26.01.2018 11:36
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
EU
Zinswende noch nicht in Sicht
Die Europäische Zentralbank (EZB) bekräftigt ihren lockeren Kurs. Die Leitzinsen bleiben auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Im Auge behalten will EZB-Chef Mario Draghi den starken Kursanstieg des Euro.

«Die jüngsten Wechselkursschwankungen stellen eine Quelle der Unsicherheit dar», sagte Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Dies müsse weiter beobachtet werden. Der Euro hat seit Mitte Dezember mehr als sechs Prozent zugelegt. Die Devisenmärkte reagierten am Donnerstag mit deutlichen Schwankungen auf die Aussagen des EZB-Präsidenten.

Diskussionen noch nicht begonnen

Der zuvor zum Dollar klar schwächere Euro zog daraufhin wieder kräftig an und stieg um rund einen US-Cent bis auf 1,2537 Dollar. Auch zum Franken gewann die Gemeinschaftswährung wieder klar an Wert. Demgegenüber büsste der Dollar zum Franken ein und sank bis auf 0,9358 Franken hinab, den tiefsten Wert seit August 2015.

Zu der Euro-Kursrally haben auch die jüngsten Protokolle der Dezember-Zinssitzung beigetragen. Darin deutete die EZB an, früh in diesem Jahr ihren Ausblick zu überprüfen. Marktteilnehmer hatten daraufhin auf eine erste Zinsanhebung bereits in diesem Jahr spekuliert. Das sei allerdings wenig wahrscheinlich, sagte Draghi nun. Die Diskussionen über den Ausblick hätten noch gar nicht richtig begonnen. Die Notenbank bekräftigte, die Schlüsselzinsen würden weit über die Zeit der Anleihenkäufe hinaus auf dem aktuellen Niveau bleiben.

Kein abruptes Ende

Die EZB und die nationalen Notenbanken erwerben derzeit Wertpapiere im Volumen von 30 Milliarden Euro pro Monat, um die Inflation anzuheizen. Sie wollen die vor allem in Deutschland umstrittenen Käufe noch bis mindestens September fortsetzen.

Wie es danach weitergehe, sei im EZB-Rat nicht diskutiert worden, sagte Draghi. Es müsse generell zwischen den Optionen einer Ausweitung des Programms, einer schrittweisen Drosselung und eines «plötzlichen Stopps» unterscheiden. «Und das ist exakt ein Teil der Diskussion, die wir haben werden», sagte Draghi. Welche Möglichkeit die wahrscheinlichste ist, liess er offen. Zugleich verwies er auf seine frühere Äusserung, das Programm werde nicht abrupt enden.

2,55 Billionen Euro

Die EZB und die nationalen Notenbanken erwerben bereits seit März 2015 in grossem Stil Staatsanleihen und andere Wertpapiere. Mit den Käufen wollen die Euro-Wächter Banken dazu bewegen, weniger in diese Papiere zu investieren und stattdessen mehr Kredite an Firmen und Haushalte auszureichen. Das Gesamtprogramm ist inzwischen auf 2,55 Billionen Euro angelegt. Es ist bislang die wichtigste Waffe der Währungshüter im Kampf gegen eine aus ihrer Sicht immer noch zu schwache Inflation.

Zur Wirtschaft im Euro-Raum sagte EZB-Präsident Draghi, sie sei weiter im Aufwind. Der Italiener sprach von einem «robusten Tempo der wirtschaftlichen Expansion». Die Belebung könne stärker ausfallen als bislang angenommen.

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