25.03.2014 11:01
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Italien
Verseuchter Boden - Verkaufsverbot von Früchten auf 64 ha
Italien hat konkrete Massnahmen zu den müllverseuchten Böden im Raum Neapel beschlossen. Damit geht ein jahrelanges Ringen zwischen Mafia, Umweltverbänden und der Politik in die nächste Runde. Bauernverbände fordern vom Staat eine Kompensation der Ernteverluste.

Wie das Agrarressort Mitte März verkündete, wurden in einem ersten Schritt die gefährlichsten Areale benannt und unter anderem der Verkauf von Produkten auf diesen Flächen verboten. Ein entsprechendes interministerielles Dekret unterzeichneten Landwirtschaftsminister Maurizio Martina und seine Kollegen im Umwelt- und im Gesundheitsressort, Gian Luca Galletti und Beatrice Lorenzin.

920 ha Agrarfläche kontaminiert

Den Angaben zufolge wurden 107'600 ha in 57 Kommunen kartiert, die sich vor allem nördlich von Neapel befinden. Letztlich wurden 2'150 ha als kontaminiert eingestuft, davon 920 ha landwirtschaftliche Nutzfläche. Insgesamt haben die Inspektoren 51 Standorte identifiziert, von denen ein besonderes Risiko ausgeht und den Verkauf von Obst und Gemüse auf diesen 64 ha vorerst untersagt.

Damit fällt das Ausmass der Verseuchung kleiner aus als zunächst befürchtet. Weitere Untersuchungen sollen bis Ende Mai erfolgen.

Alt bekanntes Problem

Neapel und seine Umgebung sind bekannt für ihr Müllproblem. Die sogenannte Ökomafia lädt nicht nur den Stadtmüll auf illegalen Deponien ab, sondern handelt und entsorgt auch Sondermüll aus ganz Italien in die Provinzen Neapel und Caserta. Medienangaben zufolge sollen in den vergangenen 20 Jahren mehr als 10 Mio. t Abfälle aller Art auf diese Weise fortgeschafft worden
sein. Nicht selten wurden wieder Felder auf den Halden bestellt, um die Aktivitäten zu vertuschen.

Die Krebsraten der Region sind in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich angestiegen. Berichte über die Region führten unter anderem dazu, dass der Umsatz von Obst und Gemüse aus der Region Kampanien einbrach. Die Region wurden von exportorientierten Grosshändlern, aber auch von national agierenden Grossisten zunehmend gemieden.

Im vergangenen Jahr hatte die damalige Landwirtschaftsministerin Nunzia de Girolamo dann erste Untersuchungen und Massnahmen angekündigt und damit eine Kehrtwende im Umgang mit dem Problem eingeleitet. Davor gab es zwar immer wieder Untersuchungen zum Abfallhandel, Festnahmen und Verhandlungen. Diese konnten das illegale System aber nicht zerstören. Zudem blieb das Ausmass der Kontamination unklar.

Testmethoden entwickeln

Für die nun vorliegende Kartierung wurde ein Massenscreening des Gebietes von Gesundheitsministerin Lorenzi genehmigt. Erstmals wurde damit eine zentrale Datenbank erstellt und verschiedene Gefahrenklassen definiert. Umweltminister Galetti versprach, alles daran zu setzen, dass die Wirtschaftlichkeit der Region in kurzer Zeit wiederhergestellt werde. Die Einstufung der Gebiete erlaube nun, schnell Massnahmen zu ergreifen.

Die Ministerien teilten weiterhin mit, dass eine Arbeitsgruppe eine passende Erhebungsmethodik entwickeln soll, an der es wohl weiterhin mangelt. Mit der Testmethode sollen dann auch andere Gebiete untersucht werden.

Konsumenten dringend informieren

Die Landwirtschaftsverbände begrüssten das Vorgehen und die Ergebnisse. Der allgemeine Landwirtschaftsverband Confagricoltura hob vor allem das geringe Ausmass der Belastung hervor. Es handele sich nur umeinen Bruchteil der gesamten lokalen Produktion. Nun sei es wichtig, die Konsumenten über die Sicherheit zu informieren.

Die grösste landwirtschaftliche Branchenvertretung in Italien, der Verband der Familienbetriebe (Coldiretti), forderte, die Einkommensverluste der Bauern auf nicht verseuchtem Gebiet zu kompensieren. Ausserdem mahnte er an, dafür zu sorgen, dass die gleichen Phänomene nicht in anderen Bereichen wiederkehrten.

In der vergangenen Woche rief Coldiretti zudem eine Stiftung ins Leben, die als „Beobachtungsstelle der Kriminalität in der Land- und Ernährungswirtschaft“ dienen soll. Es ist geplant, damit alle Aktivitäten des organisierten Verbrechens in der Branche zu erfassen und an die Polizei und Staatsanwaltschaft zu melden. Dafür wird die Stiftung eine Reihe von Kontrollen durchführen. Ausserdem sollen Verbraucherschutzklagen unterstützt werden. Schätzungen zufolge werden 15 % des Umsatzes im Lebensmittelbereich in Italien der Mafia zugeschrieben.

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