28.02.2017 12:36
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Milchmarkt
«Anhebung um 4 Rp. ist angezeigt»
Der Schweizer Bauernverband (SBV) stellt sich klar hinter den Richtpreis der Branchenorganisation Milch (BOM). Martin Rufer, Leiter Departement Produktion, Märkte und Ökologie beim SBV, erklärt, wieso jetzt beim A-Segment eine Preiserhöhung von 4 Rp./kg Milch absolut richtig ist. Gefordert sind insbesondere die Handelsorganisationen. Was halten Sie von der Forderung des Bauernverbandes? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab.

«Schweizer Bauer»: Just einen Tag nach dem Entscheid der Branchenorganisation Milch (BOM), den A-Molkerei-Richtpreis bei 65 Rappen je Kilo Milch zu belassen, fand die Sitzung der Landwirtschaftskammer des Schweizer Bauernverbandes (Laka) statt. War der Richtpreis ein Thema? 
Martin Rufer: Ja. Der Schweizer Bauernverband (SBV) übt aber keine Kritik an der Entscheidung der Branchenorganisation. Der massgebende Index-Preis, erhoben durch das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), liegt nun mal in der Grössenordnung von 65 Rp./kg für A-Molkereimilch. Kritik ist daher nicht zielführend und man vergeudet nur Energie.

Aber?
Das eigentliche Problem ist, dass der heutige Richtpreis und der Marktpreis bei der Molkereimilch weit auseinanderklaffen. Die Branche ist nun gefordert und muss alle Energie darauf verwenden, dass diese Lücke zwischen den effektiven Marktpreisen und den BOM-Richtpreisen sehr rasch geschlossen werden kann. Das ist momentan der zentrale Angriffspunkt.

Wie gross schätzen Sie diese Lücke?
Wir gehen davon aus, dass die Lücke über alle gehandelte Milch im A-Segment mindestens 4 Rp./kg Milch beträgt. Daher ist eine Anhebung des A-Preises um durchschnittlich 4 Rp./kg dringend angezeigt.

Welche Massnahmen können getroffen werden?
Der Ball liegt nun klar bei den Handelsorganisationen. Wir vom SBV haben entsprechende Erwartungen formuliert und begründet. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Wir erwarten, dass nun Verhandlungen über eine Milchpreiserhöhung geführt werden.  

Welche Funktion kann einem Richtpreis in einem teilliberalisierten Markt tatsächlich zugeordnet werden? Man könnte manchmal den Eindruck gewinnen, dass dieser in erster Linie als Blitzableiter dient, der den Fokus weg von Markt- hin zu politischen Diskussionen lenkt?
Der Richtpreis ist grundsätzlich ein gutes Instrument. Durch den Mechanismus schliesst man aufgrund der Preise vorne an der Verkaufsfront zurück auf den Milchpreis. Dies ist ein veritables Mittel, um zu ermitteln, welcher Milchpreis bei einer sauberen Verteilung der Wertschöpfung angezeigt wäre.

Aber die Branche scheint sich bei einer Preissenkung eher am Richtpreis zu orientieren als bei einer Erhöhung?
Veränderungen des A-Richtpreises führen in der Regel sofort zu einer Anpassung der Marktpreise. Gut zu beobachten war dies, als man den A-Richtpreis von 68 Rp. auf 65 Rp. gesenkt hatte. Dies tat man unter anderem mit der Absicht, dass sich Markt- und Richtpreis weiter annähern würden. Tatsache war aber, dass diese Differenz bestehen blieb. Die Marktpreise wurden unmittelbar nach der Richtpreissenkung ebenfalls um 3 Rp. gesenkt.

Einige Milchbauern der Produzentenorganisation Prolait fordern eine Koppelung von Markt- und BOM-Richtpreis. Was halten Sie davon?
Welche Massnahmen man trifft, sei dahingestellt. Ziel muss es aber sein, dass man im Durchschnitt mehrerer Monate den Richtpreis erreicht. Gerade jetzt, wo die Mengen wieder rückläufig sind, muss dies sicher möglich sein. Erreicht man diesen nicht, kann der Grund in der Marktstruktur liegen.

Der SBV hat die Arbeitsgruppe Milch ins Leben gerufen. Wann nimmt diese die Arbeit auf?
Anfang März werden wir das erste Mal tagen. Das erste Ziel wird dabei sein, die Marktsituation sauber zu analysieren, um Transparenz zu schaffen. Darauf aufbauend werden wir dann Forderungen ausarbeiten.

Wer wird in dieser Gruppe vertreten sein?

Einige SBV-Vorstandsmitglieder, allenfalls kommen einige weitere verbandsexterne Exponenten der Milchbranche dazu. 

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