24.03.2017 17:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Milchmarkt
«Das ist ein Beweis für Positivwirkung»
Während sich die Milchpreise in der EU langsam erholen, tut sich auf dem Schweizer Molkereimilchmarkt wenig. Gemäss BOM-Geschäftsführer sei eine Annäherung von Schweizer und internationalem Preis angezeigt.

Der Preis, den Schweizer Produzenten für Milch im A-Segment lösen, hängt zu einem wesentlichen Teil vom Ausland ab. Diesen von Branchenexponenten immer wieder betonten Umstand bestätigt ein Vergleich von Zahlen der letzten vier Jahre. Indexiert man den internationalen LTO-Preis (währungskorrigiert und in Schweizer Franken), den ausgezahlten sowie den Richtpreis für das A-Segment, zeigt sich die parallele Entwicklung (Infos zu den einzelnen Preisen vgl. Kästen).

Preis sank «nur» 15%  

Die Grafik veranschaulicht dabei auch den Einbruch des LTO-Preises im Frühjahr 2015. Mit dem Ende der EU-Milchquote per 31. März 2015 sank der durchschnittliche EU-Milchpreis in gut einem halben Jahr um rund 25 Prozentpunkte. Der ausbezahlte A-Preis in der Schweiz sank in derselben Periode um rund 15 Prozentpunkte.

LTO-Preis

Der LTO-Preis ist ein auf internationaler Stufe erhobener und monatlich publizierter Vergleich der ausbezahlten Preise für Molkereimilch. Er basiert auf der gewichteten Milchmenge und tatsächlich ausbezahlten Preise der grossen europäischen Molkereien. Der Preis gilt dabei für Milch mit 4,2 Prozent Fett sowie 3,4 Prozent Eiweiss sowie einer maximalen Keim- und Zellbelastung von 25000 bzw. 250000/ml. Die Preise verstehen sich franko Rampe, inklusive zusätzliche Zahlungen (Verlademengenzuschüsse, Saisonalität etc.) ohne Mehrwertsteuer. rab

Für Stefan Kohler, Geschäftsführer der Branchenorganisation Milch (BOM), ist damit nicht weniger als der Beweis für die positive Wirkung der Segmentierung erbracht. «Das Nicht-Mitmachen beim stark sinkenden europäischen Milchpreis ist nebst dem Grenzschutz und den Leistungen der Branche zur Marktregulierung zu einem grossen Teil auf die Segmentierung zurückzuführen».

A-Molkereipreis

Der beobachtete Molkereimilchpreis des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) ist eine vergangenheitsbezogene Grösse. Der Preis für Molkereimilch beinhaltet den Preis für die von der Industrie und Produzentenorganisationen gekaufte Milch (Käseverarbeitung ausgenommen), ab Hof oder Sammelstelle. Die Gehalte der Milch sind 4 Prozent Fett und 3,3 Prozent Eiweiss. Die Produzentenpreise werden jeden Monat bei den wichtigsten Erstmilcheinkäufern direkt erhoben. Über alle Segmente werden so rund 70 Prozent der vermarkteten Milch abgedeckt. rab

«Annäherung angezeigt»

Aus der Grafik geht weiter hervor, dass der LTO-Preis seit Wochen wieder im Steigen begriffen ist, der Schweizer A-Preis sich aber kaum bewegt. Kohler betont hierbei, dass die Differenz zum Ausland jüngst sehr gross war, man im Export Mengen verloren habe und nun wieder eine Annäherung zwischen LTO und Schweizer A-Preis angezeigt ist. Zur Erinnerung: An der letzten BOM-Vorstandssitzung haben sich Produzentenvertreter für eine Erhöhung des A-Richtpreises starkgemacht. Verarbeiter und Detailhändler stimmten dagegen.

A-Richtpreis

Der Vorstand der Branchenorganisation Milch (BOM) legt den Richtpreis für das A-Segment jeweils vierteljährlich fest. Dieser Richtpreis gilt dabei für Milch mit einem Gehalt von mindestens 4 Prozent Fett und 3,3 Prozent Eiweiss. Er versteht sich als Preis franko Rampe des Verarbeiters exklusiv Mehrwertsteuer. Der A-Richtpreis orientiert sich dabei an der bisherigen Preisentwicklung für Molkereimilch, an der vergangenheitsbezogenen Kostenentwicklung für landwirtschaftliche Produktionsmittel sowie an einer prospektiven Markteinschätzung. rab

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