18.06.2020 17:00
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Argentinien
Verstaatlichung von Agrarkonzern verteidigt
Argentiniens Präsident Alberto Ángel Fernández wehrt sich gegen den Vorwurf, mit der Verstaatlichung des insolventen Getreide- und Ölsaatenexporteurs Vicentin an die frühere Politik der linksgerichteten Ex-Präsidentin und heutigen Vizepräsidentin Christina Fernández de Kirchner anzuknüpfen.

Man bewege sich keinesfalls in Richtung eines sozialistischen Modells, weil Vicentin kein gesunder Konzern sei, erklärte der Präsident vergangene Woche gegenüber Journalisten.

Vielmehr gehe es um die Rettung eines durch die aktuelle Wirtschaftskrise extrem verschuldeten Unternehmens, das von entscheidender Bedeutung für die heimische Landwirtschaft und damit für die gesamte argentinische Volkswirtschaft sei. Ziel sei es, Arbeiter und Zulieferer zu schützen sowie dazu beizutragen, dass die argentinische Landwirtschaft wachse.

Die konservativ-liberale Partei Propuesta Republicana (PRO) warf der Regierung vor, mit der Verstaatlichung von Vicentin einen „ersten Schritt hin zu einer stärkeren Regulierung des Getreidemarktes“ zu gehen. In der Wirtschaft kamen Sorgen auf, dass ein verstaatlichtes Unternehmen künftig bessere Wettbewerbsbedingungen eingeräumt bekommen könnte als Konkurrenten wie Bunge und Cargill.

Vicentin, einer der grössten Agrarkonzerne Argentiniens, wird nun vorübergehend vom früheren Landwirtschaftsminister Gabriel Delgado geleitet. Künftig soll es von der Agrarsparte des auf Erdöl spezialisierten Konzerns YPF verwaltet werden, der 2012 von der Vizepräsidentin zur Sicherung der heimischen Energieversorgung trotz grosser internationaler Kritik verstaatlicht worden war.

Hauptstandbein von Vicentin ist die Produktion von Getreide und Ölsaaten. Hinzu kommen Beteiligungen in den Bereichen Tierhaltung, Weinanbau, Baumwolle und Biodiesel, Honigexport und Logistik. Der Gesamtumsatz wird von argentinischen Medien auf jährlich etwa 4,2 Mrd. USD (3,98 Mrd. Fr.) beziffert, die jetzige Verschuldung bei Banken und Zulieferern auf 1,4 Mrd. USD (1,14 Mrd. Fr.).

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