8.08.2017 13:06
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Uri
1.06 Franken pro Kilo Milch
Besonders Bauern, die Molkereimilch produzieren, leiden unter den tiefen Produzentenpreisen. Älpler von der Sittlisalp im Kanton Uri hingegen erhalten pro Kilo Milch über einen Franken. Risikobereitschaft, kluges Marketing, ein breites Netz an Abnehmern und ein Nischenmarkt ermöglichen es. Mit Video

In der Schweiz verharren die Milchpreise auf sehr tiefem Niveau, trotz geringerer Einlieferungen und steigenden Notierungen im Ausland. Die Preise für Molkereimilch für das A-Segment (geschützter Inlandmarkt) variieren je nach Verarbeiter zwischen knapp 50 Rappen (Cremo) und 59 Rappen (Migros). Damit lassen sich knapp die Kosten decken, verdient haben die Produzenten noch nichts.

Mit- statt gegeneinander

Die Älpler der Sittlisalp im Kanton Uri erhalten mit rund 1.06 Franken pro Kilo schweizweit wohl den höchsten Milchpreis. Dies berichtet die «SonntagsZeitung» in ihrer jüngsten Ausgabe. Der Grundstein dieser Erfolgsstory wurde in den 1980-er Jahren gelegt. Bis 1983 hat jeder Senn seine Milch selbst zu Käse verarbeitet und anschliessend an einen Zwischenhändler verkauft. Resultat waren tiefe Margen.

Die Bauern entschlossen sich in der Folge, diesem Treiben ein Ende zu setzen und bauten mit Unterstützung durch den Staat eine gemeinsame Käserei. Zudem stellten sie mit Toni Horat einen professionellen Käser ein. Dieser erhöhte die Qualität der Produkte, zudem führte er eine neue Marketingstrategie ein. 1984 schliesslich ging die neue Käserei in Betrieb.

Milch konsequent verwertet

Käser Horat lobt die Älpler für ihre Weitsicht. «Sie haben gelernt, an das Endprodukt und an die Konsumenten zu denken. Und sie waren immer wieder bereit, Risiken einzugehen und zu investieren», sagt Horat gegenüber der «SonntagsZeitung». Insgesamt haben die Älpler in den vergangenen dreissig Jahren insgesamt 1 Million investiert.

Ein weiterer, wichtiger Baustein des Erfolges war die Inbetriebnahme eines Wasserkraftwerkes im Jahre 1991. Zudem wird die Milch der 196 Kühe konsequent verwertet. Nebst Käse werden auch Butter, Joghurt, Rahm, Ziger, Kräuterbutter und Molkendrinks hergestellt. Vermarktet werden die Produkte von der Käserei selbst. Toni Horat fährt dazu zweimal in der Woche ins Tal. Er beliefert Käsefachgeschäfte, Restaurants und private Abnehmer.

Horat hat sich ein grosses Netz an Abnehmern aufgebaut. Die Produkte von der Sittlisalp gibt es nicht nur im Kanton Uri, sondern auch in den Kantonen Schwyz, Zug, Luzern, Aargau, St.Gallen und Zürich zu kaufen. «Wir haben hier eine sehr gute Wertschöpfung», hält der Käser fest.

«Absoluter Nischenmarkt»

Grosses Interesse an solchen Spezialitäten haben auch die Grossverteiler. Mit diesen wolle man aber nicht geschäften. Sie würden nur die Preise drücken, so Horat. Ist das Erfolgsmodell auch auf andere Alpen übertragbar, fragt die Zeitung. Toni Horat gibt sich skeptisch: «Wir arbeiten in einem absoluten Nischenmarkt.» Nur mit Spezialitäten könne man eine so hohe Rendite erwirtschaften.

Optimistischer gibt sich Franz Furrer, Geschäftsführer von der Genossenschaft Urner Alpkäseproduzenten. Ein so hoher Milchpreis sei auch in anderen Orten möglich. Dazu benötige es aber den gleichen Unternehmergeist, dieselbe hohe Bereitschaft zu Investitionen, tiefe Betriebskosten und eine ebenso ausgeprägte Opferbereitschaft. 

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