20.02.2014 11:05
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
BLW: Verkäsungszulagen haben Ziele erreicht
Die 1999 eingeführten Verkäsungszulagen haben die gewünschte Wirkung weitgehend erzielt. Zu diesem Schluss kommen zwei am Donnerstag publizierte Studien im Auftrag des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW).

Die Zulagen für verkäste Milch und die Zulage für Fütterung ohne Silage haben eine stützende Wirkung auf den Milchpreis. Zwei wissenschaftliche Studien des BLW führen zu Tage, dass der Preise zwischen den Käsereien variiert. Bei vergleichbaren Erträgen aus der Milchverwertung zahlen gewerbliche Käsereien mit höheren Verarbeitungskosten einen tieferen Milchpreis.

Die Einführung der Milchzulagen im Jahr 1999 hatte das Ziel, der Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, die Milchproduktionsmenge für die Käseproduktion zu erhalten sowie die staatlichen Ausgaben zu verringern. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) beauftragte nun die Flury&Giuliani GmbH sowie die Universität Wageningen in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich, die Wirkung der Zulagen auf den Milchpreis zu überprüfen.

Weniger Rohmilchspezialitäten

Gemäss der Studie von Flury&Giuliani hat sich die Wettbewerbsfähigkeit in den vergangenen zehn Jahren (2000/01 bis 2011/12) verbessert. Die verkäste Milchmenge hat sich leicht von 1,43 auf 1,46 Mio. Tonnen erhöht. Die Produktion von silofreier Milch, welche für Rohmilchspezialitäten verwendet wurde, ist im gleichen Zeitraum von 1.32 Mio. t auf 1.17 Mio. t zurückgegangen. Die staatlichen Ausgaben sind seit der Einführung deutlich gesunken und liegen unter 300 Mio. Franken pro Jahr.

Aufgrund der „relativ kleinen Strukturen“ bei gewerblichen wie industriellen Milchverarbeitern respektive Käseproduzenten sei die Produktion im Vergleich zu den umliegenden Ländern kostenintensiver, teilt das BLW am Donnerstag in einem Communiqué mit.

Reduktion der Zulagen nur teilweise weitergegeben


Eingeführt wurde die Verkäsungszulage unter anderem mit Blick auf die Liberalisierung des Käsemarktes mit der EU. Die Verkäsungszulage liegt heute bei 15 Rp./kg, die Siloverzichtszulage ist auf 3 Rp./kg festgesetzt. Die Zulagen sind im Landwirtschaftsgesetz verankert.

Wie das BLW schreibt, wurde die schrittweise Reduktion der Verkäsungszulage von 20 auf 15 Rp von 2000 bis 2012 von den Käsereien in Form tieferer Milchpreise weitergegeben. Gemäss der Studie der Universität Wageningen wurden die Reduktionen nicht in vollem Umfang in Form tieferer Milchpreise abgewälzt. Käsereien und nachgelagerte Stufen hätten die Reduktionen teilweise selbst getragen oder in Form höherer Käsepreise kompensiert.

Die Preisreduktionen für Milch zur industriellen Käseproduktion waren höher als für Milch zur gewerblichen Käseproduktion. Als mögliche Erklärung werden die verschiedenen Marktpositionen der jeweiligen Käsesorten genannt.

Flury&Giuliani hat auch Buchhaltungsdaten von mehreren Emmentaler- und Gruyèrekäsereien ausgewertet. Nach Abzug der Zulagen wurden unterschiedliche Basispreise für Käsereimilch ausbezahlt. Die Basispreise lassen sich aus den erzielten Erträgen (Verkauf von Käse) abzüglich der totalen Verarbeitungskosten der Käsereien ableiten. Es stellte sich heraus, dass Käsereien, die im Vergleich zum Gesamtmarkt einen überdurchschnittlichen Milchpreis zahlen, mit tieferen Verarbeitungskosten arbeiten als Käsereien mit einem unterdurchschnittlichen Milchpreis.

Zulagen weitergegeben

Untersucht wurde auch die Weitergabe der Zulagen. Diese werden an die Milchverwerter ausbezahlt. Die Verarbeiter müssen die Milchzulagen an die Milchbauern weitergeben. Besteht nur eine Handelsstufe (Bauer liefert direkt an Verwerter), werden die Zulagen auf der Milchabrechnung explizit ausgewiesen. Bei mehreren Stufen könne die Weitergabe gemäss Flury&Giuliani nicht „explizit“ nachvollzogen werden. Nach Befragungen bei Produzenten- und Branchenorganisationen sei davon auszugehen, dass die Zulagen an die Milchproduzenten weitergegeben werden.

Die befragten Branchenvertreter wollen die Milchzulagen auf dem heutigen Niveau belassen, falls die Preisdifferenz zum europäischen Milchmarkt auf Stufe der Milchproduzenten gehalten werden soll. Gemäss der Uni Wageningen würden weitere Senkungen der Zulagen für verkäste Milch zu tieferen Produzentenpreise führen. Der Rückgang wäre jedoch geringer als die vorgenommene Reduktion der Zulage

„Eine optimale Ausgestaltung der Stützungsinstrumente - und auch die adäquate Höhe einer spezifischen Zulage - kann nicht isoliert, sondern nur im Zusammenhang mit den erwarteten Marktentwicklungen und dem Grenzschutz geprüft werden“, schreibt das BLW. Dazu seien aber weitere Untersuchungen erforderlich.

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