8.09.2017 06:34
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Klima
Werden Hurrikans immer häufiger?
Erst «Harvey», dann «Irma» - mit zerstörerischer Kraft haben die beiden Wirbelstürme binnen weniger Tage Tod und Verwüstung gebracht. Forscher gehen davon aus, dass die Intensität solcher Stürme weiter zunehmen wird, nicht aber ihre Häufigkeit.

HURRIKAN, ZYKLON ODER TAIFUN?
Während die Wirbelstürme im Nordatlantik und im nordöstlichen Pazifik als Hurrikans bezeichnet werden, ist im Indischen Ozean und im Südpazifik von Zyklonen die Rede. Taifune werden die Stürme im nordwestlichen Pazifik genannt.

UNKLARE DATENLAGE IM 20. JAHRHUNDERT
Angesichts fehlender Satellitenbilder für alle Weltregionen vor dem Jahr 1970 kann keine Aussage darüber getroffen werden, wie sich die Wirbelstürme über das 20. Jahrhundert hinweg entwickelt haben. Vor Beginn der vollständigen Satellitenüberwachung kam es mitunter vor, dass selbst besonders heftige Hurrikans nicht wahrgenommen wurden, wenn sie nicht auf Land trafen. Wegen der schwachen Datenlage ist eine wissenschaftliche Auswertung der Stürme schwierig.

Im Nordatlantik wird seit rund 20 Jahren eine Zunahme von Hurrikans registriert. Franck Roux von der Universität Paul-Sabatier im französischen Toulouse zufolge war aber zwischen 1970 und 1995 das Gegenteil der Fall. Tatsächlich sind sich die Forscher einig, dass die Aktivität von Wirbelstürmen in dieser Region Zeitzyklen von mehreren Jahrzehnten folgt. Sie können deshalb noch nicht sicher sagen, ob die gegenwärtige Zunahme der Stürme einem natürlichen Zyklus oder dem Klimawandel geschuldet ist. Im nordwestlichen Pazifik etwa war im Zeitraum von 1998 bis 2010 ein leichter Rückgang an Wirbelstürmen zu verzeichnen.

GRÖSSERE INTENSITÄT IM 21. JAHRHUNDERT
Computermodelle zur Klimasimulation zeigen eine verstärkte Intensität der Wirbelstürme. Dies betrifft die Windgeschwindigkeiten und die Regenfälle. Die Modelle weisen aber auch auf eine mögliche zukünftige Abnahme der Häufigkeit solcher Stürme weltweit hin. «Heftigere Wirbelstürme sind eine der erwarteten Konsequenzen des Klimawandels», sagt Valérie Masson-Delmotte, Mitglied der internationalen Expertengruppe zum Klimawandel (GIEC).

Wirbelstürme erlangen ihre Kraft durch die von den Ozeanen freigesetzte Energie. Der Klimaforscherin zufolge werden die Stürme mit der Erwärmung der Meere und der zunehmenden Feuchtigkeit in der Atmosphäre immer heftiger. «Der Klimawandel lässt diese Stürme nicht entstehen, aber er verschärft ihre Auswirkungen», sagt Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

VERLAGERUNG VON WIRBELSTÜRMEN
Dem Wetterdienst Méteo France zufolge zeigen Studien, dass sich das Gebiet, in denen die Stürme ihre maximale Intensität erreichen, in den vergangenen 35 Jahren auf der Nord- wie auf der Südhalbkugel in Richtung der Pole bewegt hat. Dies könnte auf die Ausdehnung der Tropen, also des Gebiets beiderseits des Äquators, zurückzuführen sein, wo ein heisses und feuchtes Klima vorherrscht.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE