17.07.2020 15:37
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
Butter: Weitere 1800 Tonnen Import
Die Butterlager in der Schweiz sind tief. Um den Bedarf decken zu können, beantragt die Branchenorganisation Milch (BOM) eine zweite Tranche Butterimporte. Diese umfasst 1800 Tonnen. Das neue Gesuch kommt nicht überraschend.

Seit Anfang Jahr sind die Butterlager in der Schweiz sehr tief. Als Hauptgrund für die tiefe Butterproduktion machte die Branchenorganisation Butter (BOB) die Käseproduktion verantwortlich. Zusätzliche Milchmengen aus dem Industriebereich seien in die Käseherstellung geflossen, teilte die BOB Ende März mit. 

3200 Tonnen zu wenig Schweizer Butter

Deshalb wurde im April eine erste Tranche Importbutter beantragt. Das erste Gesuch, das an das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) gelangte, umfasste 1000 Tonnen. Der Entscheid für ein Importgesuch sei der Branchenorganisation Milch (BOM) nicht leicht gefallen. «Wir hätten die Butter lieber aus inländischer Produktion, da die Versorgung mit einheimischer Butter in unserer Branche einen hohen Stellenwert hat», hiess es im April.

Der Buttermangel ist aber immer noch aktuell. Denn gegenüber dem Landwirtschaftliche Informationsdienst sagte BOM-Geschäftsführer Stefan Kohler vor zwei Wochen: «Die 1000 Tonnen Importbutter werden nicht ausreichen. Wir sind jedenfalls bereits in der Vorbereitung weiterer Gesuche an das Bundesamt für Landwirtschaft.» Insgesamt gehen die Butterhersteller für 2020 von einem Gesamt-Manko an inländischer Butter von 3‘200 Tonnen aus.

Import-Butter sollte bis Ende Jahr ausreichen

Das neue Importgesuch kommt deshab wenig überraschend. Damit die Versorgung mit Butter über das ganze Jahr gesichert ist, sollten Mitte Jahr laut Branche 4000 bis 5000 Tonnen Butter in den Tiefkühllagern liegen. Mitte Juli befanden sich dort aber nur rund 600 Tonnen. «Nach Konsultationen bei den Butterherstellern, dem Detailhandel und bei den Milchproduzentenorganisationen ist die BOM zu Schluss gekommen, dass weitere Importe nötig sind», schreibt die BOM am Freitag in einer Mitteilung. 

Deshalb hat die Branchenorganisation ein zweites Gesuch beim BLW eingereicht. Die zweite Tranche umfasst 1800 Tonnen. «Damit soll sichergestellt werden, dass bis Ende Jahr genügend Butter verfügbar ist», teilt die BOM mit. Damit steigt die Importmenge in diesem Jahr auf 2800 Tonnen. In der Schweiz werden pro Jahr rund 43'000 Tonnen Butter verkauft.

Die BOM begründet die Importe wie folgt: 

  • Die Milchproduktion ist seit rund zwei Jahren zwar stabil, jedoch im langjährigen Mittel eher tief.
  • Der Käseabsatz ist seit längerer Zeit sehr erfreulich, was zu einer höheren Käseproduktion und damit zu weniger Milch für andere Verwertungskanäle führt.
  • Die Lebensmittelindustrie setzt wieder häufiger Milchfett statt Palmöl ein, beispielsweise in der Glace-Produktion.
  • Butter hat in Kombination mit dem Koppelprodukt «Magermilchprodukte» eine eher tiefe Wertschöpfung - auch aufgrund der gegebenen agrarpolitischen Rahmenbedingungen - , sodass die Butterherstellung aus Rohmilch nicht an erster Stelle steht.
  • Der Butterabsatz ist in der Schweiz in den letzten Monaten gestiegen.


Kompromiss zwischen Produzenten und Verarbeiter

Werden nur 1300 t importiert, bestünde die Gefahr, dass in der Weihnachtszeit, wenn Butter besonders gefragt sei, das Lager bereits wieder leer seien, heisst es in einem Faktenblatt. «Es ist auch kein Schaden, mit einem Lagerbestand von einigen hundert Tonnen in den Jahreswechsel zu gehen», schreibt die BOM.

Vor dem Entscheid sind Verhandlungen zwischen den Milchbauern und den Milchverarbeitern geführt worden. «Diese Verhandlungen konnten am Freitag erfolgreich abgeschlossen werden, indem sich die Produzenten und die Verarbeiter auf einen Kompromiss in den laufenden Milchpreisverhandlungen einigen konnten», heisst es weiter.

Am Mittwoch bestand noch Uneinigkeit

Im Vorfeld des Buttergesuchs war sich die Branche noch noch uneinig. Dies ging aus einer Mitteilung der Schweizer Milchproduzenten von Mittwoch hevor. «Die Milchproduzenten-Vertreter in der BOM wurden in den letzten Wochen im Rahmen verschiedener Branchen-Diskussionen mit einem Gesuch zur Freigabe von weiteren 2‘000 Tonnen Import-Butter konfrontiert.» Im laufenden Jahr würden bereits 2‘000 Tonnen bewilligte Importbutter für die inländische Marktversorgung zur Verfügung stehen, halten die SMP fest. 

«Der aktuelle Mangel an Milchfett ist für die Produzenten die logische Begründung, die Milchfettpreise auch ausserhalb der Butter anzuheben», machten die SMP deutlich. Wie genau der Kompromiss zwischen Handel und Produzenten aussieht, geht aus der Mitteilung nicht hervor.

Die Schweizer Milchproduzenten erklären in einer Mitteilung am Freitag, weshalb sie dem Deal zugestimmt hat. Folgende Bedingungen sind für die SMP zwingend:

 

  • Die Erlöse aus den Importabschöpfungen bei der Butter werden für die «Milch» eingesetzt und fliessen zu den Milchproduzenten.
  • Der Umbau der Exportstützung bei den Fonds der BOM wird so vorangetrieben, dass mehr Milchfett im Inland zur Verfügung steht und weniger mit Fondsmitteln exportiert wird. Die Entscheide liegen mit Wirkung per 1. Januar 2021 vor.

 

Die Verhandlungen seien damit abgeschlossen und die Umsetzung stünde bevor. «Die Milchproduzenten verfolgen das Dossier deshalb unverändert mit höchster Priorität», schreiben die SMP.

Fettpreis erhöht

Da es in der Schweiz zu wenig Butter gibt, hat sich die Branche im Frühling auf den Import von 1000 Tonnen ab 1. Juli geeinigt. «Wir haben uns letztlich mit der geforderten Menge einverstanden erklärt. Aber nur unter der Bedingung, dass das Geld, das durch den höheren Butterpreis zusammenkommt, an die Produzenten fliesst», sagte Sprecher Reto Burkhardt von den Schweizer Milchproduzenten kürzlich.

Die Branchenorganisation Butter (BOB) hat den Butterpreis im Detailhandel um 50 Rappen anzuheben. Das heisst für die Milchproduzenten, die Milch für die Butterherstellung liefern, 0,6 bis 1 Rappen pro Kilogramm Milch mehr. Durch diese Mehreinnahmen fallen rund 18,5 Mio. Fr. an, welche – so die Vereinbarung in der BOM – zu den Produzenten weiterfliessen sollen. Doch höhere Abzüge haben diese Erhöhung bereits wieder zunichte gemacht.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE