7.03.2017 09:34
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Milchmarkt
«70 Rappen sind Träumerei»
Laut dem Präsidenten der Branchenorganisation Milch (BOM), Markus Zemp, brauchts für die Milchbauern allenfalls höhere Direktzahlungen. Einen Produzentenpreis von über 70 Rappen pro Kilo Milch hält er für eine Träumerei.

Es war ein ausserordentlich engagiertes Referat, das BOM-Präsident Markus Zemp am vergangene Woche an der Stabsübergabe der TSM in Bern hielt. Zuerst betonte er, dass der Wechselkurs des Schweizer Frankens zu Euro und Dollar für den Milchpreis mindestens so wichtig sei, wie die Milchmenge, über die immer gesprochen werde.

Bei besserem Wechselkurs Lieblingsbranche

«Wäre der Wechselkurs immer noch 1.60 CHF/EUR, dann wäre die Milchwirtschaft die Lieblingsbranche der Schweizer Landwirtschaft», rief Zemp  den 200 Gästen zu.  Dann hielt er fest: «Wir haben 2015 und 2016 bei den Milchprodukten jeweils markant Absatz verloren, obwohl die Bevölkerung in der Schweiz wuchs.» Das zeige, dass die Preisdifferenz zum Ausland nicht zu gross sein dürfe, wenn man nicht im grossen Stil Marktanteile verlieren wolle.

Zemps Referat gipfelte in einer Folie mit dem Titel: «Wie machen wir die Milchwirtschaft (Molkereimilch) zukunftsfähig?» Es sei Träumerei, bei der Molkereimilch an ein Zurückkommen auf 70 oder 80 Rp. zu denken. Die Frage für die nächsten Jahre laute: Kann man bei einem Milchpreis von 50 Rp. in der Schweiz Geld verdienen? Denn der Bauer müsse mit der Milchproduktion ebenfalls Geld verdienen können, um mit seinem Milchbetrieb eine Zukunft zu haben. Zemp hielt dann wörtlich fest: «Wenn die Rahmenbedingungen hier keine Lösungen ermöglichen, werden wir die Milchwirtschaft als Pfeiler der Schweizer Landwirtschaft verlieren oder die Direktzahlungen gleichen aus.»

Marktversagen bei Milch

Zemp verwies auf die Argumentation des Marktversagens, die im Bundesamt für Landwirtschaft typischerweise in Bezug auf die Biodiversitätsbeiträge gebraucht wird: Man müsse dort stützen, wo der Markt die Leistungen nicht genügend abgelten könne. Als Ansatzpunkte für die Agrarpolitik nannte Zemp die in der Schweiz gegenüber den Nachbarländern viel höheren Kosten für Maschinen, Melk- und Stalleinrichtungen.

Und die Raumplanung laufe aktuell in die «völlig falsche Richtung»: Die Einschränkungen für die Bauern würden grösser, nicht kleiner. Dabei sei die Milchproduktion im Grasland Schweiz standortgerecht. Es gelte, unersetzbar zu werden. Doch er sei für die Schweizer Milchwirtschaft trotzdem optimistisch, denn sie habe starke Marken auch im Export, betont Zemp ganz zum Schluss. 

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