15.07.2015 10:40
Quelle: schweizerbauer.ch - ats
Deutschland
900 Millionen um Milchmenge zu senken
Der Bund deutscher Milchproduzenten fordert die Verwendung der Superabgabe für Sofortmassnahmen auf dem Milchmarkt. Die europäische Superabgabe in der Höhe von 900 Millionen Euro soll in den Milchmarkt investiert werden und zu dessen Erholung führen.

Angesichts der eklatanten und akuten Liquiditätsprobleme der Milchviehbetriebe in der aktuellen Milchmarktkrise fordert der Bund deutscher Milchproduzenten (BDM), die Mittel der Superabgabe in Höhe von 900 Mio. Euro dafür zu verwenden, eine schnelle Erholung des Milchmarkts herbeizuführen.

Menge zeitlich zurückfahren

„Jetzt muss das Augenmerk vor allem darauf gerichtet sein, alles dafür zu tun, dass sich die finanzielle Situation der Milchbetriebe ganz schnell verbessert"erklärt BDM-Vorsitzender Romuald Schaber in einer Mitteilung. Es gilt, den globalen Milchmarkt, zu dessen Krise die EU mit ihren Mehrlieferungen massgeblich beigetragen hat, schnell zu entlasten.

Konkret bedeutet dies, die Zahlungen aus der Superabgabe für Maßnahmen zu verwenden, die die EU-Milchanlieferungen zeitlich befristet zurückführen können. „Der BDM hat dafür ein Konzept vorgelegt. Wir erwarten, dass die 900 Mio. Euro als Ausgleichsleistung für die Milchviehbetriebe verwendet werden, die bereit sind, ihre Milchanlieferung zeitlich befristet zurückzunehmen und damit den Milchmarkt zu entlasten“, so Schaber.

Nicht in Export investieren

„Exportinitiativen sind als Daueraufgabe der Molkereiindustrie grundsätzlich zu begrüßen, helfen in der akuten Situation aber kein bisschen weiter," so Schaber weiter. Die Milchmarktkrise ist global, das heisst es hat weltweit zu viel Milch auf dem Markt. Das drückt die Preise. Auch wenn neue Absatzmärkte für die europäische Milch gefunden werden würden, ändert das nichts am insgesamt viel zu niedrigen Milchpreisniveau.

In einem völlig überlasteten, globalen Markt könnte die Milch nur zu extrem niedrigen Preisen untergebracht werden, wenn überhaupt. Die Gelder der Superabgabe hierfür einzusetzen, wäre daher unverantwortlich und eher Verschwendung als eine echte Hilfe für die Milchviehhalter. 

Riesige Verluste für Milchbauern

Den EU-Milchviehhaltern entstehen alleine in 2015 Verluste von mindestens 15 Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund und angesichts der erwarteten weiteren dramatischen Zuspitzung der Milchmarktsituation kann die immer noch abwartende Haltung der EU-Kommission und der deutsche Ratsvertretung in Brüssel nicht länger akzeptiert werden.

„Die dramatische Milchmarktsituation als Folge des Konfliktes zwischen Russland und der EU darzustellen, ist fachlich falsch und nichts anderes als ein reiner Ablenkungsversuch“,  erklärt Schaber mit Blick auf die Argumentation verschiedener Politiker und Verbandsvertreter. Eine der  Hauptursachen  der aktuellen Marktentwicklung ist die seit Mitte 2013 ansteigende EU-Milchanlieferung, die 2014 in einer Mehrproduktion von über 6 Mio. Tonnen Milch gipfelte. Auch für  2015 zeichnet sich  eine weitere Zunahme der EU-Milchanlieferung ab: Aktuell liegt diese um weitere 2 % über der schon sehr hohen Marke von 2014.

Bisherige Massnahmen nützen nicht

„Richtig ist, dass die kritische Milchmarktsituation nicht mit den Instrumenten der agrarpolitischen Vergangenheit zu lösen ist," ist Schaber überzeugt.  Diese Instrumente, bestehend  aus Exportoffensiven, staatliche Intervention und Privater Lagerhaltung, haben sowohl 2009 als auch 2012 schon zu großen Verlusten für die Milchviehhalter geführt.

Deshalb erwarten der BDM, dass das Marktkrisenmanagement-Konzept umgesetzt wird, das als modular einsetzbares und auf die jeweilige Marktsituation angepasstes Gesamtpaket aus Krisenmassnahmen entwickelt wurde. "Es beinhaltet die bereits bestehenden Kriseninstrumente, erweitert diese aber um neue Massnahmen, mit denen Mehrmengen in Zeiten gesättigter Märkte vermieden werden“, so Schaber.

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