12.02.2019 13:08
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Italien
Bauern schütten Milch auf Strasse
Milchbauern auf der italienischen Insel Sardinen haben am vergangenen Wochenende mit einer aussergewöhnlichen Aktion auf ihre missliche Lage aufmerksam gemacht: Sie demonstrierten gegen die tiefen Preise, indem sie Milch auf die Strassen schütteten. Die Bauern erhielten Zuspruch aus unerwarteter Stelle. -> Mit Video

Die Bilder vom TV-Sender «Euronews» sind eindrucksvoll. Dutzende Milchschafhalter haben sich auf einer Autobahnbrücke bei Ozieri versammelt. Von dort aus schütten sie Milch aus Kannen auf die Autos und die Lastwagen. In Alghero wurde die Milch auf einer Hauptstrasse ausgebracht. Insgesamt wurden am vergangenen Wochenende mehrere tausend Liter Schafmilch ausgeschüttet.

«Wenn wir aufstehen, machen wir Schulden»


Auf der Insel gibt es rund eineinhalb Millionen Schafe. Die Milch wird unter anderem für den Pecorino-Käse verwendet. Doch nun ist der Preis für ein Kilo auf weniger als 60 Cent (69 Rappen) gesunken. Die Schafmilchbauern sind zutiefst verärgert.

«Die Milch ist auf einen lächerlich niedrigen Preis gefallen. Damit können wir die Kosten der Produktion nicht decken. Wenn wir am Morgen aufstehen, haben wir Schulden gemacht», sagt Maria Barca, eine Sprecherin der Protestbewegung der Milchproduzenten, gegenüber «Euronews». Die tiefen Milchpreise seien ein europaweites Problem, halten die Schäfer fest. Die italienische Regierung habe aber dem Thema nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt.

Der italienische Premierminister Giuseppe Conte reiste am Montag auf die Insel, berichtet die Nachrichtenagentur APA. wo er sich mit den Bauern traf. Der Premier sagte, dass er sich dafür einsetze, eine Lösung zu finden. Conte machte den Schafbauer nicht allzu viele Hoffnungen. Italien müsse sich in Sachen Milch an europäische Vorschriften halten.

Die Schafzucht ist ein Eckpfeiler der Wirtschaft Sardiniens. Hier werden die Hälfte der vier Millionen italienischen Schafe gehalten. Sardinien ist wegen der Verarbeitung der Milch zum Schafskäse Pecorino international bekannt.

Preis unter Herstellungskosten

Gemäss Südtirol News haben die Schafbauern entschieden, aufgrund der tiefen Preise die Milch auf die Strasse zu schütten, statt diese für einen Preis, der für die Bauern unterhalb der Herstellungskosten liegt, den Milchverarbeitern zu überlassen. «60 Cent pro Liter beleidigen die Würde der Schäfer. Ich ziehe es vor, die Milch wegzuwerfen», sagte ein junger Schafbauern.

Um das Überleben zu sicher, sei mindestens ein Preis von 70 Cent (80 Rappen) pro Kilo notwendig, teilte die Schafbauernvereinigung mit. Angesichts der Arbeit, der Spesen und der Hochwertigkeit der sardischen Schafmilch halten sie einen Kilopreis von einem Euro (1.14 Fr.) für angemessen.

Verarbeiter drücken Preise

Die Schafbauern werfen den Verarbeitern auf Sardinen vor, eine Art «Kartell» gebildet zu haben. Sie hätten in der Folge den Milchpreis auf ein für die Schafzuchtbetriebe untragbares Niveau gedrückt. Verhandlungen zwischen den Bauern und den Verarbeitern in den vergangenen Wochen blieben erfolglos. 

Die Verarbeiter lehnten höhere Preise ab. Deshalb haben die Bauern entschlossen, die medienwirksamen Proteste durchzuführen. Die Landwirte wollen die Verarbeiter mit den Aktionen dazu zwingen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Bauernvereinigung Coldiretti droht mit rechtlichen Schritten. Das Gesetz verbiete «ungerechte Preise und Preisdrückerei», teilte die Vereinigung mit.

Profifussballer stehen hinter Bauern

Unterstützung erhalten die Bauern vom Fussballclub Cagliari Calcio, der in der höchsten Profiliga, der Serie A, spielt. Die Spieler des Klubs aus der Inselhauptstadt haben sich mit den Bauern solidarisiert. Rund hundert Bauern hatten zuvor aus Protest gegen einen Verfall der Milchpreise die Ausgänge des Trainingsgeländes versperrt. Sie verlangten ein Gespräch mit den Spielern. Das berichtet die Nachrichtenagentur Ansa.

Die Bauern forderten die Spieler auf, aus Solidarität die Partie gegen die AC Milan von vergangenem Sonntag abzusagen. Dieser Forderung kamen die Spieler aber nicht nach. Cagliari verlor das Spiel in Mailand mit 0:3.

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