11.06.2016 11:37
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
BIG-M warnt Deutschland vor Segmentierung
Vertreter der Schweizer Basisorganisation BIG-M warnten in den letzten Tagen ihre deutschen Kollegen vor der Einführung eines Segmentierungsmodells für den Milchmarkt wie in der Schweiz. Die Segmentierung löse die Problematik der Überproduktion nicht, argumentieren sie.

Am vergangenen Montag demonstrierten rund 2000 Milchbäuerinnen und Milchbauern in München vor der Staatskanzlei. Horst Seehofer hatte zum Krisengipfel geladen. "Die Wut war weitherum hörbar. Die ankommenden Vertreter des Bauernverbandes und der Milchindustrie wurden mit lautstarken Buhrufen begrüsst", schreibt BIG-M im Newsletter. Immerhin habe der Bayrische Agrarminister Brunner den Mut gehabt, sich übers Mikrofon an die Demonstrierenden zu wenden. Was er gesagt habe, sei ehrlich gewesen: "Sämtliche Studien zum Quotenausstieg waren bezüglich Mengen und Preisprognosen falsch." Und er erklärte den Anwesenden auch, dass man noch nicht in der Talsole sei. Vertreter der Molkereiindustrie hätten ihm berichtet, dass sich der aktuelle Milchpreis in den nächsten Wochen nicht mehr halten lasse.

BDM Vorstand Johannes Pfaller drückte die Wut der Bauern so aus: "Als der Quotenausstieg vor 10 Jahren beschlossen wurde, wusste man nicht genau, welche Folgen dies hat. Heute kennen alle die Folgen. Diese Liberalisierung ist zerstörerisch. Sie zerstört die Existenzen von tausenden von Milchbauern in Deutschland. Und sie zerstört die Existenzen der Kollegen in ganz Europa. Und als Folge der Dumpingexporte vernichtet sie die Existenz der Kleinbauern in den armen Ländern. Leute, die an einem solchen System stur festhalten handeln nicht nur verantwortungslos. Sie sind Verbrecher!"

Aus der Schweiz war BIG-M Sekretär Werner Locher angereist. Er warnte ausdrücklich vor dem Lösungsvorschlag der Molkereiindustrie. "Eine Unterteilung in A und B Milch wird die Überschusssituation nicht verbessern," sagte er." Nur wenn die Bauern im Voraus entscheiden können, ob sie die billigere Milch auch noch melken wollen, wird das einen Einfluss auf die Menge haben."

BIG-M Präsident Martin Haab war am 2. Juni in Schleswig Holstein. Er nahm zusammen mit dem grünen Landesagrarminister Robert Habeck an einer Hofbereisung teil, und warnte dort ausdrücklich vor den Schwächen eines Mehrpreismodelles . Nächste Woche wird er in Lüdenscheid, Schleswig Holstein im Beisein von Umwelt- und Agrarminister Johannes Remmel, zum Thema "Die Folgen des Schweizer Segmentierungssystems" referieren. Wenn der Deutsche Bauernverband erzählt, dass die Segmentierung in der Schweiz bestens funktioniere und dass hier der Staat die Höhe des A Segmentes festlege, dann müssen wir das unbedingt richtig stellen. Wir fragen uns aber schon, woher denn der Deutsche Bauernverband seine Informationen aus der Schweiz bezieht.

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