10.01.2016 06:14
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Milchmarkt
Warten auf die Trendwende am Weltmilchmarkt
Eine rasche Erholung der Preise am globalen Milchmarkt ist nach Einschätzung vieler Analysten - zumindest im ersten Halbjahr 2016 - nicht zu erwarten.

Zwar soll sich der Anstieg der Milcherzeugung in den wichtigsten Exportländern abschwächen, doch dürfte in den kommenden Monaten der Angebotsüberhang am Weltmarkt bestehen bleiben, zumal sich kein wirklicher Nachfrageschub abzeichnet.

Schwieriger Start in das neue Jahr

Entsprechend verhalten fallen die Marktaussichten zu Jahresbeginn aus: Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) stellte in seinem Ausblick fest, dass sich der Milchmarkt zwar Ende 2015 auf niedrigem Niveau stabilisiert habe, aber vor Mitte 2016 kaum mit einem nachhaltigen Anstieg der Erzeugerpreise gerechnet werden könne. Wenig Hoffnung auf eine kurzfristige Änderung der Marktlage hat auch die Agrarmarkt Informations-GmbH (AMI).

Die Bonner Experten rechnen mit einem schwierigen Start in das neue Jahr 2016, der durch ein hohes Milchaufkommen und niedrige Erlösmöglichkeiten in der EU geprägt sein dürfte. Im weiteren Jahresverlauf sei eine Markterholung wegen rückläufiger Produktionsmengen in Neuseeland und möglichen Auswirkungen durch das Wetterphänomen El Niño aber möglich.

Frühestens Ende Mai Preisanstieg

Das Kieler Institut für Ernährungswirtschaft (ife) erwartet frühestens ab Ende Mai neben einem saisonalen auch einen zyklischen Rückgang der EU-Milchmengen, was bei wachsender Nachfrage zu festeren Preisen führen könne. Mit einem noch späteren Wendepunkt am Weltmilchmarkt kalkuliert mittlerweile die niederländische Rabobank.

Zwar soll sich im ersten Halbjahr das Wachstum der Weltmilcherzeugung verlangsamen und auch Exportüberschüsse abgebaut werden, doch dürfte ein merklicher Anstieg der Produktpreise erst im letzten Quartal 2016 erfolgen, heisst es in einer aktuellen Prognose. Dann könnten die Preise für Vollmilchpulver in Neuseeland bei etwa 3'200 $/t (3'182 Fr) und für Magermilchpulver bei 2'800 $/t (2'784 Fr.) liegen und damit das Niveau des letzten Quartals 2015 um gut ein Viertel beziehungsweise um rund ein Drittel übertreffen.

Weniger Milch nur in Neuseeland

In die Allianz der „skeptischen Analysten“ reihte sich kurz vor Weihnachten auch das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) mit seinem Ausblick auf den Weltmilchmarkt 2016 ein. Die Washingtoner Experten gehen ebenfalls nicht davon aus, dass sich die Preise in der ersten Jahreshälfte 2016 merklich erholen können.

Grund dafür sei, dass sich aufgrund der fortgesetzten Einfuhrsperre Russlands, der Kaufzurückhaltung in China und dem starken Dollar zunächst keine global stärkere Importnachfrage abzeichne. Auf der anderen Seite dürfte die Milcherzeugung bei den fünf wichtigen Exporteuren EU, USA, Australien, Neuseeland und Argentinien insgesamt gegenüber 2015 um 2,2 Mio. t oder 0,8% auf 287,7 Mio. t steigen. Damit falle die Wachstumsrate zwar deutlich geringer aus als vor zwei Jahren, als das Produktionsplus noch bei gut 10 Mio. t oder 3,8% gelegen habe.

