17.09.2019 17:24
Quelle: schweizerbauer.ch - hal
Milchmarkt
Demonstration bei Emmi
Basisorganisationen und Milchproduzenten demonstrierten vor dem Emmi-Gebäude. Mehr Transparenz sei dringend notwendig. --> mit Video

Am Dienstag versammelten sich vor der Milchverarbeiterin Emmi in Emmen LU rund ein Dutzend Personen, darunter neben den Vertretern von Uniterre und Bäuerlichem Zentrum Schweiz einige Milchbauern. Die Basisorganisationen riefen zur Demonstration für einen fairen und transparenten Milchmarkt auf. Warum formierten sich die Gewerkschaften ausgerechnet bei Emmi zur Demonstration?

«Emmi muss nachziehen»

Ein Grund ist die Migros. Die Migros-Milchverarbeiterin Elsa erhöhte per 1. September den Milchpreis um 2,5 Rappen. Ihr Basispreis für A-Milch liegt bei 65,5 Rappen. Laut Hansrudolf Kneubühl, Sekretär des Bernisch Bäuerlichen Komitees, müsse nun Emmi als einer der grössten Milchabnehmer in der Schweiz nachziehen. Falls Emmi den Milchpreis nicht erhöht, befürchten Uniterre unweigerlich einen Preisdruck von Seiten der anderen Verarbeiter.

«Verarbeiter verwechseln Grün mit Rot»

Uniterre-Aktivist Rudi Berli rollte symbolisch einen grünen Teppich aus, darüber legte er ein rotes Tuch. Er erwarte, dass der Nachhaltigkeitszuschlag von drei Rappen bei den Milchproduzenten ankommt. Die Rede ist vom Branchenstandard «Nachhaltige Schweizer Milch», der per 1. September eingeführt wurde. «Die Verarbeiter sind farbenblind, stehen auf dem roten Teppich und kassieren ein, während die Milchbauern untendurch müssen», liess er per Lautsprecher kritisch verlauten. Die heutige Situation gefährde die bäuerliche, nachhaltige Landwirtschaft. «Wir Milchproduzenten erwarten, dass der Richtpreis von 71 Rappen für das A-Segment den Bauern franko Hof ausbezahlt wird.» Der Richtpreis sei für ihn nicht weiter als eine nichts aussagende Zahl. Er müsse für den Produzenten gültig sein.

«Verstoss gegen Recht»

Mathias Stalder, ebenfalls von Uniterre, kam nach Berli zu Wort und sprach von einem «absoluten Skandal» bezüglich Verteilung der Verkäsungszulage. «Wir gehen davon aus, dass einige Millionen Franken an Bundesgeldern nicht bei den Milchbauern angekommen sind.» Der intransparente Milchmarkt sei problematisch. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) kontrolliere die Auszahlungen der Verkäsungszulage ungenügend. Gewisse Milchhändler und Verarbeiter würden die Verkäsungszulagen nicht ausweisen. «Das ist ein Verstoss gegen das bestehende Recht.» Es sei stossend, dass die Schweizer Milchproduzenten (SMP) oder der Schweizer Bauernverband (SBV) da nicht aktiv seien. Auch laut Haab ist die Kritik am BLW gerechtfertigt: «Ich gehe davon aus, dass nicht alle Zahlungen bei den Milchbauern ankamen. Die Transparenz muss hergestellt werden.»

Das sagt Emmi

Mediensprecherin Victoria Arnold von Emmi spricht von einem guten und konstruktiven Gespräch, das am Dienstag mit den Basisorganisationen und den Milchproduzenten geführt wurde. Emmi halte den A-Preis ein und bezahle nachweislich einen der höchsten A-Milch-Preise.  Sibylle Umiker, die andere Emmi-Mediensprecherin, antwortete am 3. September mit «Ja» auf die Frage: «Hat Emmi Schweiz ab 1. Sept. 3 Rp./kg  Zuschlag auf der Molkereimilch im A-Segment bezahlt – ohne den Basispreis entsprechend zu senken bzw. gesenkt zu haben?».

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