17.09.2018 07:33
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Australien
Wegen Dürre: Rinder zum Metzger
In Australien wandern immer mehr Rinder zum Schlachter. Dies ist eine Folge der Dürre in den Bundesstaaten Queensland und New South Wales, die schon jetzt als eine der schlimmsten aller Zeiten bezeichnet wird.

In den beiden Bundesstaaten, wo gut 60% aller australischen Rinder gehalten werden, hat es seit Monaten zu wenig oder gar nicht geregnet. Die Folgen treffen die Rinderhalter besonders hart. Die Weiden sind verdorrt und das Futter ist knapp und teuer geworden. Deshalb stocken die Landwirte ihre Bestände merklich ab.

Im ersten Halbjahr 2018 lagen die Rinderschlachtungen in ganz Australien um rund 10% über dem Vorjahresniveau, insbesondere weil 20% mehr Kühe und Färsen aufgrund der Herdenliquidation in die Schlachthäuser geliefert wurden. Der Anteil der weiblichen Tiere an allen Schlachtungen kletterte zuletzt auf 54%. Normal sind im australischen Winter rund 50 %.

680'000 Rinder mehr erwartet

Die Branchenorganisation Meat and Livestock Australia (MLA) hat kürzlich wegen der anhaltenden „Notschlachtungen“ ihre Produktionsprognose für 2018 kräftig nach oben korrigiert und erwartet nun gegenüber 2017 einen Zuwachs bei den Rinderschlachtungen um etwa 680'000 Stück oder 9,0% auf 8,25 Millionen Tiere. Zwar gehen die durchschnittlichen Schlachtgewichte wegen der angespannten Futtersituation etwas zurück, doch dürfte die Rindfleischerzeugung im Vorjahresvergleich um gut 150'000 t oder 7% auf 2,30 Mio t zunehmen.

Von einem Rekordniveau ist man damit allerdings weit entfernt, denn dieses wurde während der letzten Dürreperiode im Jahr 2014 mit 2,60 Mio t erreicht. Danach ging der Rinderbestand noch bis 2016 zurück, bevor die Farmer 2017 damit begannen, ihre Herden wieder aufzubauen. Diese Entwicklung hat nun einen gehörigen Dämpfer erhalten. Für 2019 prognostiziert die MLA einen Rückgang bei den Rinderschlachtungen um 5,5% auf 7,8 Millionen Stück. Bei der Rindfleischerzeugung wird ein Minus von 5,% auf 2,19 Mio t erwartet. Erst mit Beginn des neuen Jahrzehnts soll es dann mit der Produktion wieder aufwärts gehen

Preislich wettbewerbsfähig

Die derzeit grössere Verfügbarkeit von Rindern und Rindfleisch hat die Erzeugerpreise in Australien teilweise spürbar unter Druck gesetzt. Während schlachtreife Bullen und Stiere ihr Preisniveau im Vorjahresvergleich weitgehend halten konnten, lag der Schlachtkuhpreis im August 2018 mit 2,64 Schweizer Franken je Kilogramm Schlachtgewicht um gut 8 % unter dem Wert des Vorjahresmonats.

Der wichtige Leitindex Eastern Young Cattle Indicator (EYCI) für männliche und weibliche Mastrinder bis zu einem Jahr gab binnen zwölf Monaten sogar um 16 % auf 3,22 A$/kg Franken nach. Die gesunkenen Preise und ein im Vergleich zum US-Dollar abgewerteter Australischer Dollar haben Rindfleisch aus „Down Under“ am Weltmarkt preislich wettbewerbsfähiger gemacht. Weil die Absatzmöglichkeiten am Inlandsmarkt begrenzt sind - lediglich gut ein Viertel der australischen Rindfleischproduktion verbleibt im Land - sind zusätzliche Exportmöglichkeiten angesichts der Angebotsausweitung von grosser Bedeutung. 

Nachfrage in Asien boomt

Und diese sind laut MLA aktuell vorhanden. So haben die australischen Anbieter von Januar bis August 2018 insgesamt 748'800 t Rindfleisch an ihre internationalen Kunden verkauft. Das waren fast 13% mehr als in der Vorjahresperiode. Für das Gesamtjahr 2018 erwartet die Branchenorganisation ein Exportplus von rund 10% auf 1,64 Mio t. Im kommenden Jahr dürften die Ausfuhren jedoch wegen des dürrebedingt kleineren Angebots wieder um gut 7 % auf 1,51 Mio t sinken.

Wichtigster Kunde für die australischen Rindfleischexporteure ist Japan. Die Lieferungen dorthin erhöhten sich in den ersten acht Monaten 2018 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 8 % auf 212 250 t. Auch die weiteren Absatzmöglichkeiten scheinen positiv zu sein, denn die Rindfleischnachfrage Japans nimmt seit Jahren zu, und Australien hat im Unterschied zum Hauptkonkurrenten USA eine Freihandelsvereinbarung mit Japan, die vor einer Erhebung von Schutzzöllen im Falle zu hoher Importe schützt. 

Steigende Lebendausfuhren

Angesichts der guten Vermarktungsmöglichkeiten in anderen Teilen der Welt gingen die australischen Rindfleischexporte in die Europäische Gemeinschaft in den ersten acht Monaten dieses Jahres gegenüber Januar bis August 2017 um 8 % auf 11 140 t zurück. Im Aufwind befand sich aufgrund des dürrebedingt größeren Angebots auch die australische Lebendausfuhr von Rindern.

Von Januar bis Juli wurden 572 180 Tiere ins Ausland verschifft. Das war fast ein Viertel mehr als im Vorjahreszeitraum. In der jüngsten Prognose veranschlagt die MLA den Export für das Gesamtjahr 2018 auf 975 000 Rinder, was gegenüber 2017 einem Zuwachs von 14 % bedeuten würde. 

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