14.03.2017 08:04
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Milchmarkt
«Das kann so nicht akzeptiert werden»
Einmal mehr ruft Bauernpräsident Ritter die Milchbranche zur Ordnung. Kostendeckende Preise von mehr als 67 Rp./kg müssten das Ziel bleiben. Höhere Direktzahlungen dürften nicht im Vordergrund stehen.

Zwei Schwergewichte der Agrarszene sind sich nicht einig. Markus Zemp, Präsident der Branchenorganisation Milch (BOM), sagte letzte Woche in Bern, es sei Träumerei, bei der ÖLN-Molkereimilch an ein Zurückkommen auf 70 oder 80 Rp. zu denken. Die Frage für die nächsten Jahre laute: Kann der Bauer bei einem Milchpreis von 50 Rp. in der Schweiz Geld verdienen?  

Ritter haut in die Tasten

Zemp hielt dann wörtlich fest: «Wenn die Rahmenbedingungen hier keine Lösungen ermöglichen, werden wir die Milchwirtschaft als Pfeiler der Schweizer Landwirtschaft verlieren oder die Direktzahlungen gleichen aus.» 50 Rp./kg Milch – das ist ungefähr der Preis, den die Milchbauern aktuell ausbezahlt erhalten (zum Teil sind es noch weniger). Zemps Aussage würde also bedeuten, dass der Preis mittelfristig kaum besser wird.

Diese Aussage ruft nun Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbandes, auf den Plan. Als der Zeitungsartikel am Dienstag auf schweizerbauer.ch aufgeschaltet wurde, hinterliess Ritter zwei Stunden später einen Online-Kommentar mit der Überschrift «Kostendeckende Preise müssen Ziel sein». Ritter schrieb: «Sollten kostendeckende Preise von 67 Rappen ohne eigene Arbeit im Talgebiet für Molkereimilch eine Träumerei sein, müssen betriebswirtschaftliche Grundsätze neu erfunden werden. Wir müssen aufhören, uns andauernd Sand in die Augen streuen zu lassen.»

Mehr DZ sehr schwierig

Der «Schweizer Bauer» hat bei Markus Ritter nachgefragt. Die Aussage Zemps, dass 70 Rp./kg für die Molkereimilch eine Träumerei seien, kann laut Ritter in dieser Form nicht akzeptiert werden. Höhere Direktzahlungen (DZ) seien nicht illusorisch, aber nicht das erstrangige Ziel. Was Ritter nicht sagt: Im aktuellen finanzpolitischen Umfeld, in dem der Bundesrat bei den Bauern laufend Sparvorschläge macht, für mehr Direktzahlungen zu kämpfen, ist sehr schwierig – auch wenn es viele gute Gründe dafür gäbe.

Der Bauernverband hat es letztes Jahr abgelehnt, für ein millionenschweres Sofort-Hilfspaket zugunsten der Milchbauern den politischen Kampf überhaupt aufzunehmen, wie es die Schweizer Milchproduzenten (SMP) gewollt hätten, weil es aus seiner Sicht chancenlos war. Und wenn es in der Summe nicht mehr Gelder gibt, müssen Direktzahlungen umverteilt – das heisst zuerst anderen Bauern weggenommen – werden. Gelder dort kürzen, wo die Märkte noch einigermassen korrekt funktionieren? Das ist politisch ebenso schwierig. Die Betroffenen, die ebenfalls dem SBV angehören, würden sich massiv wehren. 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE