1.05.2017 08:35
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Milchmarkt
«Die Milchpreise sind zu tief»
Peter Hegglin wurde am Donnerstag zum neuen Präsidenten der Branchenorganisation Milch (BOM) gewählt. Er anerkennt, dass die heutigen Molkereimilchpreise zu tief sind. Die Marktanteile will er halten oder steigern.

«Schweizer Bauer»: Was ging Ihnen durch den Kopf, als man Sie anfragte, ob Sie das BOM-Präsidium übernehmen?
Peter Hegglin: Ich konnte meinen Traum vom eigenen Bauernhof leben, als ich in Menzingen ZG als Landwirt den eigenen Betrieb führte. Dann wurde ich Regierungsrat des Kantons Zug und musste meinen Betrieb verpachten. Als Finanzdirektor habe ich mich etwas von der Branche entfernt und befasste mich vollamtlich vorwiegend mit finanzpolitischen Fragen. Im Herbst 2015 wurde ich in den Ständerat gewählt, was ein Pensum von 60% bis 70% bedeutet. So bin ich frei, Mandate zu übernehmen, und zwar bevorzugt solche mit einer etwas weiteren wirtschaftlichen oder gesellschaftspolitischen Ausrichtung. Das Präsidium der BOM passt da sehr gut. So war ich im ersten Moment überrascht, als die Findungskommission an mich herantrat, sagte dann aber relativ rasch zu.  

Was ist Ihre Motivation?
Die BOM hat für die Regulierung des Marktes bereits viel geleistet. Ich denke, uns in der Schweiz ist die Organisation des Übergangs vom alten Mengensteuerungssystem ins neue System recht gelungen. Die Branche hat bewirkt, dass die Produzentenpreise in der Schweiz nicht aufs Weltmarktniveau fielen. Doch die Preise sind sehr tief, ja zu tief, wenn man ans Kostenumfeld denkt, in dem sich die Schweizer Milchproduzenten bewegen. Soweit ich sehe, kommen heute nicht einmal mehr die effizientesten Milchviehbetriebe auf rechte Einkommen, sodass sie derzeit durchhalten in der Hoffnung auf zukünftig wieder höhere Preise.

Wie wollen Sie ein besseres Umfeld erreichen?
Die BOM soll die unterschiedlichen Interessen innerhalb der Branche ausgleichen. Als BOM-Präsident übe ich eine koordinierende Funktion aus. Ich will dazu beitragen, dass nicht das Prinzip «alle gegen alle» herrscht, sondern dass der Milchmarkt mit Transparenz, Regeln, eigenen Massnahmen und einer gewissen staatlichen Unterstützung so funktioniert, dass Marktanteile gehalten oder ausgebaut werden können und die Preise auf ein Niveau kommen, die dem Premiumprodukt Schweizer Milch angemessen sind.

Im Mai beschliesst der zwanzigköpfige BOM-Vorstand den Richtpreis für die Molkereimilch im A-Segment für das dritte Quartal. Wird er nun endlich steigen?
Das hängt nicht vom Präsidenten ab, der ja im Vorstand gar kein Stimmrecht hat, sondern von den Rahmenbedingungen.  Entscheiden wird der Vorstand, und ich gehe davon aus, dass er alle Faktoren in seine Überlegungen einbezieht.

Sie wollen die Marktanteile halten. Gerade diese Strategie führt aber zu tiefen Milchpreisen, weil so auch wertschöpfungsschwache Segmente erhalten werden.
Ich weiss, dass es da gegenläufige Ansichten gibt. Aber sehen Sie: Wenn wir in der Schweiz die Menge reduzieren, füllen ausländische Bauern und ausländische Verarbeiter sofort die Lücke. In unserem teilliberalisierten Markt ist das so. Ich finde es deshalb nicht richtig, heutige Marktanteile einfach aufzugeben. Alles, was einmal verloren ist, kann nur sehr schwer oder gar nicht mehr zurückgeholt werden. Das Ziel muss sein, die Schweizer Milchmenge zu halten, und zwar nicht nur für die Milchbauern, sondern auch für die Verarbeiter, die eine Mindestmenge an Milch brauchen, um die Arbeitsplätze sichern zu können.

Wie schafft man das?
Wir müssen für die Schweizer Milch kämpfen und darauf hinarbeiten, die Vorteile der Schweizer Milchproduktion am Markt noch besser in Mehrerlöse umzusetzen. Das tönt einfach, heisst aber, bis zum Konsumenten zu gelangen, diesen zu überzeugen. Denn der Konsument muss bereit sein, für Milchprodukte mehr zu bezahlen und nicht einfach auf das billigste Produkt zu gehen. Ich stelle fest, dass es bereits zahlreiche Konsumenten gibt, die so entscheiden. Aber wir müssen das noch verstärken.

Bauern warnen

An der Delegiertenversammlung der Branchenorganisation Milch (BOM) von vergangenem Donnerstag ergriff unter dem Traktandum «Verschiedenem» Milchproduzent Boris Beuret aus Corban JU  das Wort. Er warnte: «Die Situation der Produzenten wird von Tag zu Tag schlimmer. Sie verlieren das Vertrauen in die Zukunft. Die Jungbauern wollen nicht mehr in die Milchproduktion einsteigen.» Um so viel zu arbeiten und nichts zu verdienen, müsse man verrückt sein, höre er immer öfters. Auch SMP-Vizepräsident Christophe Noël und Mathias Eggenberger von der PO Ostschweiz appellierten an die Verantwortung der Verarbeiter und des Detailhandels. sal

Sie stellten in den 1990er-Jahren Ihren Betrieb auf Bio um. Sahen Sie früh die Marktchancen?
Ja. Auf meinem Betrieb in der Bergzone I überwog die Graswirtschaft, dazu kamen etwas Ackerbau, Obstbäume für Brennkirschen und Hühner. Gerade bei den Legehennen erkannte ich im Biobereich grosse Chancen. Ich konnte auf 1500 Legehennen ausbauen. Die Preise für Bioeier waren sehr gut, der Bio-Produzenten-Preis entsprach dem Konsumentenpreis im konventionellen Bereich. So drängte sich für meinen Betrieb der Biolandbau fast auf. Mein Milchabnehmer Hirz-Nestlé hatte kein Interesse an Biomilch, ich lieferte dann an einen regionalen Verarbeiter, der vor allem Biomozzarella herstellte. Ich darf sagen, dass mein Betrieb wirtschaftlich sehr gut lief. Ich war auch gerne Landwirt. Aber es kamen dann neue Aufgaben in der Politik. 

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