18.06.2017 15:52
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Tierschutz
Wegen Schlachthofeinbruch angeklagt
In Frankreich sind erstmals Mitglieder der aufstrebenden Tierschützer-Vereinigung L 214 wegen eines Einbruches in einen Schlachthof angeklagt worden.

Das Verfahren wegen Hausfriedensbruchs und Verletzung der Privatsphäre begann am Montag vergangener Woche in Versailles. Zwei Mitgliedern von L 214 wird vorgeworfen, im Dezember 2016 unter Missachtung der sanitären Sicherheitsauflagen in den Schlachtbetrieb von Houdan im Departement Yvelines eingedrungen zu sein, dort widerrechtlich Bildmaterial aufgenommen und über die Medien verbreitet zu haben. Der Prozess wurde allerdings wegen Verfahrensfragen bereits nach zehn Minuten unterbrochen und auf Anfang September verschoben.

Enttäuscht darüber zeigte sich Schlachthofgeschäftsführers Guy Harang, der sich über einen zügigen Abschluss des Verfahrens ein schnelles Ende der Verdächtigungen und des Imageschadens erhofft hatte. Er berichtete, dass nach der Veröffentlichung des Bildmaterials mehr als 150 Briefe mit Beleidigungen, teilweise auch mit Morddrohungen, eingegangen und einige Kunden abgesprungen seien. Der Anwalt des Schlachthofes erklärte, sein Klient und er erwarteten eine Gefängnisstrafe für die Übergriffe der Tierschutzaktivisten. Nebenkläger im Prozess ist der regionale Bauernverband (FDSEA, Île de France), dessen Präsident Damien Greffin die Bedeutung des Verfahrens unterstrich.

Der Schlachthof Houdan sei der letzte dieser Größenordnung in der Region, und kleinere Tierhaltungsbetriebe mit Direktabsatz seien auf solche unabhängigen Schlachthöfe angewiesen. Die Aktion der militanten Tierschützer von L 214 habe nicht die Verbesserung des Tierwohls, sondern die Vernichtung von Schlachthöfen, die Abschaffung der Tierhaltung und die Durchsetzung des Veganismus zum Ziel, betonte Greffin. Dies habe kürzlich auch eine Großdemonstration der L 214 in Paris offenbart, auf der die selbsternannten Tierschützer skandiert hätten: „Lasst uns das Bewusstsein öffnen und die Schlachthöfe schließen!“ Gemeinsam mit dem FDSEA nahm auch ein Komitee von insgesamt etwa 100 Landwirten und Unterstützern am Prozess teil, darunter jedoch nur wenige Tierhalter. Einer von diesen erklärte die geringe Zahl damit, dass sie befürchteten, Zielscheibe von Übergriffen zu werden.

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