24.05.2013 06:29
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Milchmarkt
Cremo droht mit Schadenersatz
Die Cremo hat ihr Milchpreissystem geändert. Wer deshalb die Lieferung einstellt, muss hohen Schadenersatz zahlen.

Wer einen Liefervertrag eingeht, kennt in der Regel den Preis für das Produkt, das er liefert, oder zumindest die Art und Weise, wie der Preis berechnet werden wird. In der Milchwirtschaft sieht dies anders aus, wie das Beispiel der Cremo-Direktlieferanten zeigt. Seit 1. Februar 2013  bezahlt die Molkerei Cremo die Milch nach Inhaltsstoffen, das heisst nach der Menge Fett und Protein in Kilogramm. Ausgehandelt hat sie dies im Januar mit der VMC, der Vereinigung der Milchproduzenten der Cremo AG. 

Liefern bis Ende 2013

Für Betriebe mit tiefen Fett- und Eiweissgehalten bringt die neue Gehaltszahlung Einbussen. Zu reden geben auch die Buttersäure-Tests und die Abfuhrgebühren. So wollten sich einige Milchproduzenten dem neuen System entziehen und kurzfristig beispielsweise zur PO Ostschweiz von Walter Arnold wechseln. Jene, welche die Lieferungen einstellten, bekamen Post vom Rechtsvertreter der Cremo. Dem Vernehmen nach fordert sie pro Kilogramm Milch, das nicht an sie geliefert wird, bis zu 20 Rappen Schadenersatz.

Laut Cremo hätten die Milchproduzenten bis Ende Juni 2012 die Mitgliedschaft bei der VMC kündigen und bis Ende September bei der Cremo den Liefervertrag kündigen müssen. Denn der Liefervertrag über ein Jahr mit der Cremo verlängert sich jeweils automatisch um ein Jahr, wenn er nicht bis Ende September gekündigt worden ist. Zu diesem Zeitpunkt gab es höchstens Gerüchte, angekündigt wurde das neue Abrechnungsystem erst im Januar. 

Im Milchkaufvertrag zwischen Milchproduzent und Cremo ist festgehalten, dass der Milchpreis jeweils zwischen der Cremo und der VMC festgelegt wird. Weil die VMC in den Preisverhandlungen ausschliesslich die Interessen der Milchproduzenten vertrete, ist in den Augen der Cremo gewährleistet, dass sie den Milchpreis nicht einfach diktieren könne. Und da nun der VMC-Vorstand der provisorischen Einführung der Gehaltsbezahlung zugestimmt hat, ist jeder Cremo-Direktlieferant verpflichtet, bis Ende 2013 die Milch an Cremo abzuliefern. Wer ab 2014 nicht mehr an Cremo liefern will, muss bis Ende Juni 2013 bei der VMC die Mitgliedschaft kündigen.

BOM prüft System

Das System der Gehaltszahlung bei der Cremo gilt provisorisch bis Ende Juli 2013. Zur Frage, ob dieses mit dem Segmentierungsreglement der Branchenorganisation Milch (BOM) konform sei, will BOM-Geschäftsführer Daniel Gerber keine Auskunft geben. Die Umsetzung der Segmentierung werde aber flächendeckend überprüft, sagt er. Milchbauern kritisieren, das System drohe den Bauern definitiv zum Restgeldempfänger zu machen. Die Cremo wollte keine Stellung nehmen.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE