18.01.2016 13:53
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Milchmarkt
Bauern wollen Emmi sanktionieren
Der Milchring Pfannenstiel-Greifensee legt sich mit Emmi an. Die Bauern zerren die grösste Molkerei der Schweiz und deren Direktlieferanten-Organisation vor die Sanktionskommission. Es geht einmal mehr um die C-Milch.

Aktuell wird in der Schweiz klar mehr Milch produziert, als dass mit guter Wertschöpfung abgesetzt werden kann. SMP-Direktor Kurt Nüesch sagte am Mittwoch im «Schweizer Bauer»: «Ich appelliere an alle Akteure, die Menge um 3% zu drosseln.» Doch die Verträge der Milchlieferanten geben dafür kaum einen Anreiz. Bei den Emmi-Direktlieferanten läuft es so: Wer im Jahr 2016 auf die Lieferung der schlecht bezahlten C-Milch (im Januar 2016 gibts dafür bloss 14,1 Rp./kg!) verzichtet, verliert dadurch besser bezahlte A-Milch-Menge (vgl. Kasten unten).

BOM hat präzisiert

«Die Freiwilligkeit der Lieferung von C-Milch durch den Lieferanten muss gewährleistet sein.» Dieser Passus im Reglement der Branchenorganisation Milch (BOM) sorgt seit Jahren für hitzige Diskussionen. Um Unklarheiten zu beseitigen, hat der BOM-Vorstand  am 26. November 2015 eine Präzisierung beschlossen.

In diesem Dokument, das auf der Homepage der BOM zugänglich ist, steht: «Den Milchproduzenten muss  immer eine Option für den Verzicht auf C-Milch zur Verfügung stehen, die keine negative Auswirkung auf die anderen Segmente hat.»

Vor Sanktionskommission

Genau dies sei bei den Emmi-Direktlieferanten nicht der Fall, kritisiert der Vorstand des Milchrings Pfannenstiel-Greifensee. Denn wer auf C-Milch verzichte, verliere A-Menge. Der Vorstand hat deshalb eine Beschwerde an die BOM-Geschäftsstelle verfasst und will diese Angelegenheit vor die Sanktionskommission der BOM bringen.

So machts Emmi

Aus dem Berechnungsbeispiel, das die Zenoos am 4.November 2015  verschickte, geht hervor, dass Lieferanten, die auf C-Milch verzichten, weniger A-Milch liefern dürfen. Anbei ein fiktives Beispiel, das aber exakt dem dortigen Berechnungsbeispiel folgt. Einem  Milchlieferanten mit einem Grundrecht 2016 von exakt 100'000 kg wird nach der Standardsegmentierung 68'000 kg A-Milch, 25'000 kg B-Milch und 7'000 kg C-Milch abgerechnet. Verzichtet der Lieferant auf C-Milch, darf er total noch 93'000 kg Milch liefern, davon 63'240 A-Milch und 29'760 B-Milch, also 4'760 kg weniger A-Milch. sal

Das Emmi-Schreiben datiert vom 4. November, also bevor die BOM die genannte Präzisierung beschlossen hat. Aber der Milchring-Vorstand ging davon aus, dass der Zenoos-Vorstand und Emmi nach dem Entscheid der BOM darauf zurückkommen. Das ist aber nicht der Fall gewesen, weshalb der Milchring  nun an die BOM gelangt ist.

Widerspricht Bestimmungen

Gleichzeitig will der Milchring Pfannenstiel-Greifensee auch eine andere Bestimmung der Emmi-Direktlieferanten von der BOM geklärt haben: Wer sich einmal für das sogenannte Vertragsmengenmodell entscheidet (so kann er die Gesamtmenge, die er liefern will, frei wählen), der muss C-Milch liefern – und zwar für immer.

Dieser Entscheid sei definitiv, der Milchlieferant könne danach nie mehr auf C-Milch verzichten. Das widerspreche der folgenden Bestimmung in den Präzisierungen: «Erlaubt sind damit auch Regelungen mit einer Laufzeit von maximal 12 Monaten, welche Anreize zur Produktion von C-Milch setzen.»

