30.07.2019 13:31
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Russland
Waldbrände Gefahr für Weltklima
Riesige Rauchschwaden und beissender Brandgeruch liegen derzeit über Sibirien. Waldbrände haben in den nordrussischen Weiten bereits mehrere Millionen Hektar Land zerstört. Nicht nur in den kleinen Orten rund um die Brandherde, sondern auch in Grossstädten und sogar im Nachbarland Kasachstan leiden die Menschen unter den Folgen.

Gesundheitliche Beschwerden und Beeinträchtigungen des Flugverkehrs sind jedoch nicht die einzigen Folgen der Grossbrände. Umweltschützer warnen, dass die Zerstörung riesiger Waldflächen in Sibirien eine gefährliche Klimawandel-Spirale auslöse und direkt zur Eisschmelze in der Arktis beitrage.

3,2 Millionen Hektar 

In den entlegenen Gebieten Sibiriens gibt es alljährlich grosse Waldbrände. Vielfach greifen die Behörden nur ein, wenn Menschenleben in Gefahr sind. Dieses Jahr haben die Brände aber ein aussergewöhnliches Ausmass erreicht. Nach Behördenangaben vom Montag gingen bereits 3,2 Millionen Hektar Land in Flammen auf. Betroffen sind insbesondere die Gegenden von Jakutien, Krasnojarsk und Irkutsk.

Die nationale Forstbehörde gibt an, dass die Feuer durch eine für diesen Landesteil «anormale» Hitze von um die 30 Grad und heftige Winde angefacht werden. Seit Wochen sind etwa hundert Orte in den Brandgebieten von Rauch eingehüllt, für sie wurde der Katastrophenzustand ausgerufen. Und auch die grossen Städte in den Regionen Tomsk, Altai, Jekaterinburg und Tscheljabinsk bekommen die Folgen der Waldbrände zu spüren. Auf einigen Airports ist der Flugverkehr wegen der Rauchschwaden beeinträchtigt.

Rauch bis nach Kasachstan

«Der Rauch ist schrecklich», sagte die Rentnerin Raïsa Browkina, die nach einer Ohnmacht auf offener Strasse in westsibirischen Grossstadt Nowosibirsk ins Krankenhaus eingeliefert wurde, dem Sender Pervy Kanal. «Ich bekommen keine Luft, ich habe Schwindelanfälle.» Am Sonntag erreichte der Rauch von zwei Waldbränden in Sibirien auch das Nachbarland Kasachstan. In der Hauptstadt Nur-Sultan und anderen Gegenden stieg die Feinstaubkonzentration über den Grenzwert, wie die kasachische Meteorologiebehörde laut örtlichen Medien mitteilte.

Greenpeace Russland hebt hervor, dass die Waldbrände im Osten des Landes «schon lange kein lokales Problem mehr» seien. Vielmehr handle es sich um «eine Umweltkatastrophe auf nationaler Ebene». Die Umweltorganisation gibt an, dass dieses Jahr insgesamt bereits zwölf Millionen Hektar Land niedergebrannt seien. Durch die Brände selbst würden grosse Mengen an klimaschädlichem Kohlendioxid freigesetzt und ausserdem könne niedergebrannter Wald auch kein CO2 mehr speichern.

Russ auf Eis und Schnee

Hinzu komme noch das «Problem der Russpartikel, die auf Eis und Schnee fallen», warnt die Weltorganisation für Meteorologie in einer Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Der Russ lasse das Eis schmelzen oder sorge durch die Verdunkelung der Schnee- und Eisflächen dafür, dass sie nicht mehr so viel Sonnenlicht reflektierten und somit weniger zur Kühlung der Erde beitrügen.

Auf Bildern der US-Weltraumbehörde Nasa, die über den Onlinedienst Twitter verbreitet wurden, ist zu erkennen, dass beeindruckende Rauchwolken bereits die Arktis erreicht haben. Grigori Kuxin von Greenpeace Russland sagt, dass Russ und Asche die Eisschmelze in der Arktis und das Auftauen von Permafrostböden beschleunigten. Die Wirkung der Waldbrände in Sibirien auf das Klima sei somit «sehr beträchtlich».

Teufelskreis

Kuxin warnt vor einem gefährlichen Teufelskreis: «Je mehr die Brände das Klima beeinflussen, desto günstiger sind die Bedingungen für neue gefährliche Brände.» Greenpeace Russland startete daher eine Petition, in der die russischen Behörden aufgerufen werden, mehr gegen die Waldbrände zu unternehmen.

Kuxin wendet sich entschieden dagegen, dass die örtlichen Behörden in entlegenen Gebieten Sibiriens nur dann gegen Brände vorgehen, wenn die zu erwartenden Brandschäden grösser sind als die Kosten eines aufwändigen Feuerwehreinsatzes. «Man muss von Beginn an so viel löschen wie möglich», fordert der Umweltschützer. «Man muss planen und die Mittel aufstocken, aber bei uns wird weiter gespart.»

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