28.03.2018 06:02
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Milchmarkt
«Bundesrat muss aktiv werden»
Die Bauerngewerkschaft Uniterre verlangt mit einer Petition, dass Bundesrat Johann Schneider-Ammann in den Milchmarkt eingreift. Fast 25'000 Menschen haben unterschrieben.

Diese Petition wurde am 23. November 2017 lanciert. In 4 Monaten wurden 24'945 Unterschriften gesammelt worden, 23'000 via Internet und 2000 in persönlichen Sammelaktionen auf der Strasse.

«Ein durchschlagender Erfolg. Das gute Ergebnis zeigt einmal mehr, dass sich Konsumentinnen und Konsumenten für das Thema interessieren und dass ihnen eine anständige Bezahlung der Bäuerinnen und Bauern am Herzen liegt», so die Bauerngewerkschaft Uniterre in einer Mitteilung. Sie verweist auch auf Studien der Westschweizer Konsumentenvereinigung FRC, wonach Konsumenten bereit seien, mehr für die Milch zu bezahlen, wenn der Preisaufschlag den Produzentinnen und Produzenten zugutekomme.

«Bundesrat ist gefordert»

Die Petition richtet sich an Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Er soll Lösungen suchen, damit die Wertschöpfung der Milchproduktion gerecht entlang der gesamten Wertschöpfungskette verteilt werde, denn von Gerechtigkeit könne heute keine Rede sein. Die Milchbauern könnten angesichts der aktuellen Molkereimilchpreise kein vergleichbares Einkommen erzielen. Basis für das Eingreifen des Bundesrates ist laut Uniterre der Artikel 5 im Landwirtschaftsgesetz:

Mit den Massnahmen dieses Gesetzes wird angestrebt, dass nachhaltig wirtschaftende und ökonomisch leistungsfähige Betriebe im Durchschnitt mehrerer Jahre Einkommen erzielen können, die mit den Einkommen der übrigen erwerbstätigen Bevölkerung in der Region vergleichbar sind.  Sinken die Einkommen wesentlich unter das vergleichbare Niveau, so ergreift der Bundesrat befristete Massnahmen zur Verbesserung der Einkommenssituation. 

«Produktionskosten: 1 Franken pro Liter» 

«Warum verlangt Uniterre schon so lange einen Franken pro Liter?» Auf diese Frage antwortet Uniterre selbst wie folgt: Die Landwirtschaftlichen Forschungsanstalten hätten gezeigt, dass die Produktionskosten für einen Liter Milch im Durchschnitt 1 Franken betragen. Die Produzentinnen und Produzenten von Industriemilch (Trinkmilch) erhalten bei Weitem nicht so viel: Im Durchschnitt gebe es für sie nur 55 Rp./Liter Milch. 

Menge nicht in Kilogramm geregelt


Bezüglich Milchmarkt verweist Uniterre auch auf Artikel 37 im Landwirtschaftsgesetz: 

Ein Standardvertrag [für den Kauf und den Verkauf von Rohmilch] im Sinne dieses Artikels ist ein Vertrag, der eine minimale Vertrags- und Vertragsverlängerungsdauer von einem Jahr sowie mindestens Regelungen über die Mengen, die Preise und die Zahlungsmodalitäten enthält.

Uniterre kritisiert hier, dass gemäss Branchenorganisation Milch (BOM) ein Vertrag die Menge nicht in Kilogramm enthalten muss, das darf auch nur eine Prozentzahl sein, eine Aufschlüsselung der Segmente A, B und C. Die anwesenden Milchbauern Claude Demierre, Leiter der Fachkommission Milch von Uniterre, und Andre Muller aus Le Mont-sur-Lausanne waren sich vor Ort einig: Der Milchmarkt muss reguliert werden. Sonst bleiben die Milchbauern auf der Strecke. Johann Schneider-Ammann müsse endlich seine Verantwortung wahrnehmen.

Lesen Sie am Donnerstag im «Schweizer Bauer», wie es Milchbauer Andre Muller gelingt, seine Milch mit Gewinn zu verkaufen. 

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