21.01.2016 06:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Julia Spahr, Berlin (D)
Europäischer Milchmarkt
Den EU-Milchbauern gehts ebenso schlecht
An der Grünen Woche sprach das European Milk Board über den schlechten Milchpreis und übte Kritik am EU-Kommissar.

Die Situation auf dem Europäischen Milchmarkt sei für die Bauern untragbar, sagte der Präsident des European Milk Board (EMB) und des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM), Romuald Schaber, an einer Medienkonferenz anlässlich der Internationalen Grünen Woche in Berlin.

10 Cent pro Kilo

Und die Situation spitze sich immer mehr zu. Die Auszahlungspreise an die Bauern betrage in vielen Ländern, zum Beispiel in Deutschland oder den Niederlanden, seit Monaten nur noch zwischen 25 und 30 Cents (27 bis 32.4 Rp.) pro Kilo Milch. In den baltischen Ländern würden Bauern auf abgelegenen Höfen gerade noch 10 Cents pro Kilo erhalten, ebenso Landwirte auf schlecht erreichbaren Höfen in Grossbritannien.

Gleichzeitig lägen die Produktionskosten nachweislich bei mindestens 40 Prozent. «Erste Betriebe sind bereits in Insolvenz gegangen», sagt er, und andere könnten die Produktion nur noch mit zusätzlichen Krediten in 5- bis 6-stelligen Grössenordnungen aufrechterhalten. «Hintergrund dieser dramatischen Entwicklung ist das Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage auf dem Milchmarkt», begründet Schaber. Das Quotensystem, das 1984 von der Europäischen Gemeinschaft (EG) eingeführt wurde und seit da Angebot und Nachfrage von Milch geregelt hatte, wurde im April letzten Jahres abgeschafft.

Russland-Embargo und Kritik am EU-Kommissar

Die Regierung der EU habe immer gesagt, dass überschüssige Milch zu hochwertigem Käse verarbeitet werden solle, der exportiert werden könne. Mit dem Russland-Embargo sei aber nun der Export rückläufig, und trotzdem werde immer mehr Milch produziert. Diese müsse dann zu Milchpulver und Butter verarbeitet werden, welche zu Schleuderpreisen verkauft werden müssten.

Das EMB macht dem EU-Kommissar für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, Phil Hogan, schwere Vorwürfe, weil er trotz der schwierigen Umstände weiter an der «schädlichen Wachstums- und Exportstrategie» festgehalten würde. Ausserdem würden Fakten bewusst ignoriert bzw. falsch interpretiert. Als äusserst problematisch sieht die Vizepräsidentin des EMB, Sieta van Keimpema, dabei insbesondere die Behauptungen Hogans, dass sich der Milchmarkt stabilisiert habe und sich in keiner Krise befände.

Zahl der Milchviehbetriebe seit 2007 halbiert

Dies entspräche nicht annähernd der Realität, sagt van Keimpema. «Wenn Daten derart umgedeutet werden, nur um den eigenen Kurs weiter zu rechtfertigen, dann ist das in meinen Augen Missmanagement», so van Keimpema weiter. Obwohl es eine der Hauptaufgaben der gemeinsamen Agrarpolitik der EU sei, den Landwirten einen angemessenen Lebensstandard zu ermöglichen, sinke das landwirtschaftliche Einkommen immer weiter.

Als Folge dieser Entwicklung habe sich die Zahl der Milchviehbetriebe in der EU seit 2007 beinahe halbiert. Das sei für Hogan aber kein Grund, wirksame Instrumente zum Gegensteuern einzusetzen. Auch Schaber findet deutliche Worte: «Angesichts einer solchen Verweigerungshaltung ist der EU-Agrarkommissar nicht mehr tragbar.»

Vorschlag des EMB

Das EMB übt aber nicht nur Kritik, es legt ein konkretes Marktverantwortungsprogramm vor, mit dem der Krise auf dem Milchmarkt angemessen begegnet werden soll. Mit einem Index zur Kostendeckung der Preise sollen Krisen frühzeitig erkannt werden. Fällt der Index unter eine bestimmte Schwelle, tritt das dreistufige Programm in Kraft.

Nach der Frühwarn-Stufe folgt die Stufe der Krise, die einen Bonus für Produktionsreduktion beinhaltet,  und in der dritten Phase folgt eine allgemeinverbindliche Rückführung der Milchanlieferung um 2 bis 3% für einen definierten Zeitraum.

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