22.01.2017 18:14
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Deutschland
Zeichen gegen Bauernbashing setzen
Am Samstagmorgen haben mehrere hundert Bauern in Berlin zum dritten Mal die Kundgebung «Wir machen Euch satt» organisiert. Bauern wollen für Dialog statt Protest werben. «Wir machen Euch satt» vereint nach eigenen Angaben kleine wie grosse Betriebe, die sowohl konventionell als auch biologisch bewirtschaften.

Gegen 800 Personen haben sich beim Berliner Hauptbahnhof eingefunden und unter dem Motto "Wir machen Euch satt" demonstriert. Landwirte aus ganz Deutschland, darunter viele Jungbauern aus dem Bundesland Brandenburg, sind mit Traktoren und Zug angereist, wie «RBB Online» berichtet. Auf ihren Plakaten stand geschrieben «Redet mit uns, statt über uns». So wollen die Landwirte mit den Konsumenten ins Gespräch kommen. Nebst in Berlin wurden auch in anderen Städten Demonstrationen organisiert.

«Bauernbashing»

Die Demo in der Hauptstadt war eine Gegenveranstaltung zu «Wir haben es satt». «Wir verstecken uns nicht auf unseren Höfen», sagte Landwirt Marcus Holtkötter vom Organisationskomitee «Wir machen Euch satt» im Vorfeld der Demo. Die Vorwürfe wie «Massentierhaltung» seien undifferenziert und diffamierend. Die Demonstranten von «Wir haben es satt» wollen gemäss Holtkötter die Bauern spalten und in gut und böse unterscheiden.

«Irgendwo müssen wir auf den Bürger zugehen. Die Landwirte werden derzeit in den Medien mehr oder weniger platt gemacht - der neudeutsche Begriff heisst «Bauernbashing». Und um dagegen ein Zeichen zu setzen sind wir heute hier», sagte Peter Wilke von der Agrargenossenschaft Nauen am Samstag dem «RBB».

«Sind nicht die Agrarindustrie»

Die Demonstranten warfen der Regierung Sprunghaftigkeit bei den Auflagen vor. Dadurch würden am Ende gerade Familienbetriebe in ihrer Existenz bedroht. Durch Anfeindungen, pauschale Vorwürfe und wechselnde gesetzliche Vorgaben fühlten sich viele Landwirte verunsichert, sagte ein Redner. Vor allem für junge Bauern sei dies demotivierend. Diese seien zu Kompromissen bereit und würden die Betriebe nachhaltig weiterentwickeln.

Die Bauern würden nicht industriell arbeiten, so der Tenor unter den Teilnehmern. Junglandwirt Lars Schmidt (27) erklärte, wie vielfältig die Landwirtschaft sei und dass die Bauern nicht «Die Agrarindustrie» seien. «Landwirtschaft ist ein enorm wichtiger Baustein, ohne uns würde die ganze Kette zusammenbrechen», zitiert Topagrar Online den jungen Milchbauern.

«Wir kämpfen um jedes Tier»

Die heutige Wohlstandsgesellschaft erkenne offenbar nicht, dass es noch nie so viele Labels und so viel Tierwohl gab wie heute. Er appellierte an den Berufsstand, den Dialog sachlich zu führen. Landwirtin Renate Ixmeier betonte, dass Flächenstilllegung, Extensivierung und die zunehmende Versiegelung ein Affront gegen alle Hungernden in der Welt seien. Die Weltbevölkerung werde weiterwachsen und diese müsse ernährt werden.

Heike Müller wandte sich direkt an die Kritiker, wie Topagrar Online weiter schreibt: «Liebe Konsumenten, Veganer, Vegetarier: Anders als in der grausamen Natur kämpfen wir um jedes Tier. Und wir versorgen euch alle und bieten an, besucht die Höfe und guckt euch die Tierhaltung an. Unsere Welt ist bunt, schwarz-weiss sind nur die Kühe.»

18'000 bei «Wir haben es satt»

Ebenfalls am Samstag demonstrierten in Berlin rund 18'000 Menschen für eine Wende in der Agrar- und Ernährungspolitik. Angeführt von rund 130 Landwirten mit ihren Traktoren zogen sie unter dem Motto «Wir haben es satt» durch Innenstadt und Regierungsviertel. Die Teilnehmer wollten sich damit für gesundes Essen, eine bäuerlich-ökologische Landwirtschaft sowie fairen Handel einsetzen.

«Agrarkonzerne, Finger weg von unserem Essen» war ein zentraler Slogan der Kundgebung anlässlich der Landwirtschaftsmesse Grüne Woche, die am Freitag in der Hauptstadt begonnen hatte. Die Teilnehmer wandten sich gegen eine Industrialisierung der Landwirtschaft zu Lasten kleinerer Betriebe. In einem Neun-Punkte-Plan forderten die Kundgebungsteilnehmer ein Ende von Subventionen zugunsten von industriell wirtschaftenden Grossbetrieben sowie einen Stopp von «Mega-Fusionen im Agrarsektor». 

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