1.05.2019 18:30
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
Das sind die Zusatzanforderungen
Am Donnerstag ist für die Schweizer Milchwirtschaft ein entscheidender Tag. Die Branchenorganisation Milch wird über die Einführung des Branchenstandard «Nachhaltige Milch» entscheiden. Um den Zuschlag zu erhalten, muss der Milchbauer 12 Grundanforderungen erfüllen. Die Zusatzanforderungen konnte schweizerbauer.ch in Erfahrung bringen.

Am Donnerstag werden die Delegierten den Branchenorganisation Milch (BOM) über die Einführung des Branchenstandard «Nachhaltige Milch» entscheiden. Wer als Milchbauer den Nachhaltigkeitszuschlag erhalten möchte, muss 12 Grundanforderungen erfüllen. Ziel ist es, dass nach einer Übergangsfrist von 4 Jahren sämtliche Schweizer Milch nach strengeren Kriterien produziert und verarbeitet wird. Die Bauern sollen mit einen Nachhaltigkeitszuschlag bedacht werden.

3 statt 2 Rappen

Im September kommunizierte die BOM noch einen Zuschlag von 2 Rp./kg für sämtliche Molkereimilch (A, B und C). Der Vorstand der BOM hat Anfang April Vorentscheide gefällt und Änderungen vorgenommen. Der Zuschlag wird nun um einen Rappen auf 3 Rp./kg erhöht. Dieser wird aber nur noch auf der A-Milch ausbezahlt.

Noch im vergangenen Herbst wurde ein Zuschlag auf der gesamten Molkereimilch vorgeschlagen. Warum nun diese Änderung? «Wir haben festgestellt, dass wir den Zuschlag auf B- und C-Milch am Markt nicht lösen können», sagte BOM-Geschäftsführer Stefan Kohler Anfang April zu schweizerbauer.ch. Die nun vorgeschlagene Lösung erachtet er deshalb als «realistischer». Die Chance, dass beispielsweise beim Export von Milchfett (C-Milch) in Form von Butter ein Zuschlag gelöst werden kann, ist verschwindend klein. In der Schweiz werden pro Jahr rund 3,4 Milliarden Kilo Milch produziert, 2,4 Milliarden davon sind Molkereimilch.

Käser gegen Zuschlag

Der Zuschlag hat innerhalb der BOM aber nicht nur für Befürworter. Fromarte, der Verband der Käser, ist mit der aktuellen Ausgestaltung des Zuschlags für A-Milch nicht einverstanden. Die Käser wollen, dass der Zuschlag nur auf nicht verkäster Milch gilt.

«Solange keine Einigung betreffend die Begriffe Molkereimilch, industrielle Käsereimilch und gewerbliche Käsereimilch herrscht, wird Fromarte die Einführung des Branchenstandards Nachhaltige Schweizer Milch mit einem Nachhaltigkeitszuschlag von 3 Rappen je Kilogramm A-Molkereimilch ablehnen», so die deutlichen Worte von Fromarte. Die Geister scheiden sich bei mit Silage produzierter Milch, die verkäst wird. Darunter fällt beispielsweise Raclettekäse oder Grosslochkäse.

Die zwingenden Anforderungen im Bereich Tierwohl (5 Anforderungen), Fütterung (2) und Weitere (3) hat die BOM bereits im Herbst 2018 bekanntgegeben (siehe zweiter Kasten unten). Die zusätzlichen Anforderungen wurden bisher nicht kommuniziert. Gemäss BOM müssen die Bauern zwei Kriterien müssen auswählen und erfüllen. schweizerbauer.ch wurden nun diese zusätzlichen Anforderungen zugespielt. Sie lauten wie folgt:

Zusatzanforderungen

RAUS und BTS


Ein Zusatzkriterium gilt als erfüllt, wenn der Milchbauer an den Bundes-Tierwohlprogramme BTS (besonders tierfreundliche Stallhaltung) und RAUS (regelmässigen Auslauf) teilnimmt.

Lebetagleistung

Im Talgebiet: Mehr als 8 kg Milch als Durchschnitt über die ganze Herde.
Im Berggebiet: Mehr als 6 kg Milch als Durchschnitt über die ganze Herde.

Antibiotika

Kein prophylaktischer Einsatz von Antibiotika bei Milchkühen. Als Beispiel angefügt werden Trockenstellen, Gebärmuttervorfall oder Mortellaro.

Komplementärmedizin

Im Krankheitsfall Anwendung von komplementärmedizinischen Methoden wie Homöopathie oder Phytotherapie.

Soziale Absicherung

Die Entlöhnung von Familienarbeitskräften wird dokumentiert.

Anerkannter Lehrbetrieb

Weiterbildung

Das Betriebspersonal besucht mindestes während einem halben Tag pro Jahr eine Weiterbildung.

SchuB

Der Betrieb bietet mindestens einmal pro Jahr Schule auf dem Bauernhof an.

 

Zwingende 10 Anforderungen 

Fünf Anforderungen aus dem Bereich Tierwohl

RAUS-BTS: Die Kühe müssen an einem der beiden (oder beiden) Tierwohlprogramme des Bundes teilnehmen. BTS steht für besonders tierfreundliche Stallhaltung, RAUS steht für regelmässigen Auslauf. 

Kälberhaltung: Die Mindesthaltedauer auf dem Geburtsbetrieb beträgt bei allen geborenen Kälbern 21 Tage. 

Mindestmelkintervall: Die Kühe müssen mindestens zweimal pro Tag gemolken werden. 

Einhaltung Richtlinien ASR: Die Tierhalter, welche mit ihren Tieren an Schauen und Aus-stellungen gehen, müssen sich verpflichten, die Richtlinien ASR einzuhalten. 

Keine Trächtigkeit bei Schlachtkühen: Bei Schlachtkühen muss die Nicht-Trächtigkeit nachgewiesen gemäss der Branchenregelung Proviande eingehalten werden.

Zwei Anforderungen im Bereich Fütterung 

Sojaschrot
: Falls Sojaschrot in der Fütterung verwendet wird, muss dieses nachweislich aus nachhaltigen Quellen stammen.

Palmfett und Palmöl: Die Fütterung der Milchkühe kommt zu 100% ohne Palmfett oder -öl aus.

Drei weitere Anforderungen

Antibiotikaeinsatz: In der tiermedizinischen Behandlung dürfen ohne tierärztliche Anordnung keine kritischen Antibiotika verwendet werden, welche wegen der möglichen Resistenzbildung in der Humanmedizin umstritten sind.

Biodiversität: Das Bundesprogramm ÖLN muss erfüllt werden. Dies bedeutet, dass in der Regel mindestens 7% der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche besondere Leistungen zur Biodiversität erfüllen.

Name der Kuh und Kalb: Jede Kuh hat ab Geburt einen Namen, welcher in der TVD eingetragen ist. Damit wird die für den Familienbetrieb typische Beziehung Tierhalter zum Tier zum Ausdruck gebracht.

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