16.10.2013 06:25
Quelle: schweizerbauer.ch - Interview: Samuel Krähenbühl
Milchpreis
«Eine Richtpreiserhöhung ist überfällig»
«Eine Richtpreiserhöhung ist überfällig»Die Branchenorganisation Milch (BOM) wollte keine Richtpreiserhöhung auf den 1. Oktober. Gemäss Kurt Nüesch, Direktor der Schweizer Milchproduzenten (SMP), ist eine Milchpreiserhöhung auf den 1.Januar überfällig.

«Schweizer Bauer»: Der BOM-Vorstand wollte für das 4. Quartal 2013 keine Richtpreiserhöhung. Wie zuversichtlich sind Sie, dass der Richtpreis im 1. Quartal 2014 steigt?
Kurt Nüesch:  Der Entscheid des BOM-Vorstandes für das 4. Quartal 2013 war für uns unverständlich und enttäuschend, da der Molkereimilchindex-Preis des BLW bereits damals über dem Richtpreis lag und alle wichtigen Indikatoren deutlich gegen oben zeigten. Aus unserer Sicht entsprach der Entscheid auch nicht dem Grundgedanken der Statuten der BOM. Diese sehen im Zweckartikel vor, dass die BOM unter anderem die Stärkung der Wirtschaftlichkeit ihrer Mitglieder und die Förderung der Wertschöpfung auf den Märkten anstrebt.  Und der Detailhandel hat mehrfach klar zum Ausdruck gebracht, dass er sich nach den Richtpreisen der BOM ausrichtet. Eine Richtpreiserhöhung auf den 1. Januar 2014 ist überfällig und ein Muss.

Aus dem Ausland werden Rekordmilchpreise vermeldet. Hinkt die Schweiz wieder hinten nach wie  2007, was damals zum Milchstreik führte?
Die aktuelle Situation ist nicht mit 2007 vergleichbar. Trotzdem müssen wir feststellen, dass es mit den Preiserhöhungen sehr schleppend vorangegangen ist. Die weitere Entwicklung ist schwierig einzuschätzen; bis jetzt gibt es keine Anzeichen, dass es eine Trendwende geben könnte.

Welche Argumente sprechen für eine Milchpreiserhöhung?
Sowohl die internationale Markt- und Preisentwicklung als auch die Situation und die Perspektiven im Inland geben klare und eindeutige Signale. Es gibt kaum stichhaltige Argumente, die gegen eine Richtpreiserhöhung sprechen.

Wie stark müsste der Milchpreis steigen?
Diese Frage werden die Vertreter der SMP im Vorstand der BOM zusammen mit den anderen produzentenseitigen Vertretern im Hinblick auf die nächste BOM-Vorstandssitzung eingehend diskutieren und sich entsprechend positionieren.

Welches Milchpreisniveau braucht es, damit die Milchbauern dauerhaft bei der Stange bleiben?
Das wird primär jeder Milchproduzent für sich selber beurteilen müssen. Dabei sind das Milchpreisniveau und die Preisperspektiven zwar sehr wichtige, aber nicht die einzigen Kriterien, die über Weitermachen, Investieren oder Aufhören entscheiden. Eine möglichst gute Wertschöpfung aus der Milch, ein Markt im dynamischen Gleichgewicht und günstige Perspektiven sind Aspekte und Ziele, die längerfristig im Interesse der gesamten Branche sein müssten. Sehr wichtig sind auch die Alternativen, und hier setzt die AP 2014–2017 deutliche Anreize.

Hatten Sie bereits Reaktionen auf die Studie zum Milchfreihandel, welche die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) in Ihrem Auftrag erstellte?
Es gab von verschiedenster Seite sehr viele positive Reaktionen auf diese unabhängige wissenschaftliche Studie, die wertvolle Grundlagen geliefert hat, um die Auswirkungen eines Milchfreihandels mit der EU für die Produzenten und die Verarbeiter besser einschätzen zu können. Wir werden dieses Geschäft mit grösster Aufmerksamkeit weiterverfolgen.

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