22.01.2016 08:41
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Klima
Verzögerter Klimaschutz beschleunigt Erwärmung
An der Pariser Klimakonferenz haben sich die Länder auf eine Begrenzung der Klimaerwärmung geeignet. Wann sie mit ihren Klimaschutzmassnahmen beginnen, ist jedoch offen. Welche Konsequenzen das Zögern hat, zeigen die Berechnungen Berner Klimaforscher.

Um die Erwärmung der globalen Durchschnittstemperatur auf unter zwei Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit zu halten, wie es das Pariser Klimaabkommen vorsieht, müssen die Länder ihren CO2-Ausstoss drastisch senken. In den letzten Jahrzehnten stiegen die Emissionen jedoch jährlich um etwa zwei Prozent.

Drei bis 7,5 mal schneller

Wann die Länder diese Reduktionen einleiten, ist nicht festgelegt. Je länger sie aber damit warten, desto mehr CO2 wird insgesamt ausgestossen, bevor es gelingt, die Netto-Emissionen auf Null zu senken. Entsprechend wird sich der globale Temperaturanstieg beschleunigen. Das zeigen Berechnungen von Klimaphysikern der Universität Bern, wie die Hochschule am Mittwoch mitteilte.

Patrick Pfister und Thomas Stocker vom Oeschger-Zentrum für Klimaforschung errechneten, dass weiterhin zunehmende Emissionen die maximale Erwärmung in Zukunft drei bis 7,5 mal schneller ansteigen lassen als heute.

Rasches Einleiten der Reduktionen nötig

«Kurzfristige Schwankungen des Klimas und Episoden abgeschwächter Erwärmung könnten uns von der Dringlichkeit des Problems ablenken», sagte Pfister laut der Mitteilung. Da das Klimasystem träge reagiere und bereits emittiertes CO2 sehr lang wirke, bedeuteten zehn Jahre Hinauszögern von CO2-Reduktionen eine weitere Erhöhung der Maximaltemperatur um 0,3 bis 0,7 Grad.

Das heisse auch, dass eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf 2,5 Grad in nur zehn Jahren genauso schwierig sein wird, wie zum heutigen Zeitpunkt die Beschränkung auf zwei Grad, schreibt die Universität Bern. Es gelte daher rasch mit den globalen CO2-Reduktionen zu beginnen, wenn das Zwei-Grad-Ziel eingehalten werden soll.

Auswirkungen auf die Ozeane

Ein Hinauszögern von Emissionsreduktionen trifft zudem insbesondere Inselstaaten und Küstenstädte. Wenn sich die Ozeane erwärmen, dehnen sie sich aus, was zum Anstieg des Meeresspiegels beiträgt. Eine Verzögerung der CO2-Reduktionen um zehn Jahre erhöhe den zukünftigen Meeresspiegelanstieg um insgesamt 0,4 bis 1,2 Meter - je nachdem, wie schnell die Reduktionen umgesetzt werden können.

Zudem versauern die Ozeane mit anhaltenden Emissionen zunehmend. Die Regionen, in denen Korallen gedeihen können, werden dadurch schrumpfen und bis zum Ende des Jahrhunderts ganz verschwinden, wenn die CO2-Reduktionen um wenige Jahre bis Jahrzehnte verzögert werden.

«Unsere Studie liefert die wissenschaftliche Grundlage der Dringlichkeit von Massnahmen», sagte Stocker. Wenn die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens auf sich warten lasse, werden die ehrgeizigsten Klimaziele bereits in den nächsten Jahren unerreichbar. Die Studie erscheint am Donnerstag im Fachjournal «Environmental Research Letters».

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