7.02.2019 13:04
Quelle: schweizerbauer.ch - awp/blu
Deutschland
Whisky-Zoff: Goliath siegt
Der nahe Stuttgart gebrannte Whisky «Glen Buchenbach» darf nicht länger so heissen. Das Landgericht Hamburg urteilte am Donnerstag, dass mit dem Namensbestandteil «Glen» die besonders geschützte geografische Angabe «Scotch» beeinträchtigt werde.

Damit folgte das Gericht einer Klage der schottischen Whisky-Produzenten. Das bestätigte ein Gerichtssprecher in Hamburg. Durch die EU-Spirituosenverordnung werde nicht allein die direkte Verwendung der geografischen Herkunftsbezeichnung geschützt, sondern auch angrenzende irreführende Bezeichnungen. Dabei sei auf das einzelne Wort abzustellen, nicht auf den Gesamteindruck des Produkts.

Klarstellende Hinweise auf der Verpackung zur Herkunft seien nicht ausreichend. Die meisten Whiskys in Europa mit dem Namensteil «Glen» seien jedoch schottischen Ursprungs. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte den Fall (Rechtssache C44/17) bereits im Juni vergangenen Jahres auf dem Tisch und hatte ihn an die deutsche Justiz zurückgeschickt.

Seit 2013 vertreibt die Waldhornbrennerei Klotz ihren Single Malt Whisky «Glen Buchenbach». Fast genauso so lange währt der Clinch mit dem mächtigen Lobby-Verband Scotch Whisky Association (SWA). «Dabei heisst das gälische Wort 'Glen' einfach nur 'enges Tal' oder 'Schlucht' - wie will man das denn schützen?», argumentierte Jürgen Klotz von Waldhornbrennerei Klotz vor einem Jahr. 

Nach Ansicht des Schnapsbrenners handelt der schottische Verband rein taktisch: Die kleinen Betriebe sollen eingeschüchtert werden. «Die SWA verklagt alles und jeden, der mit Whisky zu tun hat, um den Markt zu beherrschen», sagte Klotz. Da sei so viel Geld und Macht im Spiel, dass die Brennereien den Namen ihres Whiskys meist sofort änderten oder lieber gleich ganz auf das Wort «Glen» verzichteten.

Die SWA repräsentiert mehr als 95 Prozent der schottischen Whisky-Industrie. Deren Export belief sich den britischen Steuerbehörden zufolge 2016 auf fast fünf Milliarden Euro - mehr als ein Fünftel der gesamten britischen Lebensmittelexporte. Gut 40'000 Beschäftigte arbeiten in der Branche.

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