«Sonst BOM vergessen»

Walter Bachofen, Präsident des Milchrings Pfannenstiel-Greifensee, sagt zur reduzierten A-Menge: «Wenn eine so klare Bestimmung von BOM-Mitgliedern ohne Sanktion verletzt werden darf, kann man die ganze BOM vergessen.» Er wird den Verdacht nicht los, dass es darum geht, möglichst viele Milchproduzenten vom C-Milch-Verzicht abzuhalten.  Die Milchhändler verdienen auch mit der C-Milch Geld, ebenso die Verarbeiter, die ihre grossen Anlagen auslasten müssen.

Bachofen kritisiert auch, dass die Schweizer Milchproduzenten (SMP) als oberste Produzentenvertretung, der er auf jedem Kilogramm Milch Beiträge abliefere, in dieser Sache nicht von sich aus aktiv geworden ist.

Ein Thema in der BOM

Stefan Kohler, Geschäftsführer der BOM, bestätigt: «Die Freiwilligkeit der C-Milch ist ein Thema, das die Branchenorganisation Milch beschäftigt.» Zu einzelnen Verträgen kann er sich nicht äussern, sondern verweist allgemein auf die Möglichkeit, dass sich an die Geschäftsstelle wenden könne, wer der Überzeugung sei, dass Widersprüche zu den Beschlüssen der BOM bestünden.

Emmi verliert A-Absatz

Für Emmi bestätigt Sprecherin Sibylle Umiker, dass das vom Milchring Pfannenstiel angeprangerte Modell für alle Emmi-Direktlieferanten (Bemo, Mimo, Zenoos) gilt. Sie teilt mit: «Wir sind überzeugt, dass dieses Modell die Vorgaben der BOM betreffend Freiwilligkeit C-Milch vollumfänglich erfüllt.»

Gefragt, warum einem Direktlieferanten die A-Milchmenge reduziert wird, wenn er auf C-Milch verzichtet, erklärt Umiker: «Dem Gesamtmarkt entsprechend hat auch Emmi A-Milch-Absatz verloren. Folglich muss Emmi auf der Beschaffungsseite reagieren und weniger A-Milch einkaufen.» Emmi habe die Kürzung bei allen Milchlieferorganisationen gleichwertig umgesetzt. Für die Umsetzung der A-Milch-Kürzung seien in der Zenoos verschiedene Modelle geprüft worden. Letztlich habe sich der Zenoos-Vorstand für die Lösung entschieden, die nun umgesetzt werde.

«Wir werden zu Knechten der Industrie»

Ruedi Steiger, Milchproduzent in Uetikon am See ZH und  Zenoos-Mitglied, stört sich ebenfalls an dieser Regelung. Er nennt Namen: «Emmi-Manager Markus Willimann und Bemo-Präsident Christian Burren sitzen im BOM-Vorstand. Nach meiner Auffassung setzen sie diese Präzisierung  bei der C-Milch, die bereits am 1. Januar 2016 in Kraft getreten ist, in ihrer eigenen Firma bzw. Organisation nicht um.»  Einmal mehr bleibe innerhalb der BOM ein Beschluss, der zum Schutz der Milchbauern sei, ein Papiertiger.

So aber drohten die Milchbauern endgültig zu Knechten der Milchindustrie zu werden, sagt Steiger. Er selbst verzichtet weiterhin auf die Lieferung von C-Milch: «Ich will keine Milch zur Verfügung stellen, deren Produktion weder betriebswirtschaftlich, noch ethisch und moralisch  vertretbar ist.» Er verweist auch auf den folgenden Effekt: Weil man beim Verzicht auf C-Milch A-Menge verliere, falle der preisliche Vorteil  für Lieferanten, die keine C-Milch melken,  fast weg. Das Schikanieren von Produzenten, die am Markt Verantwortung übernähmen, widerspreche jeder Logik, habe doch selbst Emmi-Konzernchef Urs Riedener die Produktion und die Verarbeitung von C-Milch schon öfter infrage gestellt. sal

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