21.07.2017 16:42
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Milchmarkt
Aldi: «Fair Milk» ist Ergänzung
Aldi geht bei der Milch in die Offensive. Bereits in der kommenden Woche wird es in sämtlichen Filialen die «Fair Milk» zu kaufen. Es handelt sich aber «nur» um eine Ergänzung des Sortiments. Dem Milchbauer wird ein Milchpreis von 70 Rp je Kilo garantiert. BIG-M zeigt sich verhalten.

Die Stimmung am Milchmarkt ist stark unterkühlt. Molkereimilchproduzenten kämpfen ums finanzielle Überleben, höhere Preise sind trotz tieferen Einlieferungen in den vergangenen Monaten und steigenden Notierungen im Ausland ausgeblieben.

Unruhe in der BOM

Der Vorstand der Branchenorganisation Milch (BOM) konnte sich Ende Mai nicht auf eine Richtpreiserhöhung für Molkereimilch im A-Segment (geschützter Inlandmarkt) für das 3. Quartal durchringen. Bei einer Preiserhöhung könnten weitere Marktanteile gegenüber Importprodukten und wegen dem Einkaufstourismus verloren gehen, fürchtete die Mehrheit der BOM.

Die verschiedenen Akteure (Händler/Verarbeiter) schoben sich die Schuld in die Schuhe.  Das Ganze gipfelte in der Folge mit Ankündigung der Migros, die BOM Ende Jahr zu verlassen. Aldi mischt nun den Markt auf. Am Mittwoch gab der Discounter via «Handelszeitung» bekannt, dass eine «Fair Milk» ins Sortiment aufgenommen wird.

Forderung von Bauernverband erfüllt

In einem Communiqué spricht Aldi von einer «kleinen Revolution» im Schweizer Lebensmittel-Detailhandel. Im Laden wird die «Fair Milk» für 1.49 Franken pro Liter verkauft. Zum Vergleich: Normale Trinkmilch verkauft der Discounter zu einem Preis von 1.15 Fr. pro Liter. Zu kaufen gibt es die «Fair Milk» ab dem 27. Juli 2017 in sämtlichen 186 Aldi-Filialen. «Aldi garantiert eine Auszahlung von 70 Rappen pro Kilogramm Milch an die Bauern – ohne jegliche Transport- oder sonstige Abzüge», sagt Sprecher Philippe Vetterli gegenüber schweizerbauer.ch.

Damit wird eine Forderung des Bauernverbandes erfüllt, der von den Händlern und Verarbeitern fordert, auf ungerechtfertigte Abzüge zu verzichten. Mit 70 Rappen pro Kilo wird der Richtpreis zudem um 5 Rappen übertroffen. Werden Transport- und Logistikosten berücksichtigt, sind es gar 7 Rappen.

Aldi spricht von langfristigen Engagement

Bauern, welche in dieses Label liefern wollen, müssen die Standards der beiden Tierwohlprogramme BTS (Besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme) und RAUS (Regelmässiger Auslauf im Freien) erfüllen.  Bezogen wird die Milch von der Cremo aus Freiburg. Mit ins Boot geholt hat Aldi den Schweizer Tierschutz (STS). «Aus STS-Sicht ist nebst der besonders tierfreundlichen Stallhaltung das Allerwichtigste, dass die Kühe fleissigen Weidegang und viel Gras zu fressen haben, sowie im Winter regelmässig Auslauf an der frischen Luft mit ausreichend Bewegung bekommen», lässt sich Hans-Ulrich Huber, Geschäftsführer des Schweizer Tierschutzes STS, im Communiqué von Aldi zitieren. Zwingend sei aber auch eine faire Abgeltung der Bauern für ihre Milch.

Die gesamte Menge für die «Fair Milk» wird Aldi von der Cremo AG aus Freiburg beziehen. Aber hätte Aldi eine «Faire Milch» nicht bereits früher lancieren können? «Von der Idee bis zur Umsetzung eines solchen Produkts vergeht etwas Zeit. Die «Fair Milk» soll nicht nur eine kurzfristige Reaktion auf die aktuellen Entwicklungen auf dem Schweizer Milchmarkt sein, sondern ein langfristiges Engagement für die Schweizer Milchbauern und ihre Tiere darstellen», erklärt Vetterli das Vorgehen gegenüber schweizerbauer.ch.

«Ergänzung des Sortiments»

Bezüglich Ansatzmengen gibt sich Aldi zugeknöpft. Der Artikel werde erstmalig eingeführt, so Vetterli. Grössere Mengen erwartet Aldi wohl aber nicht. Denn Sprecher Vetterli spricht bei der «Fair Milk» gegenüber schweizerbauer.ch von einem Artikel als «Ergänzung des Sortiments». Weitere Produkte seien derzeit nicht angedacht. Vermutlich will der Discounter die Akzeptanz des Produkts bei den Kunden testen. «Über eine grosse Kundennachfrage würden wir uns sehr freuen», so Vetterli.

Auf schweizerbauer.ch wurde die Lancierung kontrovers diskutiert. Einige sehen die «Faire Milch» als PR-Gag. Andere wiederum halten fest, dass der Bauer ja nicht an Aldi liefern müsse. Entscheidend sei, wie gross die Marge von Aldi sei, kommentiert ein User. Gegen einen Aufschlag beim Ladenpreis sei nichts einzuwenden, wenn er vollumfänglich dem Produzenten zugutekomme.

BIG-M und Uniterre wollen auch «Faire Milch» lancieren


In Grenzen hält sich die Freude über die Lancierung von der «Fair Milk» bei BIG-M. «Wir stellen uns auf den Standpunkt, dass das Label Faire Milch von unseren Organisationen geschützt ist.» Im Ausland wurden die Fairmilch-Labels von Mitgliedorganisationen des European Milkboard (EMB) eingeführt, dem das Label «Faire Milch» gehört. In der Schweiz sind BIG-M und Uniterre Mitglieder des EMB.

Ein höherer Preis wird zwar begrüsst. «70 Rp./kg sind noch immer kein kostendeckender Milchpreis. Dieser liegt bei 80 Rp./kg, wie aktuelle Berechnungen auch von offizieller Seite zeigen», fügt Haab an. Die beiden Organisationen wollen ebenfalls eine «Faire Milch» lancieren.

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