29.09.2020 10:12
Quelle: schweizerbauer.ch - rup
Milchmarkt
Billigeiweiss nur bei Richtpreis
Die Delegierten der Branchenorganisation Milch (BOM) stimmen am Mittwoch über die Eiweissverbilligung als Anreiz für die Butterherstellung ab. Die Bauernorganisation BIG-M fordert harte Bedingungen in der BOM.

Als Folge der Butterkrise will die Branchenorganisation Milch (BOM) diese Woche an einer ausserordentlichen Delegiertenversammlung (DV) über einen Lösungsansatz für den Butterengpass entscheiden.

Die momentan ausgesetzte Zahlung von 0,9 Rp./kg in den Fonds Regulierung soll bei den Bauern ab dem 1. Januar wieder eingezogen werden. Damit soll der Eiweissexport gefördert und damit ein grösserer Anreiz für die Butterproduktion geschaffen werden. 

BIG-M unzufrieden

Doch die Basisorganisation für einen fairen Milchmarkt (BIG-M) traut dem Braten nicht. Zu sehr ist ihr der letzte BOM-Butterbeschluss im Hals stecken geblieben. Nach der ursprünglichen Abmachung in der BOM, dass die Importbutter nicht unter den Marken «Die Butter» und «Floralp» verkauft werden sollte, wurde dieser Entscheid in der Branchenorganisation Butter von den Milchverarbeitern Cremo, Emmi und der Molkerei Fuchs gekippt. 

Laut BIG-M zeigte dieses Verhalten klar auf, wer im Milchmarkt die Macht hat und dass diese Akteure ihre Marktmacht auch einsetzen. Deshalb fordert sie nun die Milchbauern dazu auf, ihre BOM-Delegierten zu kontaktieren und diesen nahezulegen, nicht wieder als Ja-Sager einen Beschluss abzunicken, von dem nur die Milchabnehmer profitieren. BIG-M fordert eine Ergänzung der Reglemente, sodass Verarbeiter Gelder aus den BOM-Fonds (auch aus demjenigen zur Rohstoffverbilligung, der die früheren Schoggigesetzgelder des Bundes ersetzt) nur noch beziehen können, wenn sie für die  von ihnen eingekaufte Milch die Richtpreise bezahlen. Für A-Milch ist das 71 Rp./kg franko Rampe. «Ansonsten muss diese Anpassung des Fonds-Reglements aus Sicht der Milchproduzenten abgelehnt werden», so  BIG-M.

Vertreter vorsichtig

Bei den Produzentenvertretern zeigt man sich noch unentschlossen. Pirmin Furrer von den ZMP, welche vier Delegierte stellen, wollte sich nicht zum Abstimmungsverhalten äussern. Dem Vernehmen nach sympathisieren deren Produzentenvertreter damit, der Reglementsanpassung zuzustimmen, mindestens bis zur Aufforderung der BIG-M zum Nein. René Schwager, Geschäftsführer der Mooh-Genossenschaft, sagt: «Wenn man Geld einzieht, dann muss für den Produzenten letztlich mehr herausschauen, als er dafür ausgibt. Das ist für uns ganz zentral.»

Eine Verbindlichkeit für den Richtpreis sehe man aber nicht für den richtigen Weg an. Die Medienstelle der Schweizer Milchproduzenten (SMP) war am Freitag für eine Stellungnahme nicht verfügbar. Mooh und SMP haben je 2 der 43 DV-Stimmen auf der Seite der Produzenten. Sagt die Produzentenseite am Mittwoch Nein, kommt die Reglementänderung in der Form nicht.

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