16.09.2016 12:41
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Milchmarkt
„2 Franken pro Liter Milch“
Der Schweizer Tierschutz STS sorgt sich um die hiesige Milchwirtschaft. Gemäss einer Umfrage des STS wäre die grosse Mehrheit der Konsumenten bereit, mehr für die Milch zu bezahlen, wenn das Geld den Bauern und den Tieren zugutekäme.

Die Schweizer Milchproduktion hat 2015 einen neuen Höchstwert erklommen. Die geht aus dem Agrarbericht 2015 hervor. Rund 4 Milliarden Liter wurden von den hiesigen Kühen produziert. Doch das Melken wird immer unrentabler. Die Bauern können mit den tiefen Preisen von 50 Rappen und weniger ihre Kosten nicht mehr decken.

Alarmzeichen

Für den Schweizer Tierschutz ist das ein Alarmzeichen. „Noch nie haben die Bauern so viel produziert und so wenig verdient dabei“, schrieb die Organisation Mitte Juli. Als Hauptschuldigen hatte der STS die Politik ausgemacht. Sie schlug deshalb die Lancierung einer fairen Milch vor. Nun nimmt der STS auch die Ökonomen in die Pflicht.

Die Bauern hätten in den vergangenen 30 Jahren alles unternommen, um die von Ökonomen angemahnte Produktivitätssteigerung und die Kostensenkungen zu erreichen, schreibt die Organisation am Freitag in einem Communiqué. So wurde die durchschnittliche Milchleistung pro Tier von 4‘500 auf 7‘000 Kilo gesteigert.

Für Bauern und Tiere nicht gut

Der Kuhbestand ist in derselben Zeitspanne um 30 Prozent auf 590‘000 Milchkühe gesunken (-270‘000 Tiere), die Milchproduktion ist um 10 Prozent gestiegen. „Die Produktivität pro Milchkuh ist um 60 Prozent gestiegen“, hebt der Tierschutz hervor. Durch diese Entwicklung ist die Hälfte der Milchviehbetriebe seit 1985 verschwunden.

Produktivitätssteigerungen und Kostensenkungen bedeutet gemäss dem STS für die Tiere häufig nicht Gutes. Der Weidegang nimmt ab, die ganzjährige Stallhaltung nimmt zu. Zudem erhöhe sich der Antibiotika-Einsatz, die Nutzungsdauer der Tiere hingegen sinke.

Den Bauern bleibt immer weniger

Als Treiber dieser Entwicklung nennt der STS einerseits die Politik. Wegen agrarpolitischen Fehlentscheiden, beispielsweise die Aufhebung der Milchkontingentierung, die Ankurbelung von Käse- und Futtermittelimporten oder die Subventionierung von Hochleistungs-Viehzucht, sei der einst wirtschaftlich und imagemässig bedeutende Betriebszweig der Schweizer Landwirtschaft zu einem Sanierungsfall verkommen, betont die Organisation.

Andererseits kritisiert der Tierschutz Industrie und Handel. Vor 30 Jahren blieben von einem Konsumentenfranken 60 Prozent beim Bauern, heute sind es noch 33 Prozent. „Industrie und Handel gelingt es, immer mehr in die eigene Tasche zu stecken. Der Konsument hingegen bezahlt rund CHF 1.50 für einen Liter Pastmilch – damals wie heute“, so das Fazit des STS.

Milch besser positionieren

Um die Schweizer Milch besser zu positionieren, soll dem Tierwohl mehr Gewicht beigemessen werden, fordert die Organisation. So soll eine Marke „Schweizer Milch – aus tierfreundlicher Haltung“ ins Leben gerufen werden, forderte der STS im Juli. Der Rückhalt in der Bevölkerung ist gemäss einer Umfrage gross.

„82 Prozent der Konsumenten wären bereit, 2 Franken für die Milch zu bezahlen, wenn sie wüssten, dass die 50 zusätzlichen Rappen dem Bauern zugutekämen unter der Voraussetzung von fleissigem Weidegang und Auslauf fürs Rindvieh“, sagt Hansuli Huber gegenüber „Schweizer Bauer“. Dieses Potenzial müsse die Branche nun bearbeiten statt zu streiten oder nur Visionen und Worthülsen zu entwickeln, fordert Huber.

Das ausführliche Interview mit Hansuli Huber lesen Sie in der Samstagsausgabe des „Schweizer Bauer“

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