Im Vergleich zur vorjährigen Steigerung des Milchaufkommens um 2,6 Mio. t oder 0,9% bestehe jedoch kein grosser Unterschied, erläuterte das USDA. Eine stärker rückläufige Milchproduktion infolge der niedrigen Preise und Margen erwarten die US-Experten im Kalenderjahr 2016 nur in Neuseeland, wo die Erzeugung im Vorjahresvergleich um rund 650'000 t oder 3% auf 20,75 Mio. t sinken soll. Das ife geht für das bis Ende Mai laufende Milchwirtschaftsjahr 2015/16 von einem Rückgang der neuseeländischen Milcherzeugung zwischen 7 und 10 % gegenüber der Vorsaison aus.

Globale Milchproduktion steigt

Das geringere Rohstoffaufkommen in Neuseeland wird nach Einschätzung des USDA jedoch durch die weiter steigende Produktion in anderen wichtigen Erzeugerländern mehr als ausgeglichen. So sollen die US-Farmer im laufenden Jahr die neue Rekordmenge von rund 96,35 Mio. t Kuhmilch melken, das wären 1,87 Mio t oder 2,0 % mehr als 2015. Möglicherweise ist dies aber überschätzt, denn seit September 2015 liegen die monatlichen Zuwachsraten in den USA klar unter der Marke von 1 % im Vorjahresvergleich.

Für die EU wird von den Washingtoner Experten eine Zunahme der Milchmenge um 900'000 t oder 0,6% auf 149,0 Mio t erwartet. Die EU-Kommission hatte die Milcherzeugung in der Gemeinschaft für 2016 bei ihrer Prognose im Dezember mit 150,8 Mio. t allerdings höher veranschlagt; im Vorjahresvergleich wurde ein Zuwachs von 1,2 Mio t oder 0,9 % angenommen.

Weniger Milch in der Ukraine

Mehr Milch dürfte es dem Washingtoner Agraressort zufolge auch in Südamerika geben, wobei für Argentinien ein Plus von 1,3% auf 11,65 Mio. t und für Brasilien eines von 3% auf 27,10 Mio. t vorausgesagt wird. Trotz geringerer Kuhbestände soll die Erzeugung in Russland aufgrund einer höheren Produktivität mit rund 30 Mio. t stabil bleiben.

Ein starker Rückgang des Rohstoffaufkommens von 5,6% auf 10,1 Mio. t wird dagegen für die Ukraine erwartet. Insgesamt schätzen die US-Experten die Milcherzeugung in den von ihnen betrachteten Ländern 2016 auf 498,82 Mio t, das wären 7,62 Mio t oder 1,6 % mehr als 2015. Über die Hälfte dieses Zuwachses, nämlich 4 Mio t, geht dabei allein auf die voraussichtliche Steigerung des Milchaufkommens in Indien zurück.

Unterdurchschnittliche Milchpreise auch 2016

Nach vorläufigen Daten der EU-Kommission lag der durchschnittliche Milcherzeugerpreis in der Gemeinschaft 2015 bei 30,70 Euro/100 kg (33,40 Fr.); das waren 6,46 Euro oder 17,4 % weniger als im Vorjahr. In ihrem mittelfristigen Marktausblick gingen die Brüsseler Analysten zuletzt davon aus, dass der Milchpreis 2016 auf 31,30 Euro/100 kg (33,77 Fr.) zulegen und 2017 auf 32,90 Euro/100 kg (35,7 Fr.) steigen könnte.

Verhalten ist auch die Milchpreisprognose der führenden neuseeländischen Molkerei Fonterra. Den eigenen Lieferanten sollen in der bis zum 31. Mai laufenden Saison 2015/16 einschliesslich der vergüteten Genossenschaftsanteile 5,10 NZ$ (3,32 Fr.) pro Kilogramm Milchfeststoff gezahlt werden; das wären zwar rund 9 % mehr als in der äusserst schwachen Vorsaison, doch würde das Fünfjahresmittel der Wirtschaftsjahre 2010/11 bis 2014/15 um mehr als 24 % unterschritten.

