21.05.2019 17:01
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
«Akzeptieren Dumpingpreise nicht»
Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) sind besorgt. Sie befürchten Preisdumping. Gemäss SMP der wurden bedeutende Veredelungsverkehrsgesuche von Milchpulver eingereicht. Die SMP fordert die Branche auf, Transparenz zu schaffen.

In den ersten drei Monaten hat sich die Milchproduktion weiter zurückgebildet. Das Minus gegenüber dem Vorjahr beträgt 3,3 Prozent. Die Butterlager sind ebenfalls tief, die Käseexport stabil.

International zeigen die Notierungen für Milchpulver eine steigende Tendenz, schreiben die SMP. «Dies sind Indikatoren für eine Marktsituation, die stärkere Preise erwarten lassen», halten die Milchproduzenten am Dienstag in einer Mitteilung fest. 

Und offenbar wollen sich Verarbeiter vor steigenden Preisen absichern. Das stösst den SMP sauer auf. «Wir verstehen das ganz und gar nicht, dass bedeutende Gesuche für den Veredelungsverkehr der verarbeitenden Industrie auf dem Tisch liegen. Aktuell werden im Schoggigesetzkanal für Milchpulver zum Teil schlechtere Preise bezahlt als 2018», halten die SMP fest. Am Mittwoch wird der Vorstand der Branchenorganisation Milch über den Richtpreis von Molkereimilch im A-Segment entscheiden. Der Preis verharrt seit mehreren Quartalen auf 68 Rp./kg.

Die Dachorganisation der Milchbauern befürchtet, dass mit dem Veredelungsverkehrs Preisdumping auf dem Buckel der Milchproduzenten betrieben werden soll. Die Veredelungsverkehrsgesuche könnten gar als Verhandlungspoker eingesetzt werden, mutmassen die SMP. Problematisch sei, dass die neue Regelung, welche der Bundesrat in Kraft gesetzt habe, keine Transparenz mehr erlaube, heisst es in der Mitteilung weiter.

Unterschieden wird in passiven und aktiven Veredelungsverkehr. Beim passiven Veredelungsverkehr wird ein Rohstoff exportiert, verarbeitet und wieder importiert. Beim aktiven Veredelungsverkehr wird ein Rohstoff, zum Beispiel Butter oder Milchpulver, importiert und zum Beispiel zu Backwaren weiterverarbeitet, um wieder in verarbeiteter Form exportiert zu werden. Im Verfahren der aktiven Veredelung können die zu veredelnden Waren zollbefreit oder mit Anrecht auf Zollrückerstattung vorübergehend eingeführt werden. In gewissen Fällen ist auch eine Befreiung von der Mehrwertsteuer auf der Einfuhr (Einfuhrsteuer) möglich. Dieser Verkehr ist bewilligungspflichtig.

Und die SMP drohen den Verarbeitern: «Dumpingpreise zulasten der Milchproduzenten werden nicht akzeptiert und würden unweigerlich auch eine politische Debatte auslösen.» Deshalb verlangt die SMP von allen Akteuren der Wertschöpfungskette entschieden, ihre Verantwortung wahrzunehmen und Transparenz zu schaffen. Sollte dies nicht eintreten, behalten sich die SMP den politischen Weg vor.

SMP-Vorstand unterstützt „Motion Aebi“

Der SMP-Vorstand unterstützt den aktuellsten Vorstoss von Nationalrat Andreas Aebi (SVP/BE) zur Förderung koordinierter Exportinitiativen landwirtschaftlicher Güter. Zentral ist dabei, dass die verschiedenen Bundesämter (SECO, BLW und BLV) gemeinsam „am selben Strick in dieselbe Richtung ziehen“, die vorhandenen Exporthubs genutzt werden können und auch Mittel für die Exportförderung des SECO für den Agrarbereich zur Verfügung stehen, schreiben die SMP. Im aktuellen Umfeld habe das Vorhaben hohe Dringlichkeit. Es soll auch dazu beitragen, nicht-tarifäre Handelshemmnisse im Bereich von neuen Handelsverträgen beim Export von Milchspezialitäten aus der Schweiz zu beseitigen.

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