28.11.2013 06:31
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Kommentar
«2 Rappen mehr sind 5,5 Rappen zu wenig»
Die Branchenorganisation Milch (BOM) erhöht den Richtpreis per 1.Januar um 2Rp./kg. Diese Erhöhung ist zu tief und kommt zu spät. Denn die Milchpreise an den internationalen Märkten sind schon lange hoch, und es zeichnet sich auch keine Abkühlung ab.

Im Gegenteil: Die Preise tendieren nach oben. Weil die Volksrepublik China ihre Wirtschaft weiter reformiert und die  Ein-Kind-Politik lockert, wird mit einem zusätzlichen Absatz von Baby-Milchpulver gerechnet. Die Aktien der Molkereien in Asien schiessen bereits in die Höhe.
Der BOM-Entscheid  fällt mit 2 Rp./kg  so oder so zu tief aus. Für Verarbeiter und Detailhandel ist der Ankaufspreis immer zu hoch. Aus deren Sicht sollen sich die  Bauern mit dem zufriedengeben, was sie bekommen. Mangels Alternativen steigen dennoch nicht sehr viele aus der Milchproduktion aus.

Mit Blick auf die neue Agrarpolitik 2014–2017  ist die Preiserhöhung von 2 Rp./kg unter dem Strich  sogar eine Preissenkung von 5 Rappen.  Bauernverbandspräsident Markus Ritter rechnete es schon im Sommer vor: Der Milchpreis müsste ab 1. Januar 2014 um 7,5 Rp./kg steigen, damit er die bei der AP 2017 wegfallenden Tierbeiträge kompensieren könnte. Denn den Raufutterverzehrerbeitrag von 450 Fr. pro Kuh gibt es nicht mehr, was bei einer Förderlimite von 2 GVE pro Hektare insgesamt 900 Fr. ergibt. Bei einer Milchleistung von 6000 kg pro Kuh und Jahr gibt das 12'000 kg pro Hektare. Demnach müsste der Milchproduzent 7,5 Rappen mehr pro Kilo Milch erhalten, um auszugleichen.

Zugegeben: Der Übergangsbeitrag ist in dieser Rechnung nicht einberechnet. Aber  dieser deckt schon im ersten Jahr nicht mehr die ganze Lücke. Und er wird Jahr für Jahr kleiner, womit die Differenz zum früheren Raufutterverzehrerbeitrag Jahr für Jahr grösser wird.

Die Richtpreiserhöhung ist also buchstäblich ein Tropfen auf den heissen Stein, der wegen der AP 2017 nur so verdampft.  Die einseitig verteilte Marktmacht zwischen wenigen Detailhändlern und Molkereien auf der einen und den in viele Verbände aufgesplitteten Bauern auf der anderen Seite lässt es nicht zu, dass die Bauern sich durchsetzen können.

Und noch etwas kann man daraus lernen: Die Abschaffung der  Tierbeiträge zeigt, wie kurzlebig und  kurzsichtig  die Agrarpolitik ist. Denn die Tierbeiträge wurden erst vor etwa zehn Jahren hochgefahren, um die wegfallenden Milchpreisstützungen für Industriemilch zu kompensieren.

Samuel Krähenbühl
Redaktionsleiter schweizerbauer.ch
samuel.kraehenbuehl@schweizerbauer.ch

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