24.03.2013 06:47
Quelle: schweizerbauer.ch - Eveline Dudda
Milchmarkt
Ein Nullsummenspiel für die Milchproduzenten
Ein Nullsummenspiel für die Milchproduzenten Heute wird viel weniger A-Milch eingekauft, als A-Milch-Produkte hergestellt werden. Das könnte sich jetzt ändern. Die Milchbauern werden deswegen aber nicht zwingend mehr Geld für ihre Milch erhalten.

In der Politik hat man sich an leere Versprechungen bereits gewöhnt. In der Milchwirtschaft tut man sich noch schwer damit. Als die Branchenorganisation Milch (BOM) Ende November die Delegierten über die Einführung der Segmentierung abstimmen liessen, rechnete sie vor, dass 90% der Milch zum A-Segment gehören. Die Delegierten glaubten offenbar gerne, dass für  3070 Mio. Kilo Milch der A-Preis bezahlt wird, und stimmten der Segmentierung zu. Doch aus dem hohen A-Milch-Anteil wurde nichts, der Milchpreis läge sonst auf einem anderen Niveau.

Wie viel A-Milch?

Wie hoch der A-Milch-Anteil tatsächlich ist, lässt sich aufgrund der mangelhaften Daten zur Segmentierung höchstens schätzen: Im letzten Jahr wurden 1200 Mio. Kilo silofreie Milch abgeliefert, das ist 100% A-Milch. Zusätzlich wurden der BOM 1170 Mio. Kilo A-Milch gemeldet. Zählt man beide Zahlen zusammen, bleibt immer noch eine Differenz von 700 Mio. Kilo auf die ursprünglich prognostizierte A-Milch-Menge übrig.  Selbst für den äusserst unwahrscheinlichen Fall, dass  die 500 Mio. Kilo Milch, die der BOM erst gar nicht gemeldet wurden, nur aus A-Milch besteht, bleibt der Unterschied zwischen Versprechung und Realität gross. Das ist vor allem deshalb ärgerlich, weil in den letzten drei Jahren 3000 Tonnen mehr Käse produziert wurden – und verkäste Milch, bis auf wenige Ausnahmen, ins A-Segment gehört. Statt weniger müssten eigentlich rund 200 bis 300 Mio. Kilo Milch zusätzlich ins A-Segment geflossen sein. Doch die Bauern spürten nichts davon.

A-Milch zum B-Preis

Besserung ist nicht in Sicht. Zwar werden ab dem 1. Januar die Zahlen zur Segmentierung nicht mehr von der BOM, sondern von der Treuhandstelle Milch erfasst. Weil die Verarbeiter die Verkäsungszulage nur erhalten, wenn sie ein Formular bei der TSM ausgefüllt haben, kann man davon ausgehen, dass künftig mehr A-Milch gemeldet wird. Doch mehr Milch im A-Segment bedeutet noch lange nicht mehr Geld im Milchkässeli.

Die BOM hat auf 2013 die Produktliste je Segment angepasst. Neu wird auch Milch für «Kasse Importabwehr», wie zum Beispiel Mozzarella, dem A-Segment zugerechnet. Weshalb Emmi den Anteil A-Milch bei ihren PMOs von 65 auf 70 % erhöht hat.

Hintertürchen offen

Doch die BOM-Vorgaben enthalten auch ein Hintertürchen, welches das Ganze wieder relativiert: «Der ausbezahlte Preis für verkäste Industriemilch kann in preissensiblen Marktsegmenten (insbesondere Projekte für Importabwehr und für das Industriegeschäft) aufgrund gegenseitiger Vereinbarungen der Marktpartner vom A-Richtpreis abweichen.»

Emmi hat deshalb, BOM-konform, den A-Milch-Preis um den B-Milch-Anteil korrigiert. Der A-Milch-Preis wurde auf 60,6 Rappen gesenkt, die Lieferanten erhalten also künftig für die gesamte A-Milch  0,4 Rappen weniger.

Bauern kriegen nicht mehr

Wenn die Produzenten- Milchverwerter-Organisation  (PMO)  ZeNoOs ihren Produzenten mitteilt: «Die beiden Massnahmen sind zusammen preisneutral», dann bedeutet das im Klartext, dass die Umlagerung von B- zur A-Milch für Emmi kostenneutral ist – und einkommensneutral für die Bauern.  

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