16.12.2019 13:02
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Österreich
«Bauern können nicht von Luft leben»
In Österreich wird die Lücke zwischen dem Milchgeld der Produzenten und den Konsumentenpreisen für Milchprodukte immer grösser.

„Preise für Milchprodukte im Supermarktregal steigen konstant, doch unsere Bauernfamilien bekommen keinen Cent mehr“, beklagte vergangene Woche der Präsident des Österreichischen Bauernbunds, Georg Strasser.

Ihm zufolge schöpft der Handel kräftig Marge ab, was dazu führe, dass Bauernfamilien reihenweise ihre Höfe schliessen. Strasser wies darauf hin, dass Futtermittel, Energie und die Umsetzung höherer Standards in der Milcherzeugung immer mehr kosteten, sich an den Milchpreisen für die Bauern aber seit Jahren nichts geändert habe. Während derzeit in der Europäischen Union die Magermilchpulverpreise anzögen, stehe für heimische Milcherzeuger sogar eine Milchpreissenkung ins Haus.

Strasser zufolge wurde laut Erhebungen der Agrarmarkt Austria (AMA) das Milchpreisniveau des Vorjahres zuletzt um rund 1,5 Cent/kg unterschritten. Nicht nur der Handel und die Verarbeiter, sondern auch Bauernfamilien müssten vom Produktpreis einen angemessenen Anteil abbekommen. „Der momentane Zustand ist für Milchviehbetriebe einfach untragbar“, beklagte der Verbandspräsident und forderte ein Ende der Negativspirale. Diese setzte die Betriebe nämlich so unter Rationalisierungsdruck, dass täglich bäuerliche Existenzen aufgegeben werden müssten.

Profiteure eines Tiefs bei den Poduzentenmilchpreisen seien vor allem die grossen Lebensmittelhändler und die Molkereien. „Verarbeiter und Händler sind unsere Partner. Doch es kann nicht sein, dass von unseren Bauern immer höhere Standards und Qualitäten abverlangt werden, dies aber keiner bezahlt“, kritisierte Strasser. Das sei ökonomisch, ökologisch sowie sozial untragbar und müsse sich ändern.

Handel und Molkereien müssten hohe Qualität wertschätzen und entsprechend vergüten. Der Bauernbund-Präsident wies darauf hin, dass seit vielen Jahren in Österreich jeder Tropfen Milch gentechnikfrei erzeugt werde. Zudem würden verschiedene Qualitätsprogramme höchste Tierwohl- und Umweltstandards garantieren. Strasser stellte klar: „Unsere Bauernfamilien können nicht von Luft und Liebe leben.“  Wenn der Handel mit österreichischen Qualitätsprodukten und gepflegter Landschaft Werbung mache, müsse das auch beim Preis sichtbar werden.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE