26.06.2019 11:16
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
«Auf Milchpreissenkung verzichten»
Emmi und Elsa haben auf den 1. Juli 2019 Milchpreissenkungen angekündigt. Für den Schweizer Bauernverband und die Schweizer Milchproduzenten ist dies aufgrund der guten Marktlage unverständlich. Sie fordern eine Korrektur und mehr Fairness.

Am Schweizer Molkereimilchmarkt ziehen dunkle Wolken auf. Emmi und Migros-Tochter Elsa haben eine Preissenkung angekündigt. Die Direktlieferanten von Elsa wurden über eine Reduktion von 3 Rp./kg per 1. Juli informiert. Emmi erhöht ab selbem Datum die Marktabzüge (Schoggigesetz) um 0.4 Rp./kg auf 2,6 Rp./kg. 

Milcheinlieferungen seit August 2018 sinkend

Die Marktlage deutet eigentlich nicht auf Senkung hin. Die sinkenden Tierbestände und die tiefen Produzentenpreise haben sich auf die Erzeugung ausgewirkt. Seit August 2018 ist die Milchproduktion im Vergleich zum Vorjahresmonat rückläufig. Das höchste Minus wurde im Januar (-5%) registriert, im Februar (-3,8%) und März (-1,2%) hat sich das Minus zurückgebildet.

Im April hat sich das Minus wieder erhöht. Gemäss der Monatsstatistik von der Treuhand TSM wurden im April 313'962 Tonnen Milch produziert, das sind 5’745 Tonnen oder 1.8 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Damit ist er Rückgang um 1 Prozent höher ausgefallen als vor einem Monat prognostiziert.

Keine Indikatoren für Senkung

Erstmals in diesem Jahr wurde auch der Wert von 2017 unterschritten. Im April 2017 wurden 316'393 Tonnen produziert, das sind 2'531 Tonnen oder 0.8 Prozent mehr als im April 2019. Die kumulierte Produktion der ersten vier Monate von 2019 beträgt 1'178'550 Tonnen. Das sind 3.3 Prozent weniger als in der Vorjahresperiode.

Die Preissenkungen sind für den Schweizer Bauernverband (SBV) und die Schweizer Milchproduzenten (SMP) deshalb unverständlich. «Die Milcheinlieferungen und Butterlager sind tief und der A-Richtpreisindex des Bundesamts für Landwirtschaft liegt über dem Vorjahr», teilen die beiden Organisationen am Mittwoch mit. Wichtig für den Schweizer Produzentenmilchpreis ist auch die Marktlage in der EU. Diese Milchmarktindikatoren würden aber auf eine stabile bis verhalten positive Marktlage für die kommenden Monate hindeuten, halten SBV und SMP fest.

«Ankündigungen schlichtweg falsch und nicht haltbar»

«Für den Schweizer Bauernverband SBV und die Schweizer Milchproduzenten SMP sind die Begründungen für die Ankündigungen schlichtweg falsch und nicht haltbar. Fehlende Mittel beim Rohstoffausgleich der Schoggigesetz-Nachfolgelösung – wie im Falle von ELSA – sind kein Argument für ein Unternehmen, das in diesem Segment kaum tätig ist», so die deutliche Botschaft.

Ungenügende Verkaufsleistungen auf die Milchlieferanten zu überwälzen, habe wenig mit Partnerschaft zu tun, heben sie hervor. «Der Richtpreis für Milch im A-Segment steigt per 1.September 2019 um 3 Rp. pro Kilo auf 71 Rp. Es gibt keinen Grund, weshalb diese Erhöhung nicht auf die Konsumentenpreise und auf die Preise der Lebensmittelindustrie, welche den Schweizer Markt beliefert, abgewälzt werden kann, wie dies in den letzten Jahren bei Richtpreisanpassungen der Fall war», sagt Pierre-André Pittet, Vizedirektor der Schweizer Milchproduzenten, zu «Schweizer Bauer».

Mehr Fairness bei Verteilung

Das Vorgehen von Emmi und Elsa untergrabe die gemeinsamen Anstrengungen wie die bestehende Segmentierung und die auf Anfang September geplante Einführung des «grünen Teppichs». SBV und SMP fordern deshalb, dieses Spiel mit dem Feuer zu beenden und auf die Milchpreissenkungen zu verzichten. «Mehr Fairness bei der Verteilung der Wertschöpfung ist dringend gefragt», so die eindeutige Botschaft.

Elsa: Marktpreise stark gesunken

Die Elsa nimmt gegenüber «Schweizer Bauer» Stellung zu den Preissenkungen. «Die Marktpreise im A-Segment sind seit Februar stark gesunken. Korrigiert um die Saisonalität und die Auswirkungen der Nachfolgelösung Schoggigesetz verbleibt eine wesentliche Differenz zum A-Richtpreis auch im Detailhandelssegment, hält Lukas Barth, Leiter Agrarpolitik und Milchbeschaffung der Migros-Molkerei, fest. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu wahren, sei die Elsa mit den Lieferanten im Gespräch zur Annäherung des Basispreises an den Markt.

Barth macht ein Versprechen: «Sollten die Preise wie angekündigt im Herbst wieder steigen, erhöhen wir auch unseren Basispreis. Unser Versprechen vom Juni 2017 gilt unverändert: Wir werden auch weiterhin überdurchschnittliche Preise bezahlen.»

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