23.04.2020 14:16
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
Butterimport: 1000 Tonnen beantragt
In der Schweiz gibt es zu wenig Butter. Die Branchenorganisation Milch (BOM) befürchtet einen Versorgungsengpass. Deshalb hat sie diese hat diese Woche beim Bundesamt für Landwirtschaft einen Antrag zum Import für 1000 t Butter gestellt. Milchbauern sollen durch höhere Preise für Schweizer Butter partizipieren können.

Normalerweise füllen sich die Butterlager in der Schweiz nach Weihnachten rasch. Diesen Winter waren sie aber nicht nur zu Weihnachten fast leer, sie füllen sich auch kaum wieder. Die Lagerbestände in diesem Frühling waren im Vergleich zum Vorjahr deutlich tiefer. In der Kalenderwoche 16 waren nur 1426 Tonnen in den Lagern. Dies ist aber deutlich mehr als in den Wochen zuvor.

Milch fliesst in Käseherstellung

Als Hauptgrund für die tiefe Butterproduktion machte die Branchenorganisation Butter (BOB) die Käseproduktion verantwortlich. Zusätzliche Milchmengen aus dem Industriebereich seien in die Käseherstellung fliessen, teilte die BOB Ende März mit. 

Es brauche deshalb zusätzliche Anreize, damit wieder mehr Milchfett in die Butterherstellung fliesse, so die Branchenorganisation weiter. Die BOB hat deshalb ihren internen Richtpreis für zu Butter verarbeiteten Industrierahm auf den 1. Juli 2020 um 60 Rappen je Kilo Fett erhöht. 

Bundesrat hat Kontingente bewilligt

Die Branchenorganisation warnte aber, dass dies reicht nicht ausreiche, um die kommende Fehlmenge kompensieren zu können. Diverse Butterprodukte müssten ab Mitte Jahr auf Importbutter umgestellt werden, hielt die BO Butter fest. Diese Massnahme dauere so lange, bis die Inlandproduktion die Nachfrage wieder abdecken könne.

Am 1. April hat der Bundesrat Teilkontingente für Butter bewilligt. Erstmals seit Jahren sei inländische Butter knapp, teilt der Bundesrat mit. Um die Nachfrage nach Butter befriedigen zu können und die Versorgung sicherzustellen, hat der Bund Teilzollkontingente bewilligt.

Produzenten partizipieren

Nun hat die Branchenorganisation Milch (BOM) beim Bundesamt für Landwirtschaft einen Antrag zum Import für 1000 Tonnen Butter gestellt. Die Mengen werden, sobald das BLW die Importe bewilligt, versteigert. Damit soll die Versorgung sichergestellt werden. «Ohne Gegenmassnahmen zeichnet sich bis Ende Jahr ein Versorgungsengpass ab», warnt die BOM. In der Schweiz werden pro Jahr rund 43'000 Tonnen Butter verkauft.

Der Entscheid für diesen Antrag erfolge unter der Zusage der Verarbeiter und des Handels, dass der Mehrerlös des zu erwartenden höheren Marktpreises für Schweizer Butter den Produzenten weitergegeben wird, heisst es in der Mitteilung von Donnerstag weiter. Konkret heisst das: Für die betroffenen Milchlieferanten rechnet die BOM mit einen Preisaufschlag pro Kilogramm Milch zwischen 0,6 bis 1,0 Rp. Dieser Aufschlag müsse aber noch durch die Marktakteure ausgehandelt werden, schränkt die BOM ein.

«Gesuch ist nicht leicht gefallen»

Die BOM verweist beim Importbegehren auch auf die hohe Nachfrage nach Butter. Diese lasse einen Aufbau der Butterlager derzeit nicht zu. «Am Lager sind derzeit rund 1500 t», schreibt die BOM.

«Damit die Versorgung mit Butter über das ganze Jahr gesichert bleibt, sollten in der Schweiz Ende April 4000 bis 5000 t Butter in den Tiefkühllagern liegen», hält die BOM fest. Für eine langfristige Versorgung sind für die BOM Importe unumgänglich. Der Entscheid für ein Importgesuch sei der BO Milch nicht leicht gefallen. «Wir hätten die Butter lieber aus inländischer Produktion, da die Versorgung mit einheimischer Butter in unserer Branche einen hohen Stellenwert hat», heisst es weiter.

SMP verlangen höhere Preise für Milchbauern

Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) haben klare Forderungen gestellt. Sie stimmen Importen nur zu, wenn die Preise für Schweizer Milchbauern steigen. «In der derzeitigen Situation ist es für die Schweizer Milchproduzenten zentral, dass nun die Preise sich so entwickeln, dass die Anreize zur Inlandproduktion gross genug sind», lautete die Forderung Ende März.

Am Donnerstag teilen die SMP nun über Twitter mit: «Butterimporte: Bei diesen schwierigen Marktaussichten bitte keine zusätzlichen Experimente zulasten der Schweizer Milchproduzenten!» Daraus lässt sich schliessen, dass die SMP mit der Höhe der Importe nicht einverstanden war und sie sich für tiefere Mengen eingesetzt hat. Und die Organisation erhöht den Druck: «Butterhersteller, Detailhandel und BO Milch sind nun alle in der Pflicht, Preiserhöhung bei den Milchproduzenten umzusetzen.» Eine Frage bleibt aber unbeantwortet: Weshalb haben sich die SMP nicht gegen die Importe zur Wehr gesetzt.  

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