Noch härter könnte es die US-Milchfarmer treffen. Nachdem der durchschnittliche Milchpreis bereits im vergangenen Jahr gegenüber 2014 um fast 30% auf 17,10 $/cwt (37,92 Fr./100 kg) eingebrochen ist, droht 2016 laut Schätzungen des USDA ein weiteres Absinken um gut 4 % auf 16,35 $/cwt (36,84 Fr./100 kg).

Chinas Nachfrage soll wieder zunehmen

Ein Schlüsselfaktor für eine Preiserholung am Weltmilchmarkt ist nach übereinstimmender Analystenmeinung die Importnachfrage Chinas. Diese könnte 2016 tatsächlich wieder etwas grösser ausfallen, denn der vom USDA und auch von der Rabobank erwartete Anstieg der dortigen Milchproduktion um etwa 2% könnte zu wenig sein, um die zwar langsamer, aber immer noch wachsende Inlandsnachfrage zu befriedigen.

Das Washingtoner Agrarressort geht deshalb davon aus, dass sich beispielsweise der dynamische Trend zur höheren Einfuhr von H-Milch fortsetzt und die Volksrepublik im laufenden Jahr mit rund 425'000 t gut 6 % mehr von diesem Produkt ordern wird als 2015. Davon könnten insbesondere EU-Anbieter profitieren, die rund zwei Drittel der Importe liefern.

Auch der chinesische Bedarf an Vollmilchpulver dürfte nach dem Einfuhreinbruch im vergangenen Jahr um mehr als 50% auf nur noch 310 000 t im aktuellen Jahr wieder steigen, und zwar laut USDA um etwa 50'000 t oder 16% auf 360'000 t. Davon geht auch die Rabobank aus und verweist dabei auf abnehmende Lagerbestände und kostengünstigere Importe im Vergleich zu den heimischen Erzeugnissen. Die Einfuhren Russlands dürften dagegen kaum zulegen, da neben dem politischen Einfuhrembargo und der Importsubstitutionsstrategie auch der niedrige Rubelkurs und Kaufkraftverluste den Warenbezug aus dem Ausland erschweren.

Bessere Exportaussichten für die EU

Die Exporteure von Milcherzeugnissen in der EU dürften 2016 nach Einschätzung des USDA vom niedrigen Wert des Euro im Vergleich zum US-Dollar profitieren. Die währungsbedingt verbesserte Wettbewerbsposition habe schon 2015 bei Magermilchpulver zu einer Rekordausfuhr von 705'000 t geführt, die 2016 noch einmal um rund 8% auf 760'000 t zulegen könnte.

Ähnlich zuversichtlich, wenn auch mit etwas geringen absoluten Zahlen, schätzte im Dezember die EU-Kommission die Lage ein. Sie geht für das laufende Jahr von einem Exportplus von 7% auf 726'000 t Magermilchpulver aus, wobei vor allem die Kunden in Asien mehr Ware bestellen sollen. Der EU-Vollmilchpulverexport bewegte sich von Januar bis Oktober 2015 trotz der eingeschränkten Erzeugung auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums und dürfte 2016 den Brüssler Experten zufolge um etwa 3% auf 384'000 t zunehmen.

Der Drittlandsabsatz von Käse verzeichnete nach dem Wegfall des Grosskunden Russland im Jahr 2014 laut EU-Kommission einen starken Rückgang um 8,5% auf 720'000 t; er dürfte 2015 Schätzungen zufolge um weitere 4,5 % auf 687 000 t gesunken sein. Sowohl die EU-Kommission als auch das USDA rechnen hier jedoch im laufenden Jahr mit einer Wende.

Die Brüsseler Beamten erwarten dabei einen Wiederanstieg des Käseexports um rund 6 % auf 729'000 t. Noch etwas stärker könnte, auch mit Hilfe der Auslagerung von Beständen, das Ausfuhrplus bei Butter ausfallen. Laut Kommissionsprognose könnten die betreffenden Drittlandsverkäufe im Vergleich zu 2015 um 9% auf 152'000 t zulegen.

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