21.05.2013 16:29
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Milchproduktion
40 Prozent der Schweizer Milchbauern denken ans Aufhören
Rund 83 Prozent der Schweizer Milchbauern sind nicht oder eher nicht zufrieden mit ihrem Einkommen. Das sagt eine von Isopublic verfasste Studie. Doch trotz tiefem Einkommen sei die Liebe der Bauern zu ihrem Beruf gross.

«Die Schweizer Milchbauern lieben ihren Beruf.» Dies sagte Matthias Kappeler, Geschäftsführer des Forschungsinstituts Isopublic, gestern in Hünenberg ZG anlässlich der Präsentation einer Studie zur Lage der Milchproduzenten. «Doch 83% der Schweizer Milchbauern sind mit dem Milchpreis nicht zufrieden. Das ist eine enorm hohe Zahl», fügte er an.

Hohe Identifikation mit Beruf

Die repräsentative Studie zeige also,  dass die Einkommenssituation zwar ein wichtiger, aber nicht entscheidender Punkt für die Arbeitszufriedenheit sei. «In meiner über 20-jährigen Tätigkeit habe ich noch nie eine so hohe Identifikation mit dem Beruf bei einer gleichzeitig so tiefen Zufriedenheit mit dem Salär angetroffen», betonte Kappeler.

Doch trotz der Liebe zum Beruf wirke sich die schlechte Einkommenssituation  auf die Zukunftspläne der Milchbauern aus: «Rund 40% der Betriebsleiter sind sich ziemlich sicher, dass in 10 Jahren auf ihrem Hof die Milchproduktion eingestellt wird.» Zwar seien das schon vorwiegend ältere Betriebsleiter von kleineren Betrieben. «Aber auch 20% der grossen Milchbauern mit mehr als 60 Milchkühen sagen, dass sie in 10 Jahren wohl nicht mehr melken.»

Studie nach wissenschaftlichen Kriterien

Die  Studie, für die 1000 Milchbauern interviewt wurden,  gab die  bäuerliche Basisorganisation BIG-M in Auftrag Es habe noch nie eine repräsentative Befragung der Schweizer Milchbauern stattgefunden, erklärte BIG-M-Sekretär Werner Locher den Beweggrund. «Mit der vorliegenden Studie haben wir das erste Mal die Resultate einer Befragung von 1000 Milchbauern, welche nach wissenschaftlichen Kriterien von Isopublic erhoben wurden», so Locher.

«Das Herz der allermeisten Milchbauern hängt an den Kühen», zog BIG-M-Präsident Martin Haab sein Fazit. Mit der Agrarpolitik 2014–2017 (AP 2017)  solle nun aber der Beruf Milchbauer  noch unattraktiver gemacht werden. Die Milchproduzenten hätten seit einigen Jahren zur Kompensation der sinkenden Milchpreise Beiträge für die Haltung Raufutter verzehrender Nutztiere (RGVE-Beiträge) erhalten. Diese Beiträge sollen mit der AP 2017 gestrichen werden. «Die logische Folgerung müsste sein, dass die Molkereien den Milchbauern  den Wegfall der RGVE-Beiträge durch höhere Milchpreise wieder kompensieren müssten. Genau dies wird aber nicht passieren», betonte Haab.

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