompostierung der Ware werde nicht unterstützt.

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