30.10.2019 14:33
Quelle: schweizerbauer.ch - aiz
Deutschland
D: Milchmarkt weniger volatil
Anlässlich seiner Jahrestagung in Frankfurt hat der deutsche Milchindustrie-Verband (MIV) eine Bilanz zum Milchmarkt sowie zu verschiedenen wichtigen agrarpolitischen Vorgängen für das bisherige Jahr 2019 gezogen. Der Markt für Molkereiprodukte zeigte sich 2019 weniger volatil als in den Vorjahren.

Nach dem Verkauf aller staatlichen Bestände an Magermilchpulver aus der Intervention konnten sich die Eiweisspreise positiv entwickeln und wieder ein deutlich besseres Niveau erreichen. Milchfett wie auch Butter wurden im Jahresverlauf zunächst günstiger, nachdem die Preise sich in den vergangenen zwei Jahren auf einem Allzeithoch bewegt hatten. Seit Herbst 2019 ziehen die Notierungen wieder an. 

Milchpreis von 37 Rappen 

Die schwächere Marktsituation im ersten Halbjahr 2019 führte zeitverzögert zu leicht niedrigeren Auszahlungsleistungen der deutschen Molkereien an ihre Milchbauern. Jedoch gibt es regional eine stark unterschiedliche Ausprägung. Der durchschnittliche Produzentenmilchpreis wird 2019 bei etwa 33,5 Cent/kg (37 Rp.) netto liegen (bei 4% Fett und 3,4% Eiweiss). 

Die Milchanlieferung in Deutschland liegt im Herbst 2019 witterungsbedingt etwas unter dem Vorjahresniveau, wobei 2018 auch bereits ein sehr trockenes Jahr war. Anders als im Vorjahr sind heuer einzelne Regionen innerhalb Deutschlands deutlich stärker von der Trockenheit betroffen, sodass es Futterengpässe beziehungsweise geringe Futterreserven für die Wintermonate bis 2020 gibt. 

Brexit wird zu Problemen führen 

Sorgen bereiten dem Milchindustrie-Verband die Vorgänge um den möglichen "harten" Brexit. Die alte britische Regierung unter Theresa May hatte zwar noch beschlossen, dass nur geringe Einfuhrzölle im Vereinigten Königreich im Brexit-Fall erhoben werden. Einige Käsesorten und auch Butter werden jedoch mit Einfuhrabgaben belegt. Dazu kommen noch die komplizierten Zollverfahren und Kontrollen an den Fähren oder dem Kanaltunnel, welche das Geschäft behindern werden.

England ist aber nach wie vor auf Einfuhren von Milchprodukten angewiesen. So übersteigt die Summe der Käseimporte aus der EU weiterhin die eigene Produktion, auch wenn die britische Milchanlieferung 2019 gegenüber den Vorjahren gesteigert werden konnte. Spannend wird die Reaktion der Republik Irland sein, die derzeit der Hauptexporteur für den britischen Bedarf ist. Der MIV hofft, dass trotz aller Schwierigkeiten die irischen Kollegen ihr durchschnittliches Exportvolumen beibehalten können und keine anderen Märkt e in Mitleidenschaft gezogen werden. 

Gegen zu grosse Freihandels-Zugeständnisse

Mit Spannung und einer gewissen Skepsis erwartet der Milchindustrie-Verband die Beratungen in Brüssel zu den Freihandelsabkommen mit Australien und Neuseeland. Der MIV betont, dass die EU-Kommission nicht zu grosse Angebote unterbreiten sollte, da sich auf der Gegenseite das Absatzvolumen für europäische Ware kaum vergrössern werde. Dies gilt insbesondere für den neuseeländischen Markt. 

Der MIV repräsentiert etwa 80 mittelständische Unternehmen der deutschen Milch- und Molkereiwirtschaft. Mit rund 26 Mrd. Euro Jahresumsatz ist die Milchindustrie der grösste Bereich der deutschen Ernährungsbranche. 

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