9.04.2017 07:14
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Bundesrat
Bund ruft auf, Maschinen selber zu importieren
Der Bundesrat sieht Kosteneinsparungen als eine der wichtigsten Massnahmen für eine bessere Perspektive der Milchproduktion in der Schweiz. Er rät deshalb den Milchbauern, Maschinen und Dünger im Ausland zu kaufen.

Wie können die gebeutelten Schweizer Milchbauern im Zeitalter von andauernd tiefen Milchpreisen von weniger als 60 Rp./kg überleben? Die Kosten senken, lautet eine der Kernaussagen des Berichts «Perspektiven im Milchmarkt» des Bundesrats (siehe auch oben). «Die grössten Kostendifferenzen zwischen den Betrieben und damit auch die grössten Kostensenkungspotenziale finden sich bei Maschinen-, Gebäude- sowie Direktkosten (z.B. Futtermittelkosten)», heisst es im Bericht wörtlich.

Strukturkosten gestiegen

So wird darauf hingewiesen, dass die «Strukturkosten 1», zu denen Maschinen-, Gebäude- und allgemeine Betriebskosten (inkl. Abschreibungen), zählen, in der untersuchten Periode von 2003 bis 2014 deutlich zugenommen haben. Und zwar um rund 43000 Franken (+57 %) bei den Talbetrieben, um rund 20'000 Franken (+28 %) bei den ÖLN-Bergbetrieben und um 7600 (+10,2 %) bei den Bio-Bergbetrieben. Dabei seien die Maschinenkosten bei den Talbetrieben um 18'000, bei den konventionellen Bergbetrieben um 9000 und bei den Bio-Bergbetrieben um 7000 Franken gestiegen.

Im Bericht wurden diese Kosten auch mit dem Ausland verglichen. «Die Maschinenkosten sind gegenüber den österreichischen Betrieben mehr als doppelt so hoch», heisst es wörtlich.

Höheres Kostenniveau

Zwar wird im Bericht auch eingeräumt, dass die Schweiz insgesamt ein höheres Kostenniveau im Vergleich zum Ausland aufweise. Diese Kosten — etwa im Bereich Bodenpreise — seien jedoch schwieriger zu senken, obschon der Bundesrat auch hier eine Massnahme vorsieht: «Eine mögliche Massnahme, den hohen Landkosten zu begegnen, könnte in einer Senkung des Direktzahlungsniveaus liegen.» Hier rechnet der Bund jedoch «mit politischem Widerstand». Hingegen schlägt der Bericht den Milchproduzenten zwei Massnahmen ganz direkt vor, welche keine politischen Massnahmen erfordern: 

1. Bei Neuanschaffungen von Maschinen (z.B. Landmaschinen, Melkroboter) Preisofferten aus dem Ausland einholen.
2. Einkauf von Vorleistungen wie Dünger, Saatgut und Futtermittel in Kooperation mit anderen Landwirten tätigen und damit Mengenrabatte aushandeln. Nötigenfalls Produkte parallel in grossen Mengen selber direkt aus der EU importieren, um den Druck auf die Schweizer Händler zu erhöhen. Denn die Kosten für Inputfaktoren wie Dünger, Saatgut und Maschinen seien zum Teil ein Vielfaches höher als im Ausland, lautet die Begründung.

«Übermechanisiert»

Zudem seien die Schweizer Landwirtschaftsbetriebe im Vergleich zum Ausland übermechanisiert. Allerdings sind auch hierfür die Gründe teilweise politisch hausgemacht, wie der gewollt hohe Anteil des Raufutters in der Fütterung zeigt (siehe Kasten unten).

Raufutter erhöht Maschinenkosten

Politische Zielsetzungen führen oft zu nicht vorgesehenen und teilweise gar kontraproduktiven Effekten. Das zeigt sich bei der genauen Lektüre des Berichts gerade im Bereich der Kosten. Mit dem Beitrag für graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion (GMF) wird seit 2014 die raufutterbasierte Fütterung explizit gefördert. Der Beitrag wird ausgerichtet, wenn die Jahresration aller auf dem Betrieb gehaltenen Wiederkäuer zu mindestens 90% der Trockensubstanz aus Grundfutter besteht. Und die Schweizer Bauern setzen denn auch massiv auf das Raufutter. Im Durchschnitt setzt sich die Futterration der Milchkühe in der Schweiz gemäss dem Bericht aus 78% Raufutter (46% Gras, 22% Heu, 11% Silage) und 22% Kraftfutter (davon 8% Futtermais) zusammen. «In anderen Ländern der EU wird zum Teil die doppelte, dreifache (Deutschland, Niederlande) oder vierfache Menge (Spanien) an Kraftfutter eingesetzt», heisst es dazu. Genau dieser hohe Einsatz an Raufutter ist aber gemäss dem Bericht ein Faktor für die hohen Maschinenkosten «Relevant sind zudem die hohen Kraftfutterpreise in der Schweiz, die zu einem raufutterbetonten Fütterungssystem beitragen. Dieses führt wiederum zu höheren Strukturkosten im Bereich der Maschinen, der Arbeit und der Gebäude», heisst es wortwörtlich im Bericht.

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