24.01.2020 09:15
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
China
Virus: China schottet 37 Millionen ab
Das neue Coronavirus breitet sich weiter aus. In Zentralchina werden weitere Städte abgeschottet. Die WHO sieht bisher weiter keinen Grund, eine internationale Notlage auszurufen. Gesundheitsminister Spahn mahnt zu Besonnenheit.

Die Zahl der Toten in China durch die neue Lungenkrankheit ist auf 26 gestiegen - und dürfte weiter anwachsen, da es viele sehr schwer Erkrankte in den Kliniken gibt. Es sind weiter zumeist ältere Menschen mit schweren Vorerkrankungen betroffen.

Bei 900 Menschen nachgewiesen

Bei fast 900 Menschen wurde das Coronavirus inzwischen nachgewiesen. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, wurden rund 37 Millionen Menschen in mindestens elf Städten der schwer betroffenen Provinz Hubei in Zentralchina abgeschottet. Der öffentliche Verkehr mit Bussen oder Fähren sowie der Zugverkehr in andere Orte wurden gestoppt, wie die Stadtregierungen berichteten.

Der Ausbruch überschattet das chinesische Neujahrsfest, das in der Nacht zum Samstag gefeiert wird. Selbst in Peking wurden Festivitäten wie Tempelfeste und andere Veranstaltungen abgesagt, um grössere Menschenansammlungen zu verhindern. Einige Hundert Millionen Menschen sind zum wichtigsten chinesischen Familienfest in ihre Heimatorte gereist, was die Sorge vor einer weiteren Ausbreitung des Virus noch vergrösserte. Die Behörden riefen die Menschen auf, einen Mundschutz zu tragen und andere Vorsichtsmassnahmen zu ergreifen.

Strenge Beschränkungen für Bewegung

Aus Angst vor dem Virus schloss auch Disneyland in Shanghai vorerst seine Pforten. Besonders drastisch sind die Massnahmen in der Provinz Hubei im Herzen Chinas. Nach der Provinzhauptstadt Wuhan mit seinen elf Millionen Einwohnern wurden auch in den Städten Huanggang, Lichuan, Jingzhou, Xianning, Huangshi, Chibi, Xiantao, Dangyang, Ezhou und Xiaogan strenge Beschränkungen für die Bewegung der Menschen erlassen, indem unter anderem der öffentliche Nahverkehr und die Verbindungen in andere Städte gekappt wurden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sah auch am Donnerstagabend keinen Grund, eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite auszurufen. «Es ist nicht der richtige Zeitpunkt», sagte der Vorsitzende des Notfallsausschusses, Didier Houssin. Er verwies darauf, dass es im Ausland bislang nur wenig Fälle gebe, und dass China bereits selbst weitreichende Vorkehrungen getroffen habe.

WHO: Noch keine Notlage

WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte, China habe diejenigen Massnahmen getroffen, die es für angemessen halte. «Wir hoffen, dass sie effektiv und von kurzer Dauer sind.» Die WHO empfehle keinerlei Reise- oder Handelsbeschränkungen. Die WHO nehme den Ausbruch aber extrem ernst, sagte WHO-Chef Tedros. «Es ist noch keine Notlage von internationaler Tragweite, aber das kann es noch werden.»

Das Auswärtige Amt in Berlin riet dazu, nicht notwendige Reisen in die betroffenen Gebiete zu verschieben. Das Risiko für deutsche Reisende in Wuhan werde als «moderat» eingeschätzt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mahnte zu Besonnenheit. «Wir nehmen das sehr ernst, wir sind wachsam, aber mit kühlem Kopf auch gleichzeitig», sagte der CDU-Politiker am Donnerstag in den ARD-«Tagesthemen».

Ein Fall in den USA

Laut chinesischen Behördenangaben vom Freitag starb ein Patient ausserhalb der besonders stark betroffenen Provinz Hubei, zu der auch die Stadt Wuhan gehört. Der Todesfall wurde demnach in der nordöstlichen Provinz Heilongjiang gemeldet. Bereits am Vortag war ein Todesfall in der nördlichen Provinz Hebei bekannt geworden. In den meisten Provinzen sind mittlerweile Infektionen bekannt.

Vereinzelt wurde das Virus auch schon bei Patienten in anderen Ländern wie Thailand, Japan, den USA, Vietnam und Südkorea nachgewiesen. In Europa ist bisher kein Fall bekannt. Eingeschleppte Einzelfälle der neuen Lungenkrankheit sind deutschen Infektionsspezialisten zufolge aber auch hierzulande «wahrscheinlich». Grund zur Besorgnis gebe es nicht, teilte die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie mit. Kliniken bereiteten sich aktuell vor, um auf diese Fälle schnell reagieren zu können.

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