6.10.2020 15:33
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
Butter: SMP stellen Forderungen
Weil in der Schweiz zu wenig Butter produziert wurden, gibt es derzeit in Regalen des Detailhandels Importbutter zu kaufen. Das sorgte für mächtig Wirbel. Die Schweizer Milchproduzenten wollen künftig Einfuhren verhindern. Sie stellen an die Milchbranche Forderungen.

In der Schweiz werden pro Jahr rund 43'000 Tonnen Butter verkauft. Derzeit gibt es aber zu wenig Schweizer Butter. Deshalb hat die Branche beschlossen, die Lücken mit Importen zu schliessen. Insgesamt wurden beim Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) Butterimporte in der Höhe von rund 3000 Tonnen beantragt. Die Kontingente wurden auch bewilligt.

Importbutter in gleicher Verpackung

Mit den rund 3000 Tonnen Butterimporten sei die Versorgung gewährleistet, versicherte die Branchenorganisation Milch (BOM) im Sommer 2020. In den vergangenen Wochen tauchte die Importbutter aus der EU in den Regalen des Detailhandels auf. Dass diese Butter in derselben Verpackung verkauft wie jene der Marke «Die Butter», sorgt für viel Wirbel und für Verärgerung. 

Denn den meisten Konsumenten dürfte nicht bewusst sein, dass in der Verpackung ausländische Butter steckt. Zwar fehlt das Schweizer Kreuz auf der Vorderseite. Auf der Rückseite der Butterverpackung ist zwar der Aufdruck «Herkunft EU» aufgedruckt. Doch die Aufschrift «Hergestellt in der Schweiz» wird gleichzeitig weiterverwendet. Und die Butter wird zum Aktionspreis feilgeboten, unter anderem bei der Migros.

BIG-M: Detailhandel hat das Sagen

Die Bauernorganisation BIG-M tat ihren Ärger über die Importe in ihrem Newsletter kund. «Wir Milchbauern sind empört. Im Detailhandel wird neuerdings Importbutter in der gleichen Verpackung wie «Die Butter» verkauft. Diese Marke war bisher ein Garant für Schweizer Butter», hiess es dort. 

BIG-M ist über das Vorgehen entrüstet. Beim Beschluss, die Importe zu beantragen, habe noch Einigkeit geherrscht, dass die Importbutter nicht unter dieser Marke verkauft werde. «Der Detailhandel stellt jetzt aber klar, wer im Milchmarkt das Sagen hat», hielt BIG-M fest. Die Organisation sieht die Marke «Die Butter» durch dieses Vorgehen arg in Mitleidenschaft gezogen. Leidtragende seien die Milchproduzenten.

Ende Oktober wieder Schweizer Butter

Auf der Website diebutter.ch heisst es, dass Butter dieser Marke ausschliesslich aus Schweizer Kuhmilch hergestellt und keinerlei Zusatzstoffe enthält. Zu den Importen wurde ein Hinweis platziert: «Aktuell wird «Die Butter» für kurze Zeit aus Importbutter hergestellt. Die momentan produzierte Menge an Schweizer Butter reicht nicht aus, um die Nachfrage decken zu können. Dies ist auf die saisonal tiefe Butterproduktion, den in den letzten Monaten gestiegenen Butterabsatz (Leute haben sich vermehrt zu Hause verpflegt) und den reduzierten Einkaufstourismus zurückzuführen.» Ab Oktober werde «Die Butter» voraussichtlich wieder aus Schweizer Produktion stammen, heisst auf der Website.

Auch die SMP gehen davon aus, dass Ende Oktober über die Marke «Die Butter» wieder ausschliesslich Schweizer Butter verkauft wird.

2021 ähnliche Situation wie 2020

Auch die Schweizer Milchproduzenten (SMP) waren über das Vorgehen der Branche verärgert. Ende August liess der Verband verlauten: «Wir verlangen von unseren Partnern, dass sie die in der Branche getroffenen Entscheide einhalten. So wurde unter anderem im April 2020 beschlossen, dass die Marken «Floralp» und «Die Butter» nicht für Importbutter zur Verfügung stehen sollen.»

Die SMP wollen verhindern, dass sich ein solcher Vorfall noch einmal abspielt. Die Milchproduzenten gehen aufgrund der Marktentwicklung davon aus, dass 2021 punkto Butterversorgung in der Schweiz eine ähnliche Ausgangslage herrscht wie 2020. Für den Vorstand der Schweizer Milchproduzenten braucht es deshalb verbindlichere Massnahmen, um in Zukunft mehr Schweizer Butter für den Schweizer Detailhandel zur Verfügung zu haben. 

Dazu fordert der SMP-Vorstand die Umsetzung folgender Punkte:

 

  • Die Transparenz auf dem Markt ist in der Branche zu verbessern. Dazu braucht es gemäss SMP die bisher «verborgenen» Daten des Bundes zu den Importen und zum Veredelungsverkehr.
  • Die klaren Beschlüsse der Branchenorganisation Milch vom 30. September 2020 sind per 1. Januar 2021 so umzusetzen, dass gezielt und dosiert einige tausend Tonnen weniger Milchfett exportiert werden. Die verminderte Fettstützung der BO Milch (ca. 0.80 - 1.00 CHF/kg Butter) ist gemäss SMP durch den Absatzmarkt zu tragen. «Gewisse Mengen an Butter-Veredelungsverkehr müssen in Kauf genommen werden», schreiben die Milchproduzenten.
  • Im Agrarverordnungspaket 2020 des Bundes ist neu zu regeln, dass allfällige Teilzollkontingentserhöhungen bei der Butter auf Antrag der Branchenorganisation Milch durch das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) festgelegt werden.
  • Unverändert gilt für die SMP, dass die Marken «Die Butter» und «Floralp» nur für Schweizer Butter zur Verfügung stehen. So sollen die Konsumenten keiner Täuschung ausgesetzt werden.
  • Die SMP fordern die Einhaltung der Milchlieferverträge, die heute schon schriftlich und bilateral rechtsverbindlich geregelt sind.

 

Bundesrat: Zu wenig Zeit für eigene Marke

Die Verpackung rund um die Importbutter erreichte auch Bundesbern. Drei Nationalräte gelangten in der Fragestunde an die Landesregierung. Nationalrat und Milchproduzent Jacques Nicolet (SVP/VD) empfindet die Verpackung als irreführend. Nicolet wollte vom Bundesrat wissen, ob dieser beabsichtigt, eine getrennte Verpackung zu verlangen, auf der der Herstellungsort der importierten Butter klar angegeben ist. 

Der Bundesrat hat die Fragen beantwortet. Der Buttermangel sei auf die höhere Käseproduktion zurückzuführen. Die Empfehlung der BOM, diese Importbutter nicht unter bestehenden Marken zu vermarkten, liegt gemäss Bundesrat daran, dass die Umstellung auf Importbutter sehr kurzfristig erfolgen musste. Die Zeit reichte der Branche nicht, eine neue Marke zu schaffen. «In diese brancheninternen Abmachungen war der Bund nicht involviert», heisst es weiter. 

Der Bundesrat hält fest, dass die Verpackung der importierten Butter, wie sie zurzeit erhältlich ist, korrekt gekennzeichnet ist. «Bei verarbeiteten Lebensmitteln darf anstelle des Produktionslands ein übergeordneter geographischer Raum angegeben werden. Damit ist die Angabe «Hergestellt in der EU» korrekt und informiert die Konsumenten klar über deren Herkunft», macht die Regierung deutlich.

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